Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Prof. Dr. Hans Kind:
Auditing und andere Psychotechniken
aus wissenschaftlicher Sicht

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Anhörung der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg am 6.12.93 zum Thema Scientology
Erstveröffentlichung in "Anstösse - Beiträge zur Landespolitik"



Prof. Dr. med. Hans Kind war bis zu seiner Pensionierung Direktor der Psychiatrischen Poliklinik im Universitätsspital Zürich. 

Prof. Dr. Hans Kind:
Auditing und andere Psychotechniken
aus wissenschaftlicher Sicht



Ich habe weder aktive noch passive Erfahrungen mit Auditing Meine Erkenntnisse stützen sich auf eine ausgedehnte Lektüre der Schriften L.R. Hubbards (LRH) und auf einige Interviews mit Betroffenen. Die wesentlichen Elemente der Theorie und Therapie wurden im 1950 erschienenen Buch 1 "Dianetics: The Modern Science of Mental Health" erstmals beschrieben, das seither in Millionen Exemplaren praktisch unverändert immer wieder neu aufgelegt worden ist. Dieses Buch ist laut LRH (HCO-Bull. vom 12.12.81) in den Grundelementen immer noch gültig. Man kann die Psychotechniken von LRH nicht verstehen, wenn man die Grundzüge seiner Theorie der menschlichen Person nicht kennt.


Der menschliche Geist in der Theorie von L.R. Hubbard


LRH beschreibt den menschlichen Geist, Verstand (den sogenannten analytischen Mind) analog zu einem großen Computer, der möglicherweise im Stirnhirn lokalisiert sei (Buch 1, deutsche Übersetzung/Copyright 1989, S.63). Er speichert alle Wahrnehmungen in Gedächtnisbanken, aus denen das Ich, genannt Monitor, auf der Zeitschiene alles wieder abrufen kann, was ein Mensch erlebt hat. Es gibt aber Lücken, die in Zeiten sogenannter 'Bewußtlosigkeiten', d. h. von emotionalem oder körperlichem Schmerz entstanden sind. Diese werden als Engramme vom reaktiven Mind (das wäre also der Gegenspieler des analytischen Geistes) gespeichert, den LRH mit einem elektronischen Gehirn vergleicht (so im J. of Scientology, issue 16G, mid June 1953). Die Energieladung der Engramme ist die Ursache von Aberrationen. Sie stören das Funktionieren des analytischen Computers. Der reaktive Mind, d. h. seine besonderen Engrammbanken sind aber ebenfalls dem Ich mit der besonderen Technik des Rückrufs zugänglich. Im eben erwähnten Aufsatz bezeichnet LRH den analytischen Mind als THETAN, der unsterblich sei, während der reaktive Mind an den Körper gebunden und damit vergänglich ist


Grundzüge der dianetischen Therapie


Alle Neurosen, Psychosen, psychosomatische Leiden wie auch sozial störende Verhaltensweisen sind Aberrationen. Damit der Gehirncomputer fehlerlos funktionieren kann, müssen die Engramme gelöscht d. h. ihre Energieladung muß beseitigt werden. Das geschieht in der dianetischen Therapie, genannt Auditing, durch Wiedererleben des das Engramm verursachenden Ereignisses. Durch mehrmaliges Wiederholen dieses Vorganges wird die Energie entladen, was sich einerseits an der begleitenden emotionalen Reaktion von Apathie über Verzweiflung, Wut, Langeweile zu erlösendem Lachen anzeige (so Buch 1, S. 394), andererseits aber auch an der Nadelreaktion des E-Meters. Es handelt sich also bei dieser ursprünglichen Therapiemethode von LRH um ein Wiedererleben pathogener Erlebnisse und damit um Katharsis, emotionale Abreaktion, die schon Sigmund Freud anfänglich benützte. LRH erwähnt auch ausdrücklich die frühe Psychoanalyse als eine unvollkommene Vorläuferin der Dianetik. Freud versetzte seine Patienten in Hypnose. LRH beschrieb einen Zustand leichter 'Konzentration'. den er Reverie (das heißt Träumerei) nannte (Buch 1, S. 209, Fußnote 2). Eingeleitet wurde Reverie durch die Aufforderung: "Schau an die Decke, wenn ich von eins bis sieben zähle, fallen Dir die Augen zu", usw. Das entspricht genau der üblichen Einleitung eines leichten hypnoiden Zustandes.

