Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 10.8.2008 
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 Berichte aus den Scientology-Straflagern RPF
 
 
 
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Zur Herkunft dieser Berichte
Bericht Anne R. Hubbards Straf-Kompanien
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Diese Berichte sind Teil einer Sammlung von eidesstattlichen Versicherungen von knapp 300 Seiten, die in den USA für eine Verbraucherschutz-Sammelklage ("Class Action") angefertigt wurde. 1980 wurden diese von der ABI Aktion Bildungsinformation e.V. übersetzt, dem zuständigen Bundesministerium übergeben und unter dem Kurztitel ABI-12-80 (+Seitenzahl) veröffentlicht. 
Die Original-Sammlung und die Übersetzung sind für prozessuale und wissenschaftliche Zwecke als PDFs vorhanden.
 

EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG VON ANNE R.

Im Dezember 1972 wurde ich nach meinem ersten Studiensemester (im Staat Washington) in die Scientology eingeführt, indem mich ein anderer Scientologe dazu ermutigte, mich bei der Portland-"Org" einem "Persönlichkeitstest" zu unterziehen. Bei diesem Test wurde mir eine schlechte Beurteilung gegeben. Später erfuhr ich jedoch, daß es eine übliche Praxis der "Kirche" sein, einem bei dem Test eine schlechte Bewertung zu geben, um die entsprechende Person anzuhalten, sich in die Behandlung der Scientology zu begeben.

Die Scientologen teilten mir auch mit, daß:

1. L. Ron Hubbard (L.R.H.) der Gründer der Organisation sei. Er sei Kernphysiker und Absolvent der George Washington University sowie der Princeton University.
2. Scientology den Intelligenzquotienten steigere.
3. Scientology Krankheiten und seelische Erkrankungen heilen könne.
4. Scientology jedes Problem behandeln könne - von Drogen bis Eheprobleme - sowie Probleme beim Studium.
5. Das College einem nicht lehre, wie man sich für unsere Welt oder das Leben in unserer Welt vorbereite. Andererseits gebe einem Scientology diejenigen Informationen, die man braucht, um mit seinem Leben fertig zu werden.
6. Scientology in Wirklichkeit eine Wissenschaft ist, und daß sie aber "Kirche" genannt wird, weil sie aus einer Gruppe von Menschen besteht, die gemeinsamt Glaubensrichtungen haben und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Es wurde mir gesagt, daß man durch "Auditing" einen Zustand erreichen könne, der als "Clear" ("geklärt/wissend") bezeichnet wird. Das Auditing werde mit einem Lügendetektor, E-Meter genannt, durchgeführt. Zunächst war ich darüber ziemlich skeptisch, es wurde mir aber versprochen, daß dies vertraulich sei. Ich begegnete Scientologen, die von sich behaupteten, daß sie "Clear" seien, und ihre Beschreibungen dieses Zustandes waren äußerst interessant. Als mir gesagt wurde, daß es Tausende von Dollars kostete, um anzufangen, sagte ich, daß ich mir dies nicht leisten könne. Man sagte mir, daß eine Alternative darin bestünde, mich als Mitarbeiterin anzuschließen; dann würde ich das Auditing kostenlos



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erhalten. Die Bezahlung, so wurde mir gesagt, läge im Durchschnitt bei 80 bis 100 Dollar pro Woche. Später stellte ich fest, daß dies falsch war, und es wurden mir 8 bis 10 Dollar pro Woche gezahlt. Die Arbeitszeiten, zu denen ich arbeiten könnte lagen entweder montags bis freitags von 9 Uhr bis 18 Uhr oder montags bis freitags von 18 Uhr bis 22.30 Uhr und am Samstag und Sonntag von 9 Uhr bis 18 Uhr.

Aufgrund dieser und weiterer Zusagen trat ich bei der San Francisco Org. dem Mitarbeiterstab bei. Dort befand sich eine FOLO-Mission (Flag Operations Liason Office, deren Aufgabe darin bestand, leitende Mitarbeiter mit einem E-Meter dem Auditing auf "Integrität" zu unterziehen sowie um "Integritäts-Behandlungen" innerhalb der Org. für das Auditing aller Mitarbeiter festzulegen. Ich wurde zum "expeditor" (Hilfskraft) für die "Missionaires" ("Missionare") gemacht, und ich half ihnen mit den PC(Pre-Clear) Akten, indem ich diese Unterlagen für die Auditing-Sitzungen vorbereitete sowie alles andere, was sie brauchten. Die Missionare waren Sea-Org-members (S.0. - See-Organisations-Mitglieder), und durch sie wurde mein Interesse an der S.0. geweckt. Sie werde als "das Elite-Korps" und "rechte Hand" von L.R.H. bezeichnet.

Meine Arbeitszeit ging von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 18 Uhr, und an den Abenden mußte ich lernen und zusätzlich mindestens einen Tag am Wochenende. Bevor ich ein Auditing erhalten konnte, mußte ich lernen sowie das "Basic Staff Training" (Grundausbildung für Mitarbeiter) abschließen, was als "Staff Status I" (Mitarbeiter) und "Staff Status II" (Mitarbeiterstatus II) bezeichnet wird. Dann bekäme ich vom Guardian‘s Office (G.O. - Sicherheitsbüro) die Zulassung als Mitarbeiterin im Mitarbeiterstab und würde dann bei der Org. einen Vertrag über 2 1/2 Jahre unterzeichnen. Als nächstes müßte ich mich in meinem Aufgabenbereich einarbeiten, und dann wäre ich für das Auditing qualifiziert.

Das Guardian‘s Office ist im Grunde genommen die Polizei sowie der Geheimdienst von Scientology, und es hat Zugang zu den während des Auditings gewonnenen Erkenntnissen.