LRH hat immer bestritten, daß seine Technik mit Hypnose zu tun habe. Nach 1950 hat LRH in den Technischen Bulletins den Ausdruck Reverie nicht mehr verwendet, aber Techniken benützt, die das gleiche bewirken. Mit dem E-Meter glaubte LRH die Löschung der Engramme nachweisen zu können. Seiner Meinung nach reagiert das Instrument entgegen der früheren Verwendung als Lügendetektor nicht auf die durch aktuelle Lügen verursachte emotionale Spannung, sondern auf die Emotion, die das seinerzeitige pathogene Engramm begleitet habe (so im Operator's Manual Electropsychometric Auditing,  Tech. Bull. Bd. 1, 1950-1953, S.222 ff). Engramme werden nach der Meinung von LRH nicht durch das bewirkt, was ein Mensch tut oder was er getan hat. "Die Dianetik beschäftigt sich in der Therapie ausschließlich mit dem, was der Person angetan wurde. Was ein Patient getan hat, ist belanglos" (Buch 1, S. 383). Schuld sind also immer die Eltern und die Verwandten. "Diese Leute sind die Bösewichte in unserem Drama: die Leute, die dem Preclear die Dinge angetan haben, die ihn zum Aberrierten machten" (Buch 1, S. 474). Zu den Grundregeln der Therapie gehört, daß man es dem Patienten nicht bequem machen, ihm jedenfalls kein Mitgefühl zeigen darf (Buch 1, s.224). "Der Auditor soll ... dem Patienten niemals irgendwelche Informationen geben, die dessen Fall betreffen, auch keine Datenauswertungen und keine Korrekturen hinsichtlich der Behandlungsdauer" (Buch  1, S. 225). "Stößt der Auditor auf Abwehr, Feindseligkeit gegenüber der Dianetik, so hört er keine analytischen Daten" (d. h. keine vernünftigen Argumente des Patienten) "sondern reaktive Engramminhalte. Er sollte gelassen fortfahren, in dem sicheren Wissen, daß die Dynamiken des Patienten ihm mit allem, was zur Verfügung steht, helfen werden.."(Buch 1, S. 232). Das dynamische Prinzip des Daseins ist Überleben (Buch 1, S. 561). Es wurde von LRH anfänglich in vier, später in acht Teildynamiken aufgegliedert.



Risiken für den Patienten


1989 habe ich in einem Gutachten geschrieben, diese im Buch 1 von LRH "Dianetik: die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" dargestellte Therapie sei eine 'unmenschliche' Prozedur, weil der Auditor sich gar nicht um die persönlichen Probleme des Patienten kümmert, sondern nur stur darauf bedacht ist, ihn zu sogenannten Rückrufen anzuhalten und ihn frühere Ereignisse solange erzählen zu lassen, bis das E-Meter keine Reaktion mehr anzeigt. Diese Therapie läßt ganz bewußt die bekannten und vielfach wissenschaftlich belegten Wirkungswege psychotherapeutischer Verfahren außer acht und beschränkt sich auf die bloße Abreaktion. Die Beziehung zum Therapeuten, die heute anerkanntermaßen der wichtigste therapeutische Faktor ist, wird vollständig ausgeklammert. Wie auch immer der Patient reagiert, welche Krisen und Zusammenbrüche er durchmacht, der Auditor soll ruhig dabei sitzen bleiben und auf der immer neuen Wiederholung früherer Ereignisse beharren, bis das E-Meter angeblich die Lösung anzeigt. Wahrscheinlich kommt es mit dieser Methode zu einer willfährigen Konditionierung des Patienten auf die Methode und das ganze System.

Von seiten der Scientologen wurde mir seinerzeit entgegengehalten, die in Buch 1 beschriebene Therapie sei überholt und werde so nicht mehr benützt, es gebe jetzt andere Verfahren. Sie haben auch ein Gegengutachten in Aussicht gestellt, das meines Wissens aber bisher nicht erschienen ist. Im übrigen handle es sich gar nicht um Therapie, sondern um geistliche Beratung. Dazu ist zu sagen, daß im Buch 1, das nach vorhin zitierten Worten LRH's immer noch zur Hauptsache gültig ist, Dianetik ausdrücklich eine Therapie genannt wird.

Ein erhebliches Risiko für den Patienten bedeutet die Meinung von LRH, daß die Eltern und Verwandten die Bösewichter seien, weil sie die Schuld an den Aberrationen, d.h. an den Störungen und Beschwerden hätten. Jeder Widerstand von Eltern gegen diese Therapie sei ein Ausdruck ihrer Schuldgefühle und Angst vor der Aufdeckung von 'Mißhandlungen' des Patienten in seiner Jugend. Insbesondere der Widerstand von Müttern gegen Auditing beruhe auf den seelischen Schädigungen, die sie schon während der Schwangerschaft mit Abtreibungsversuchen verursacht hätten (Buch 1, S. 246). Auf diese Weise können Patienten von ihrer Familie getrennt und ganz an das System gebunden werden. Wenn dann noch finanzielle Abhängigkeit dazukommt, kann der Weg zurück in die Selbständigkeit enorm erschwert, leidvoll und nur mit großen Einbussen möglich sein.



Vielfalt der Psychotechniken


Ein wichtiges Instrument der Indoktrination ist die eigene Fachsprache mit ihren zahlreichen Kunstwörtern und Kürzeln, die man ohne spezielles Wörterbuch nicht entziffern kann. Alltägliche Sachverhalte werden in einer pseudowissenschaftlichen, sich besonders physikalischer Begriffe bedienenden Sprache ausgedrückt. Z.B. heißt der menschliche Körper MEST, was mass, energy, space and time bedeutet; oder die unmittelbare Kommunikation zwischen zwei Individuen heißt straightwire, eine behinderte oder abgebrochene Kommunikation ARC-Break, etc. Diese Sprache, die der Außenstehende nicht verstehen kann, gibt sich den Anstrich hoher Wissenschaftlichkeit und vermittelt durch die Exklusivität das Gefühl des Eingeweihtseins und der Zugehörigkeit, was wiederum die Abhängigkeit verstärkt.

Seit 1950 hat LRH zahlreiche Bücher, dazu Vorträge und Kurse, die auf Toncassetten mit Transkripten erhältlich sind, sowie viele Technische Bulletins herausgegeben, die Anweisungen zu den Psychotechniken und zu organisatorischen Fragen geben. Es gibt jetzt eine große Zahl von Verfahren, um Neueinsteiger zu gewinnen und unter Kontrolle zu bekommen. Angelockt werden Neulinge oft mit dem bekannten Persönlichkeitstest, der 200 Fragen zu Meinungen und Einstellungen der Person enthält. In dem mir zugänglich gewesenen Schrifttum gibt es keine Angaben zur Validität, d. h. der Gültigkeit dieses Tests, der Oxford Capacity Analysis genannt wird, ja im Gegenteil, im HCO-Bulletin vom 19. 12.71 hat LRH eine Anweisung publiziert, die zeigt, daß mit dem Test gar keine ernsthafte Diagnostik beabsichtigt ist.

Alle Techniken und Kurse sind in einer Tabelle aufgezeichnet, welche "Die Brücke" zeigt, d. h. die Stufenleiter zur Vollkommenheit und Glückseligkeit. Dem Neuling werden zunächst Einführungskurse geboten, z.B. Lektüre des Buches 1 oder andere Werke, oder auch ein Probeauditing über ein aktuelles Problem des Neulings. Bei den einführenden Kursen wie auch später gibt es 'Wortklären'. Das ist meines Erachtens eine besondere Technik, mit der zwar die einzelnen Wörter eines Textes verstanden, aber gleichzeitig Kritik am Sinn verhindert wird (z.B. HCO-Bull. 05.02.66, lssue II: "Unfähigkeit einen Text zu verstehen, kommt nur von unverstandenen Wörtern", oder: Board Tech. Bull. 04. 09.71 R, revised 20.07.74: "Es ist immer ein unverstandenes Wort (das einen Text nicht verstehen läßt), nie ein Konzept oder eine Idee, die nicht verstanden werden", oder: Buch 1, S. 6: "Der einzige Grund, warum jemand ein Studium aufgibt oder lernunfähig wird, liegt darin, daß er über ein nichtverstandenes Wort hinweggegangen ist"). Auch ein Kommunikationskurs dient oft als Einführung, der Anleitung zum Umgang mit Menschen gibt und nicht selten als informativ und hilfreich beurteilt wurde.