Vor Abschluß des Staff Status II sprach ich mit dem Flap Rep über die Sea Org. Er wiederholte mehrmals eine blumige Beschreibung dieser Organisation, und er sagte mir, daß ein Programm eingeführt werden solle 



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(was niemals geschah), nachdem Flag Reps jeweils abwechselnd 6 Monate bei einer Org. sind, dann 6 Monate lang bei einem "Flag", um dort ausgebildet zu werden, wonach sie dann wieder zu einer Org. zurückkehren usw. Auf der Grundlage dieser Versprechungen unterzeichnete ich einen Vertrag über eine Milliarde Jahre, wobei es sich um den normalen "SeaOrg" (See-Organisations)-Vertrag handelt.

Schließlich ging ich im Mai oder Juni 1973 zur S.O. Nach meiner Ankunft in Los Angeles schickte man mich auf das Schiff, "The Excalibur", um meine Sea Org Basics (See-Organisations-Grundausbildung) zu absolvieren. Ich war im Schlafabteil für Frauen untergebracht. Sicherlich hatte man 20 bis 30 Mädchen dort hineingepfercht; die Kojen reichten bis zum Schott. Hier lernte ich:

1. Disziplin: Alle Vorgesetzten wurden mit "Sir" angeredet - ob Mann oder Frau. Man trat pünktlich zum Appell an, und man stand in Reih und Glied.

2. Über Schiffe: Wir hämmerten und strichen vom Bootsmannsstuhl aus über die ganzen Seitenwände des Schiffes, wir hatten jeden Tag "Mann-über-Bord"-Übungen sowie Löschübungen, wir schoben Maatswache, gingen mit seemännischem Gerät um, und wir lernten Schiffskommandos, und wir erfuhren etwas darüber, wie man das Schiff ins Dock bringt usw.

In der Sea Org hörten wir Bänder mit dem Titel "Willkommen in der See-Organisation" von LRH (es gibt fünf solche Bänder), auf denen er die S.O. als "das Elite-Korps" bezeichnet. Er sprach das "Fabian"-Sein, das Geheimnis zum Erfolg und zur Macht der S.O. - nach Belieben kommen, gehen und verschwinden zu können (womit auf die Schiffe Bezug genommen wird).

Wir waren bei Morgengrauen auf den Beinen, traten zum Appell an und machten uns dann auf dem Schiff an die Arbeit (und hämmerten und strichen den Schiffsboden und verrichteten ähnliche Arbeiten). Wir studierten täglich 4 oder 5 Stunden an unserem Material zur See-Organisations 



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Grundausbildung (Rundschreiben und Anweisungen sowie Flag Orders (Flaggenbefehle) und mit Bändern, die sich mit der S.O. befaßten). Unsere Pausen zur Einnahme von Nahrungsmitteln betrugen 15 Minuten, später wurden die Pausen auf eine halbe Stunde verlängert.

Bestandteil des Absolvierens der S.O.-Grundausbildung war unter anderem, daß man eine "Integritäts-Behandlung" erhielt, in der man wegen "overts" (Handlungen) gedrillt wird, die man auf verschiedenen Gebieten begangen hat. Bei "overts" handelt es sich um Sünden oder "crimes" (Vergehen, Verbrechen).

Ich verbrachte einige Wochen auf dem Schiff. Nach Abschluß der S.D.Ausbildung ging ich an Land zurück. Dann begann ich meine Ausbildung zum Flag Rep. Wochenlang studierte ich von 9 Uhr früh bis 22.30 Uhr in der Nacht; dann war ich bereit, als Flag Rep in die Lehre zu gehen. Ich fing meine Lehre bei der Los Angeles Org. an.

Der Flag Rep war ganz einfach "Auge und Ohr" bzw. Spion für Flag. Er berichtete an Flag alles, was in der Org. vorging - jede personelle Veränderung, was das Personal tat, ob es den Richtlinien LRHs und "HCOBs" (*) folgte. Er sorgte dafür, daß die Org. den Befehlen von Flag entsprach; und wenn das nicht der Fall war, dann stellte der Flag Rep den Grund dafür fest, oder wer Ihnen nicht nachkam, wurde dem Flag gemeldet, worauf Flag die Sache in die Hand nahm.

Pro Woche erhielt ich ein "Taschengeld" von 5 Dollar, womit ich kaum meinen Zigarettenbedarf bestreiten konnte, von grundlegenden Dingen - d.h. versuchen, sie zu bekommen - ganz zu schweigen. Ich aß und wohnte in einem "Sea Org Cadet house" (See-Organisations-Kadettenheim) in der Beacon Street in Los Angeles. Die Nahrung war schlecht. Es war überall alles völlig verdreckt. Ich hatte nicht einmal Bettücher. Die Räume waren mit primitiven Betten gefüllt und mit sonst nichts.

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(*) Anmerkung des Obersetzers: "Hubbard Communication Office Bulletins" - diese Bulletins umfassen ca. 20 Bände im Telefonbuch-Format.



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Ich verließ den Ort und ging in meine Heimat Colorado zurück. Am nächsten Tag rief mich mein Vorgesetzter aus Los Angeles an und überredete mich zur Rückkehr, obwohl meine Eltern dagegen waren.

Bei meiner Rückkehr wurde ich durch das G.O. (Sicherheitsbüro) unverzüglich einer Besprechung unterzogen; ich erklärte, daß meine Eltern gegen Scientology seien. Man sagte mir, daß mein Vater eine "Suppressive Person" (S.P. - unterdrückerische Person) sei. Bei einer S.P. handelt es sich grundsätzlich um jemand, der gegen Scientology ist. Ich sagte, daß mein Vater - als ich noch kleiner war - die Gewohnheit hatte, "mit dem Riemen zuzuschlagen". Ich wurde aufgefordert, eine schriftliche Erklärung a.bzugeben, daß mein Vater mich in jüngster Zeit geschlagen habe, und daß er ein ungezügelter Mensch sei, so daß sie dies als Beweis verwenden könnten, falls er etwas tun würde.

Vom G.O. wurde mir auch erklärt, daß Menschen, die mit Personen "in Verbindung stehen", die gegenüber Scientology gegnerisch eingestellt sind, zur "P.T.S." ("Potential Trouble Source" - potentieller Störfaktor) werden, was bedeutet, daß sie "eine Wirkung haben" auf die Personen, die gegnerisch eingestellt sind, wodurch auch sie zu "SPs" werden. Man überzeugte mich, daß ich zum "potentiellen Störfaktor" (PTS) gegenüber meinen Eltern wurde, und daß all die anderen Gedanken darüber, wie schlecht die S.O. sei, aus der Tatsache resultierten, daß ich zum "PTS" geworden sei. Ich wurde angewiesen, mich von meinen Eltern zu "trennen". Das tat ich dann auch. Ich habe ihnen nie einen "Trennungsbrief" geschrieben, was von mir erwartet wurde, aber ich brach anweisungsgemäß die Verbindung mit ihnen völlig ab. Damals fürchtete ich, aus der S.O. hinausgeworfen zu werden; so rückte ich also die gegnerische Haltung meines Vaters in den Hintergrund.

Wegen meines Weglaufens wurde mir der Zustand der "Treueverletzung" ("Treason") auferlegt. Ich durfte nicht mit den anderen Mitarbeitern essen. Ich aß und schlief im Kellergeschoß bei der "Reinigungskolonne" (EPF - "Estates Project Force").



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Zu der Zeit war das Scientololgy-Hauptquartier von der Beacon Street auf ein Anwesen verlegt worden, das in der Franklin Avenue erworben worden war. Um einen Arm mußte ich schmutzige Lappen wickeln, woraus hervorging, daß ich "treueverletztend" war. Ich mußte "Wiedergutmachungsarbeiten" leisten, und zwar während den Schlaf- und Essenszeiten, die darin bestanden, daß ich den Raum und die Möbel im Raum meines Vorgesetzten streichen mußte. Diese Arbeiten verrichtete ich etwa eine Woche lang, und während dieser Zeit machte ich die "Zustände" bis zur "Nichtexistenz" durch. Damals lauteten die Zustände in aufsteigender Reihenfolge: "Treueverletzung" ("Treason"), "Feindseligkeit" ("Enemy"), "Zweifel" ("Doubt"), "Pflichtverletzung" ("Liability"), "Nichtexistenz" ("Non-Existence"), "Gefährdung" ("Danger"), "Bedrängnis" ("Emergency"), "Normal", "Reichtum" ("Affluence"), "Macht" ("Power").

Nachdem ich die Formeln der Zustände beendet hatte, richtete ich ein Gesuch an LRH und bat ihn, mir zu erlauben, in das 'Flag Rep Network‘ zurückkehren zu dürfen. Während ich auf eine Antwort von ihm wartete, wurde ich auf die Excalibur zurückgeschickt, um "Product I" zu absolvieren, den nächsten Schritt in der S.O.-Ausbildung.

In der Zwischenzeit wurde meinem Gesuch an LRH stattgegeben, und ich war wieder im "Flag-Rep-Netz" und wurde nach San Francisco geschickt.


FLAG- REPRESENTATIVE
FLAG-VERTRETER
(SAN FRANCISCO & ST. LOUIS)

In San Francisco war ich Flag Rep. für zwei Orgs. - einmal für die Tagesstunden und zum anderen für die Abendstunden ("Gründungs-Org." - "Foundation-Org." genannt). Ich erhielt täglich Telefonanrufe vom "Programmleiter" ("Programs Chief") von der "FOLO" (Flag-Operations-Verbindungsstelle), durch den der Stand der "Statistik" ("Stats") (Bruttoeinnahmen etc.) kontrolliert wurde und welche "Programmzielsetzungen" (bei Programmen, die vom "Flag" zur Erhöhung der Statistik auf den Auszügen erstellt worden waren) erfüllt und nicht erfüllt wurden. Ich erhielt Telefonanrufe vom "Flag-Rep" W.U.S. (meinem Vor-



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gesetzten) in Los Angeles, der zu brüllen und zu schreien pflegte, wenn die Statistik zu niedrig war. Ich mußte den Hörer buchstäblich von meinem Ohr weghalten, damit mir das Trommelfell nicht platzte. Auch ich hatte gelernt zu brüllen. Es wurde mir als "Flag-Rep" eingeschliffen, daß "man ihnen mehr Druck und Angst versetzt, als dies der reaktive Geist vermag, und dadurch werden sie auch ihrer Bank heraus-gezwungen und gehorchen". Das bedeutet, daß Menschen, die Befehlen nicht gehorchen, aus irrationalen Gedankengängen ihres reaktiven Geistes heraus handeln (auch "die Bank" genannt). Ihre "Bank" läßt sich nicht gezielt beeinflussen, also muß man sie dort herauszwingen. All dies erfolgte um Geld zu machen und um Leute in die Scientology zu bringen - die beiden Hauptzielsetzungen der "Statistik".

In meiner Persönlichkeit war eine Wende von 180 Grad erfolgt. Davor war ich "umgänglich" und sprach immer leise usw. Ich glaube nicht, daß ich jemals in meinem Leben jemanden angebrüllt hatte.

Nachdem die Statistiken der Org. San Francisco in die Höhe gingen, wurde ich nach St. Louis geschickt, der größten Org. im Westen der USA. Ich wurde in Los Angeles darüber informiert, daß die dortige Leiterin ("Executor Director") nicht ganz den Vorstellungen von 'Flag‘ entsprach, also sollte ich auch sie "bearbeiten" ("handle"), um den Programmvorgaben von Flag nachzukommen.