"Purification Rundown"


Die eigentlichen Kurse sind dann in zwei Abteilungen gegliedert. Die eine unter dem Titel Scientology vermittelt mehr Ausbildung, die andere als Dianetik mehr Therapie. Letztere beginnt mit dem "Purification Rundown", einer Reinigungskur zur Beseitigung von Drogen, Medikamenten und Rückständen von Gewerbe- oder Zivilisationsgiften im Körper. Die Kur besteht aus einem kombinierten Programm von Körperübungen, besonders Jogging und Saunaaufenthalt von gesamthaft 5 Stunden täglich während bis zu 3 Wochen. Dazu muß eine von LRH vorgeschriebene Kombination von Vitaminen geschluckt werden, wozu steigende Dosen von Niazin bis maximal 5000 mg täglich gehören. Der durchschnittliche physiologische Tagesbedarf von Niazin beträgt 15-25mg. Ich kann aus Zeitgründen nicht auf die recht abstruse Idee von LRH eingehen, die hinter dieser exzessiven Verordnung steht. Sie ist auch nicht ohne Risiko, weil allerlei Beschwerden und vor allem Kreislaufkrisen im Zusammenhang mit der Sauna ausgelöst werden können. Zwar wird vorgehend eine ärztliche Untersuchung verlangt, die aber nach mir zugegangenen Berichten recht oberflächlich ausfallen kann.


Vorbereitung des Auditing


Wenn diese Reinigungskur nach ca. 3 Wochen erfolgreich abgeschlossen ist, werden sogenannte objektive Prozesse als einleitende Übungen zur Vorbereitung des Auditing verkauft Sie dienen dazu, Kontrolle über den Preclear (abgekürzt Pc) zu erlangen. Auditor und Pc sitzen sich nahe auf den Stühlen gegenüber. Der Pc erhält die Aufforderung, angegebene Punkte im Zimmer zu fixieren, dies unter Umständen oft wiederholt. Dann folgt die Aufforderung "Gib mir die Hand". Wenn der Pc das gemacht hat, sagt der Auditor nur "Danke" und wiederholt die Aufforderung. Danach soll der Pc bestimmte Handbewegungen des Auditors wiederholt genau nachmachen. Oder er soll z.B. zur gegenüberliegenden Wand gehen, sie berühren, sich umdrehen, zurückkommen, ebenfalls oft wiederholt ohne jede Modifikation. Es sind zahlreiche solcher Übungen beschrieben, die alle den Zweck haben, den Pc zu trainieren, die Befehle rasch, genau und ohne Kommentar auszuführen.

Der Auditor hat die strikte Anweisung, sich nicht auf Erklärungen oder Diskussionen einzulassen, sondern auf der Ausführung der Befehle zu bestehen, wenn nötig auch mit gewissem Zwang. Diese Übungen sollen stundenlang fortgeführt werden, wozu es diverse Anweisungen von LRH gibt; z.B. in einem Vortrag mit Demonstration vom 07.05.67  25 Stunden, im Buch "The Creation of Human Ability" (S. 23) bis 100 Stunden, freilich in verschiedenen Sitzungen. Ziel ist das Kommunikationsintervall des Pc zu beseitigen, d. h. er soll die Befehle rasch und ohne Zögern ausführen. Es ist klar, daß der Pc auf diese Weise konditioniert wird, willig alles zu übernehmen, auch spätere Anweisungen kritiklos auszuführen. Der Auditor soll auch unter keinen Umständen den Pc von sich aus die Sitzung beenden lassen. Er allein muß sagen, wann abgebrochen wird.