Ende Februar 1974 ging ich nach St.Louis und war dort bis zum Sommer 1976 "Flag-Rep". In St.Louis gab es keine zwei getrennten Orgs. Es gab nur eine Org. mit Arbeitszeiten von 9 Uhr bis 22.30 Uhr an Werktagen und von 9 Uhr bis 18 Uhr an Sonntagen. Der Sonntagabend war die einzige Freizeit, mit Ausnahme der letzten 6 bis 7 Monate als ich dort war, nachdem die Statistiken für die Woche fertig waren, und den Mitarbeitern - außer mir - am Freitag freigegeben wurde. Da ich S.O.-Mitglied war und nicht nur Mitarbeiter des Org-Mitarbeiterstabs, arbeitete ich auch freitags, wobei ich gelegentlich am Freitag ein paar Stunden frei machte, wenn es ruhig war. Gewöhnlich war ich anwesend und arbeitete jede Nacht bis ca. 23 Uhr oder bis Mitternacht, wo ich normalerweise die ganze Nacht aufblieb und meine Berichte an "Flag" tippte, die bis



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Donnerstag abgeschickt werden mußten.

Ich erhielt auch jeden Tag Telefonanrufe vom "Programs Chief" (Programmleiter) und vom FR (Flag Rep) WUS. Die volle Zielsetzung war: "Geld machen, mehr Geld machen und andere Menschen dazu zu bringen, Geld zu machen". Es gab eine internationale Scientology-Kampagne, um die "Statistik zu verfünffachen", insbesondere die Bruttoerträge, und dies zum Geburtstag von LRH (der 13.März). Pro Tag erhielt ich fünf Telefonanrufe vom "Programs Chief" (Programmleiter), wobei er Auskünfte verlangte über die vorläufigen Statistiken, und falls seit seinem letzten Anruf (eine Stunde davor) kein Anstieg zu verzeichnen war, fragte er, "warum nicht"? Darüber hinaus rief der "Flag Rep WUS" 2 bis 3 Mal pro Tag an. Außerdem hatte die Org. in St.Louis keine Kontaktperson zu LRH (verantwortlich für die Befehle LRHs an die Org.). Also übernahm ich auch noch die Aufgabe eines "Temporary LRH COMM" (vorübergehende Kontaktperson zu LRH). Vom "LRH COMM U.S." erhielt ich täglich 2 bis 3 Anrufe, in denen die Höhe der Bruttoeinnahmen verlangt wurde. Die "LRH COMMs" (Kontaktpersonen zu LRH) waren für die Steigerung der Bruttoeinnahmen direkt verantwortlich. LRH hatte die Anweisung zur Erhöhung der Bruttoeinnahmen erteilt, und die Flag Reps waren in erster Linie für den Abschluß von Kursen und Auditing-Sitzungen verantwortlich, die die größten Einnahmen brachten. Ich war buchstäblich eingefangen in einem irrsinnigen Drang nach Geld.

In der Zwischenzeit hatte ich festgestellt, daß viele der Primär-Statistiken falsch und "aufgebauscht" waren, wie z.B. Kursabschlüsse, Bruttoeinnahmen, gerettete Scientologen usw. Ich entdeckte dies vor Abschluß des Programms "5X", aber ich konnte mich nicht entschließen, ob ich es melden sollte oder nicht, und zwar aufgrund des starken Drucks zur Steigerung der Statistik zum Programm 5X. Also wartete ich bis zum 13.März, und dann meldete ich es. "Flag" beorderte dann den "Executive Director" (Leiterin) zu sich und schickte eine "Mission" an die Org. Die Missionare sollten die Leiter "in die Falle hetzen" ("do a 'Bait and Badger‘, Situation 3"). Dies erfordert, daß man jemand im Kreis herumjagt und bedrängt, um herauszufinden, warum er seine Aufgabe nicht erfüllte. Bei einer Gelegenheit wurde ich sogar durch einen der Missionare gegen eine Mauer geschleudert. Dies und sein Gebrüll haben mich wirklich in Schrecken versetzt.



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Der "Executive Director" (Leiterin) kam später vom "Flag" zurück, und kurz danach erschien in der Org. eine "GO Mission", um eine 'G.O.‘-Untersuchung durchzuführen. Es wurde von allen Mitgliedern des Mitarbeiterstabs verlangt, all ihre Vergehen und feindseligen Akte für das G.O. aufzuschreiben, um Vergebung zu erhalten. Die 'GO Mission‘ Delegation vom G.O. ging die Geständnisse durch und "klassifizierte" sie. Sie ordnete sie in verschiedene Kategorien, dahingehend, wer "die Verantwortung trug für seine feindseligen Akte" und wer nicht usw. Es wurde verlangt, daß diejenigen, die ihre feindseligen Akte nicht aufschrieben, dies tun, und diejenigen, von denen sie meinte, daß sie nicht genug notiert hatten, mußten mehr aufschreiben.

Das G.O. überprüfte auch den Freund der Leiterin und man kam beim G.O. zu dem Schluß, daß er eine "suppressive Person" sei. Die Missionare des G.O. heckten einen Plan aus, um die Leiterin aus der Org. zu entlassen sowie um ihr nachzuweisen, daß ihr Freund eine SP sei. Zwischenzeitlich kümmerte sich das G.O. um den jungen Mann. Der Plan verlangte, daß "Flag" ein Telex an sie richte, in dem sie aufgefordert wurde, wegen einer "Instruktion" nach 'FOLO WEST U.S.‘ (Flag-Operation-Verbindungsstelle) zu kommen. Von mir wurde verlangt, sie in Sicherheit zu wiegen und sie dazu zu bringen, zu gehen, was ich schließlich unter viel Protest sowohl ihrerseits als auch seitens ihres Freundes tat. Ich befand mich dermaßen im Zustand einer "Gehirnwäsche", daß ich es tat, und jetzt macht es mich fast krank, darüber nachzudenken.

Scientology lehrt einem "das größtmögliche an Gutem für die größtmögliche Zahl von Dynamiken" zu erreichen. Und es wurde mir gesagt, daß das, was ich tat "das größtmögliche an Gutem für die größtmöglichste Zahl von Dynamiken" war - also war daran nichts falsch. Es war keine "feindselige Handlung" oder "Kontra-Überlebens-Handlung", wie ein feindseliger Akt auch definiert wird.

So fuhr sie ihr Freund also zum Flughafen, und ich habe keinen von beiden jemals wieder gesehen.

Am darauffolgenden Tag sprach ich mit dem Chefmissionar der G.O., der



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mir sagte, daß sie (das G.O.) den beiden bis zum Flughafen gefolgt seien. Nachdem der junge Mann die Leiterin hatte aussteigen lassen, folgte ihm das G.O. bis zu seiner Wohnung. Sie nahmen ihn dann mit, in ein Zimmer in einem Motel, und es wurde bei ihm eine Sicherheitsüberprüfung mit dem E-Meter - nach der Art des G.O. - durchgeführt. Der Missionar sagte, daß sie "auf Informationen gestoßen" seien, die sich gegen ihn verwenden lassen, und daß sie ihn so "bearbeiteten", daß der nie zur Org. zurückkommen würde (was er auch nie tat).

Der Missionar brachte auch zum Ausdruck, daß er für LRH und Scientology vor nichts Halt machen würde, und daß er persönlich schon zwei Personen, die "Ärger machten", in psychatrische Anstalten brachte. Es wurden keine Namen.genannt. Tatsächlich gelang es nie, die Leiterin zu "handhaben". Sie haute von "FOLO WUS" ab und ging zu ihrem Freund. Sie sind beide aus der Kirche ausgeschlossen worden und wurden zu SPs (suppressiven. Personen) erklärt.

Um die Bruttoeinnahmen zu steigern und Kurse zu verkaufen, kam es manchmal dazu, daß "Nachtlehrgänge" ("all night academies") abgehalten wurden, bei denen von den Teilnehmern verlangt wurde, daß sie die ganze Nacht aufblieben, um die Kurse abzuschließen, damit die Statistik zum Abschluß gebracht werden konnte. Einer der Leiter (Executives) in St.Louis drohte damit, die Teilnehmer aus dem Kurs rauszuschmeißen oder Disziplinarmaßnahmen (*) zu treffen, wenn sie sich weigerten, die ganze Nacht zu bleiben und den Kurs zu beenden. Die Folge davon wäre, daß die Statistiken sprungartig in die Höhe schnellen würden, und zwar während dies anhält - und wenn dann jeder so schnell zum Ende kommt - dann würden die Statistiken natürlich anfangen einzubrechen. Nachdem die Statistik anfängt einzubrechen, greift der "Flag" die "Nachtlehrgänge" an, und gegen die Betroffenen wird disziplinarisch vorgegangen. Solange aber die Statistik nach oben ging, konnte man tun, was man wollte, und "Flag" unternahm gar nichts.

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(*) Anmerkung des Übersetzers: "throw students in ethics" - das "Ethik"System der Scientologen ist tatsächlich am besten mit Disziplinarmaßnahmen zu vergleichen.



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Unter der Anleitung von LRH wird Scientology international durch "Flag" geleitet. Hubbards Vorbelastung mit Science Fiction und mit Paranoia führte zu einigen seltsamen Vorfällen. Bei einer Gelegenheit stieß man auf einige Spitzel oder Spione in der Org. H.A.S. (Chef der Division I, HCO) glaubte, daß einige Kursteilnehmer Spitzel seien, und er meldete dies dem AG ("Assistant Guardian‘ - Chef des G.O. einer Org.)

Bei den Kursteilnehmern wurde mit Sicherheitsüberprüfungen auf dem E-Meter nach Art des G.O. angefangen. Das G.O. nahm diese Sicherheitsüberprüfungen jede Nacht vor. Der 'Executive Director‘ und H.A.S. "halfen" manchmal bei diesen Sicherheitsüberprüfungen "aus" - wobei dann normalerweise zwei bis drei Personen im Raum waren, und die Informationen erhielten, indem sie fragten, wo sie arbeiten, und wenn kein Name aus ihnen herauszubekommen war, dann ging man einfach alphabetisch vor, wobei der "Spitzel" an das E-Meter angeschlossen war; es wurde dann darauf geachtet, bei welchen Buchstaben es auf dem E-Meter zu einer Reaktion kam, und aus diesen Buchstaben wurden Namen zusammengestellt. Es war einfach verrückt. Dann reichte der AG dem 'Executive Director‘ eine Waffe und wies ihn und H.A.S. an, außerhalb des Zimmers Wache zu stehen, während G.O. die Sicherheitsüberprüfung zu Ende führte. Sie befanden sich auf einem verlassenen Stockwerk der Org. Was dann meines Wissens geschah, ist, daß vom AG ein unglaubliches "Komplott aufgedeckt" worden war, worauf er G.O.-Leute vom US-Hauptquartier herbeorderte.

Man glaube es oder nicht - bei dieser großen Entdeckung handelte es sich darum, daß in Ohio eine "Einschleusstation" ("implant station") existiert haben soll, wo dunkle Eindringlinge aus dem All Personen einschleusen und sie als Spione in die Orgs schicken. Bei Einschleusungen handle es sich um etwas, das den Menschen (Thetanen) vermutlich vor Milliarden und Billionen von Jahren geschah, wo schlechte Menschen durch den Einsatz elektronischer Mittel versuchen, Personen zu beherrschen und zu "unterdrücken" sowie ihnen schlechte Gedanken einzusuggerieren usw....

Der Begriff steht im Fachwörterbuch der Scientology und ist ein Produkt der paranoiden Phantasie Hubbards, projiziert auf seine Anhänger. Auf jeden Fall gab es diese Einschleusstation vermutlich inmitten der Vereinigten Staaten, von wo aus Leute zum Ausspionieren und zur Vernichtung



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von Scientology eingeschleust wurden. Man überzeugte die Kursteilnehmer persönlich, daß sie eingeschleust worden seien.