Andere Übungen sollen zur sogenannten Exteriorisation führen, d. h. einem Zustand, in welchem sich der Geist vom Körper loslöst. Das beginnt z.B. mit der Aufforderung: "Sei 3 Fuß hinter Deinem Kopf", dann "Sei an anderen Orten", die der Auditor nennt, leicht gefährlichen, dann immer gefährlicheren, bis der Pc ruhig im Mittelpunkt der Sonne sitzen kann (so Schritt 1, Standard Operating Procedure 8 in Creation of Human Ability, S. 226).

Ein weiterer Schritt enthält die Aufforderung, ohne zu denken in den oberen Ecken des Zimmers zu sitzen und nur an den Ecken interessiert zu sein, bis der Pc ohne Anstrengungen exteriorisiert ist. Solche Übungen, wenn sie lange genug durchgeführt werden, können ernsthafte Derealisations- und Depersonalisationsgefühle auslösen, die die Realitätskontrolle erheblich schwächen.



E-Meter-Auditing, Security-Checks und andere Techniken


Es folgt dann das eigentliche Auditieren von Engrammen am E-Meter. Es gibt dazu umfangreiche Fragebögen, mit deren Hilfe nach Problembereichen gesucht wird, z.B. körperlichen Beschwerden, Beziehungsproblemen u.a. Jedes Item, das am E-Meter eine Reaktion gibt, wird genauer befragt. Hat der Pc z.B. Kopfweh angegeben, so heißt es: "Finde eine Zeit, in der Du Kopfweh hattest, geh in der Vorstellung zu diesem Geschehnis; wie lange dauerte es? Geh zu seinem Beginn, seinem Ende". Der Auditor schaut nur auf die Reaktion des E-Meter, das Ereignis an sich ist für ihn unwichtig. Der Pc wird wiederholt durch diese Vorstellungen geschickt, wobei er analoge frühere Geschehnisse mit Kopfweh nennen soll. Dann kommt der Befehl "Finde ein Geschehnis, wo Du einem anderen Kopfweh verursacht hast", danach ein Geschehnis, wo andere anderen Kopfweh verursacht haben und schließlich: "Finde ein Geschehnis, wo Du Dir selbst Kopfweh verursacht hast". Das alles wird oft wiederholt, wodurch die mit Kopfweh verbundenen Engramme gelöscht werden und das Kopfweh verschwinden soll.

Breiten Raum nehmen die Techniken ein, die eingesetzt werden, um verschwiegene Ereignisse, besonders aggressive Akte an die Oberfläche zu bringen. Auch dazu gibt es umfangreiche Checklisten mit einer inquisitorischen Abfragetechnik. Besonders umfangreich sind die sogenannten Security-Checks, mit denen PTS (d.h. Potential Trouble Sources) aufgedeckt und SP (d.h. Suppressive Persons) entlarvt werden sollen. PTS ist schon, wer Kontakt zu Angehörigen hat, die Scientology kritisch bis ablehnend gegenüberstehen.

Es ist mir nicht möglich, an dieser Stelle ausführlicher die zahlreichen Techniken und die dahinterstehenden Ideen anschaulich zu machen. 1978 hat LRH Dianetic als New Era Dianetic gegenüber Buch 1 neu formuliert. Traumatisierungen aus der fötalen Periode oder aus früheren Leben werden jetzt kaum mehr erwähnt. Er sagt auch ausdrücklich, daß bei somatischen Leiden der Arzt zugezogen und daß dessen Therapie vorgehen muß. Parallel dazu soll der Auditor "Touch Assist" machen, d.h. ein Berührungsritual an den kranken Körperteilen, das die Heilung beschleunigen soll, z.B. einen Knochenbruch in 2 statt in 6 Wochen heilen. Auch Bewußtlose sollen mit dieser Technik aufgeweckt und klinisch Tote ins Leben zurückgeholt werden.

Nicht erwähnt habe ich jetzt die höheren Kurse der Scientology, die dem Erreichen menschlicher Vollkommenheit, ja Unsterblichkeit dienen. Sie enthalten eine höchst abstruse Kosmologie, gehen von zahlreichen früheren Leben des Eingeweihten aus und führen ihn auf Zeitreisen durch das ganze Universum. Hier knüpft LRH offensichtlich an seine frühere erfolgreiche Laufbahn als Sciencefiction-Autor an.