Die Bezahlung der Mitarbeiter belief sich in St.Louis im Durchschnitt von nichts bis zu 10 bis 30 Dollar pro Woche. Es gab zwei Monate, während denen die Mitarbeiter auf dem Trockenen saßen, weil die Org. bei der Begleichung der Rechnungen in Rückstand geriet; also kamen zuerst die Rechnungen, mit Ausnahme von Hubbard, dem Guardian‘s Office und dem Flag, die in dieser Reihenfolge ihren Prozentanteil ohne Rücksicht auf die Rechnungen erhielten. Nahezu die Hälfte der Mitarbeiter schlug sich gewöhnlich mit Lebensmittelkarten durch, während der ganzen Zeit, in der ich in St.Louis war. Dies war auch in San Francisco üblich.

Mir gefiel es in St. Louis nicht, und ich bat meine Vorgesetzten, mich zu "Flag" gehen zu lassen; sie war nach Clearwater, Florida umgezogen. Ich wollte A/FFR ("Assistant Flag Flag Rep" - stellvertretende Flag-Vertreterin aller Flags) werden - mit Verantwortung für sämtliche Flag-Vertreter auf einem bestimmten Kontinent. Es wurde mir aber mitgeteilt, daß ich für "Flag" die Flag-Vertreterin für die 'FlagService-Org.‘ werden solle. Dagegen brachte ich Einwände vor.


BEI FLAG

Im Juni 1976 traf ich bei 'Flag‘ in Clearwater ein und es stellte sich heraus, daß man jemanden anderen zum 'Flag-Rep‘ für die FSO eingesetzt hatte, weil ich nicht hätte wollen, und ich sollte nun zur stellvertretenden Flag-Vertreterin gemacht werden, weil man eine brauchte. Ich weigerte mich, und dies brachte mir den Zustand der "Feindschaft" ein. Ich arbeitete mich aus diesem Zustand heraus und nahm die Stelle der stellvertretenden Flag-Vertreterin für die Flag-Service-Organisation. Die Flag-Vertreterin für die Flag-Service-Organisation wurde auf eine durch "LRH befohlene Mission" berufen, und mir wurde dann mitgeteilt, diese Stelle zu übernehmen. Ich lehnte ab. Daraufhin erhielt ich Besuch von zwei Mitarbeitern des Flag-Büros, die mir vom Kommandanten des Flag-Büros den Befehl überbrachten, entweder die Stelle der Flag-Vertreterin für die Flag-Service-Organisation zu jibernehmen oder man



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würde mich in die Gruppe Rehabilitationsprojekt (R.P.F. - "Rehabilitation Project Force") schicken. Ich sagte nein, und als einer von ihnen versuchte mich zu fassen, um mich zur Gruppe Rehabilitationsprojekt zu "geleiten", lief ich hinaus. Sie folgten mir, und ich erklärte ihnen, daß ich die See-Organisation (SO) verlassen wolle. Zwischenzeitlich war die 'FFR‘ (Flag-Vertreterin für alle Flags) aus dem Urlaub zurückgekehrt. Sie sprach mit mir, hob die mir auferlegten Disziplinarmaßnahmen auf und versetzte mich wieder auf die Stelle der stellvertretenden Flag-Vertreterin ('Deputy Flag Rep‘).

Als stellvertretende Flag-Vertreterin für die Flag-Service-Organisation (D/FR FSO) wurde ich durch LRH auf "Reis und Bohnen" gesetzt. Die FSO-Statistiken waren gefallen, also befahl LRH, daß alle FSO-Leiter auf Reis und Bohnen gesetzt werden, und zwar zum Frühstück, Mittag- und Abendessen, so lange, bis die Statistiken wieder steigen. Wir mußten dann an LRH ein Gesuch richten, um wieder von "Reis und Bohnen" loszukommen. Bei fallenden Statistiken ist dies in der See-Organisation übliche Praxis.

Als stellvertretende Flag-Vertreterin für die Flag-Service-Organisation (D/FR FSO) traf ich häufig die Boten des Kommodore, da wir bei den durch LRH für die FSO befohlenen Untersuchungen zusammenarbeiteten.

Im November 1976 erhielt ich einen Personalbefehl, durch den ich zum "Boten des Kommodore" ernannt wurde. Der Kommodore war LRH.

Die Boten des Kommodore traten ihren Dienst ursprünglich als junge, hübsche Mädchen im Alter von 8 bis 15 Jahren an. Hubbard verlangte das so, weil er sie in diesem jungen Alter besser "unterweisen" konnte. Es gab eine Botenorganisation des Kommodore (Commodore‘s Messenger Org - CMO) in Clearwater, eine in der Pazifik ('PAC area‘) sowie eine bei LRH selbst. Der Kommandeur ('Commanding Officer‘), der für alle Boten verantwortlich ist, ist bei LRH stationiert. Es gibt dann noch drei stellvertretende Kommandeure ('D/COs - deputy Commanding Officer‘). Dabei ist einer jeweils der Kommandeur der Boten an den jeweiligen der drei Standorte. Bei den Botinnen, die sich bei LRH befinden, handelt es sich immer noch um junge, hübsche Mädchen, obwoH viele von ihnen nun schon älter sind. In den Außenstellen bestehen jedoch derartige Vorschriften nicht mehr. Viele Jungen und Männer werden nun in der



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CMO aufgenommen sowie auch ältere Mädchen (Mitte bis Ende 20).

Als ich bei "Flag" eintraf, stellte ich fest, daß LRH nicht dort war. Er hatte sich ungefähr bis zum Februar 1976 in Florida aufgehalten, ca. 20 bis 30 Minuten entfernt vom Fort Harrison. Als "Flag" dabei war an Land zu gehen, war er zuerst in Daytona. "Flag" operierte auch von New York aus. Als "Flag" nach Clearwater ging, ging auch LRH dorthin, jedoch etwas entfernt vom Fort Harrison (F.H.). Die Mehrzahl des Mitarbeiterstabes hatte keine Kenntnis davon, daß er dort war. Die Boten lieferten seine Anweisungen ab, die zwischen LRH und Fort Harrison hin- und hergingen. In der Zeit, in der ich selbst Botin war, standen die Präsidentschaftswahlen bevor. Dabei wird auf interessante Weise vorgegangen. Vom 'Guardian‘s Office‘ (G.O.) wird eine Liste erstellt, auf der alle Kandidaten oder vorgeschlagenen Kandidaten aufgeführt sind, wobei über jeden einzelnen berichtet wird. Beim Lesen dieser Liste. wird deutlich, wer zu wählen ist. Über Jimmy Carter sagt das G.O. zum Beispiel, daß er Befürworter des Gebietes der geistigen Gesundheit sei. Dies sagt jedem Scientologen, daß er ihn nicht wählt, denn Scientology hat einen ausgeprägten Haß gegenüber der AMA (Medizinische Gesellschaft Amerikas) und dem Gebiet der geistigen Gesundheit. Am Wahltag hatte ich keine Zeit, die ganze Liste durchzugehen, also ging ich geradewegs zum AG bei Flag und besorgte von ihm eine Aufstellung der Kandidaten, für die ich stimmen sollte. Ich nahm die mir ausgehändigte Namensliste mit und wählte entsprechend. Ich hatte keine Ahnung wen ich wählte, eben irgendeinen, der auf dem Papier stand.

Als ich erstmals Botin war, fungierte ich als Stellvertreterin, und in dieser Funktion war ich für die 'Investigation Unit‘ (Untersuchungseinheit) in der CMO CW (CW = Clearwater) verantwortlich. Im Januar oder Februar wurde ich zur "Chief Officer" (erste Leiterin) der CMO ernannt. Als "Chief Officer" war ich verantwortlich für die Untersuchungseinheit, die für LRH Untersuchungen durchführte, und die auch sicherstellte, daß die Befehle von LRH bei 'Flag‘ ausgeführt wurden. Ich bearbeitete zahlreiche Fernschreiben und Befehle (täglich) von LRH, und zwar über die unterschiedlichsten Dinge, über die er Kenntnis haben wollte, bzw. die er erledigt haben wollte. Er und ich hatten gewöhnlich 4 bis 5 "Telex-Zyklen" täglich, und zwar über die unterschiedlichsten Dinge. Ich hatte eine "direkte Kommunikationslinie" zu ihm, wobei Kopien



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der Fernschreiben "zur Information" per Fernschreiben an CD CMO gingen. Schriftliche Mitteilungen liefen jedoch über den CD CMO.

Als Botinnen des Kommodore galten wir als "verlängerter Arm des Kommodore". Niemand hatte uns gegenüber Disziplinar-Gewalt oder eine sonstige Gewalt, mit Ausnahme der dienstälteren Botinnen der CMO oder des Kommodore selbst. Hubbard neigt dazu, seine Botinnen zu "schützen", solange sie ihm gegenüber sehr gehorsam sind.

Als ich Botin war, hatte ich mit zwei größeren Programmen zu tun. Beim ersten Programm handelte es sich um ein Programm, welches von der CMO eingeleitet und von LRH genehmigt worden war. Es handelte sich dabei um ein "Ethics Program" (etwa: ein Programm mit Disziplinarmaßnahmen), das nötig wurde, weil zu viele Leute von ,Flag‘ abgehauen waren, wobei von allen Mitarbeitern des Flag-Mitarbeiterstabs verlangt wurde, folgendes zu tun:

Dies war ein Pflichtprogramm für jedes Mitglied des Flag-Mitarbeiterstabs. Wie die meisten Richtlinien, die von Hubbard kamen, war es dazu ausgelegt, daß jedes einzelne Mitglied jedes der anderen Mitglieder bespitzelte.

Ihre "overts" ließen sich vermutlich nicht gegen sie verwenden. Jeden Tag sammelte ich aber sämtliche Listen mit den "overts", die schriftlich erstellt wurden ein, ich ging sie alle durch und händigte sie an das 'Guardian‘s Office‘ aus. Bei allem, was möglicherweise eine "PR-Gefahr" oder eine "Sicherheitsbedrohung" sein könnte, wurde so gehandhabt, daß es von dieser Stufe an vom G.O. übernommen wurde, und



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seine Aktivitäten wurden äußerst geheim gehalten.
LISTE 1 R/S PROJECT

Schließlich wurde ich aus diesem Programm entlassen und hatte mich mit dem zweiten Programm zu befassen, welches ebenfalls durch LRH angeordnet worden war. Dieses Programm wurde als "Liste I R/S Project" bezeichnet. LRH hatte ein 'HCOB‘ über 'R/Ses‘ und 'R/Sers‘ geschrieben. Das 'HCOB‘ sagt grundsätzlich, daß "R/Ses" unterdrückerische Personen seien. Bei einem "R/Ser" handelt es sich um jemanden, der "bei Liste I ausschlägt" ("Rock slams on the List One"). Bei "R/S" handelt es sich um eine Reaktion auf dem E-Meter, bei der der Zeiger pendelnd ausschlägt. Es wird angeblich ein Bereich aufgezeigt, in dem der Betreffende "overts" vornimmt und "böse Absichten gegenüber ... " ("evil intentions toward") hat. Wenn es bei jemandem zu "S/R" hinsichtlich "Arbeit" kommt, dann bedeutet dies, daß er böse Absichten im Hinblick auf Arbeit hat, und es kommt zu entsprechenden "overts". Bei "Liste I" handelt es sich um eine durch LRH erstellte Liste mit ungefähr 50 bis 70 Punkten über Scientology. Unter anderem stehen auf der Liste LRH, Mary Sue Hubbard, "Auditing", "E-Meter", "Auditors", "Clears" sowie praktisch alle anderen grundlegenden Dinge über Scientology. Wenn es also bei jemandem während des Sprechens über LRH oder Scientology zu "S/R" kommt, dann handle es sich um eine "R/S-Person" und deshalb um eine unterdrückerische Person. Es wird einem gesagt, daß die "overts", die jemand an LRH begeht, nicht unbedingt in diesem Leben erfolgen - sie könnten in einem früheren Leben erfolgt sein, "R/S" zeige aber, daß "irgendwo auf der Zeitspur" "overts" vorlägen - in allen früheren Leben bis zum gegenwärtigen. Dieses Programm führt zu "R.P.F." (Gruppe Rehabilitationsprojekt), zu erweiterter Dianetics und potentiellem Selbstmord.