Nicht Autonomie des Patienten,
sondern Unterwerfung unter das System ist Ziel der Dianetik


Aus psychotherapeutischer Sicht bedeuten diese Psychotechniken ein erhebliches Risiko. Wie bereits erwähnt, erhält der Patient beim Auditieren gar keine Interpretation seiner Konflikte und Probleme, schon gar kein Mitgefühl und emotionale Stützung Für seelisch leidende, selbstunsichere, labile, von inneren und äußeren Konflikten bedrängte Personen bedeutet die dianetische Therapie ein bedeutendes Risiko der Auslösung von Angstzuständen, Depressionen, Krisen bis zu psychotischen Zusammenbrüchen. Von letzteren sind mir zwei Fälle begegnet. Andere sind in der psychiatrischen Literatur publiziert. Der Anspruch der Dianetik, alle Neurosen, psychosomatische Leiden und auch funktionelle Psychosen heilen zu können, widerspricht vollständig dem, was aus seriöser Forschung über die Wirksamkeit der Psychotherapie bekannt ist. Bezeichnenderweise gibt es im Schrifttum von LRH keinerlei Beschreibungen von nachprüfbaren Therapieexperimenten, sondern nur bloße Behauptungen.

Das einleitende konditionierende Prozedere macht den Patienten für spätere Suggestionen im Sinn der "Brücke zur Glückseligkeit" zugänglich. Die Unterwerfung unter die Autorität des Auditors schwächt seine Realitätskontrolle. So kann er zum Anhänger des Systems gemacht werden im Glauben, zu jenen Auserwählten zu gehören, die über sonst nicht erreichbare seelische Potenzen verfügen, einen Atomkrieg überleben und die Welt vom Elend erlösen können.

Die zahlreichen Befragungen über Overts und Withholds, d.h. kritische und im weitesten Sinn aggressive Akte, aber auch sonstige Ereignisse, die verschwiegen werden, weil sie peinlich sind, dazu die sogenannten Security-Checks, die irgendwelche wirkliche oder nur mögliche Vergehen gegen Scientology aufdecken sollen, bewirken. daß der Mensch seine Gedankenwelt völlig offenlegen muß. Er soll zum gläsernen Menschen werden, der dem System bedingungslos dient, wie mir kürzlich jemand gesagt hat. Jede echte Psychotherapie hat demgegenüber das Ziel, die Autonomie des Patienten zu stärken, ihm zu größerer innerer Selbständigkeit und auch zur Ablösung vom Therapeuten zu verhelfen. In Scientology und Dianetik wird ganz bewußt das Gegenteil angestrebt mit dem Ziel der Machtausübung.



Fragen in der Diskussion


Diskussionsteilnehmer:
Man hört in Vorträgen bei Scientology immer, daß der Mensch Engramme gesammelt hat, die beseitigt werden müssen, und damit wird das Auditing gerechtfertigt. Es kann doch nicht sein, daß es nur die negativen Dinge sind. die man unbewußt gespeichert hat?

Kind:
Sie haben recht. Hubbard knüpfte an die frühe Psychoanalyse an. Freud ging es darum, das Unbewußte bewußt zu machen, weil Unbewußtes schuld ist an allen möglichen Störungen. Natürlich hat man im Unterbewußtsein sehr viele Inhalte, darunter auch positive. Hubbard geht es beim Auditing nur um die negativen Erinnerungen. Die Leute kommen ja mit Problemen und diese werden nach Hubbards Auffassung verursacht durch negative Engramme. Diese sollen beseitigt werden. Es geht nicht darum, die positiven Erfahrungen hervorzuholen.

Diskussionsteilnehmer.
Dazu möchte ich kurz ergänzen: Hubbard sagte 1966 in einem Interview, wer erfolgreich auditiert sei, dessen Unterbewußtes ist weg. Das Hubbardsche Gedankengebäude beruht also tatsächlich auf der Vorstellung, daß es nichts Positives auf dieser Ebene gibt.

Kind:
Das ist schon richtig Er sagt ja auch, wer clear sei, könne sich nicht mehr irren, der wisse alles und habe eine hohe Intelligenz, weil er keine unterbewußten Hintergründe mehr habe. Das ist natürlich Unsinn.
 



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