LRH hatte festgestellt, daß viele "Auditoren" nicht wußten, wie ein R/S wirklich aussieht, und folglich unterliefen ihnen bei der Nennung von R/S Fehler oder sie wurden nicht erkannt. Ich mußte sämtliche gemeldeten R/S "nachkontrollieren", die sich in den Preclear-Akten der Betroffenen befanden. Es wurde von mir verlangt, daß ich von jedem die PC-Akte besorgte und jede einzelne Akte Seite für Seite durchging.



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Jede R/S wurde notiert, und zwar zusammen mit dem, was der PC (Preclear) sagte, als es bei ihm/ihr zur R/S kam. Ich ging die Listen täglich durch und machte daraus Vermerke in einer "Liste I R/S". Dann erstellte ich eine Sicherheitsüberprüfung für die entsprechende Person, und zwar über die. Person bzw. den Punkt, bei der bzw. dem es bei dem Betroffenen zu einer R/S kam. Es arbeiteten etwa ein Dutzend anderer Leute mit mir zusammen, und wir gingen tatsächlich jede einzelne "PC-Akte" durch und notierten die R/S.

Wenn es zum Beispiel bei der Aussage "ich möchte gerne Auditor sein" bei jemandem zu einer R/S kam, dann lauteten die Sicherheitsfragen, die ich schriftlich aufstellte, etwa wie folgt:

1. Haben Sie jemals gegenüber einem Auditor overts (Handlungen) vorgenommen?
2. Gibt es irgend etwas, das Sie tun, und von dem Sie nicht wollen, daß Ihr Auditor davon erfährt?
3. Hat ein Auditor bei Ihnen etwas übersehen?
4. Haben Sie einem Auditor jemals einen Schaden zugefügt?
5. Haben Sie es jemals gewünscht, einem Auditor Schaden zuzufügen?
6. Haben Sie jemals jemandem Schaden zugefügt, der versuchte Ihnen zu helfen?
7. Haben Sie beim Versuch jemandem zu helfen, overts (Handlungen) begangen?
8. Haben Sie irgendwelche bösen Absichten gegenüber Auditoren?

Diese Sicherheitsüberprüfungen brachten vermutlich die "R/S ans Licht", wenn es sich zum Anfang um richtig gemeldete R/S handelte.

Die 'Auditoren‘, durch die ich die Sicherheitsüberprüfungen durchführen ließ, mußten zuerst auf ihre R/S "vorbereitet" werden und ein O.K. vom Fall-Leiter ('C/S - Case Supervisor‘) bei "Flag" erhalten, um die Sicherheitsüberprüfungen durchführen zu können.

Wenn jemand während der Sicherheitsüberprüfung auf einen Punkt der "Liste I" eine "R/S-Reaktion" zeigte, dann wurde er oder sie zur Gruppe Rehabilitationsprojekt geschickt. Ich habe sicherlich innerhalb weniger Wochen 2 oder 3 Dutzend Betroffene erlebt, die in die Gruppe



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Rehabilitationsprojekt geschickt wurden, weil sie "R/S" "SPs" (suppressive Personen) waren, und unsere Leiter wünschten nicht, daß "SPs" unter uns waren. Also wurden "SPs" in die Gruppe Rehabilitationsprojekt (RPF) geschickt, um "rehabilitiert zu werden".

In der Zwischenzeit trat bei diesem Projekt ein "Problem" auf. Bei vielen gab es keine "gemeldeten R/Ss" in ihren Preclear-Akten. Das bedeutete nicht, daß sie keine "R/Ss" waren - es bedeutete lediglich, daß eben noch keine aufgetreten waren. Um dieses "Problem" anzugehen, -wurde also eine neue Sicherheitsüberprüfung geschaffen, und zwar auf der Grundlage aller Punkte auf Liste I. In dieser Angelegenheit arbeitete ich mit 'LRHs Tech Expeditor‘ (der technischen Hilfskraft LRHs) zusammen, und LRH genehmigte einen aus 250 bis 300 Fragen bestehenden "Confessional" (Geständnistest), der als "The Classified Confessional" (abgestufter Geständnistest) bezeichnet wurde. Dieser Sicherheitsüberprüfung wurden dann diejenigen unterzogen, die keine "R/Ss".in ihren Preclear-Akten hatten; auf diese Art und Weise wurde niemand ausgelassen - jeder hatte die eine oder andere Art der Sicherheitsüberprüfung. Als man mich in die Gruppe Rehabilitationsprojekt (RPF) schickte, war der "Classified Confessional" (der abgestufte Geständnistest) bereits zum Bestandteil des RPF-Programms geworden, und auch ich wurde diesem Test unterzogen.

Im April oder Mai 1977 wurde ich zur "D/CO CMO CW" (stellvertretenden Kommandeurin der Botenorganisation des Kommodore ernannt, weil die frühere "D/CO" dorthin geschickt wurde, wo sich LRH aufhielt. Ich war immer noch eine ziemlich "neue" Botin. Viele andere Botinnen waren jahrelang bei LRH. Die "CO CMO" (Kommandeurin der Botenorganisation des Kommodore) kam also per Flugzeug nach Clearwater, um mich zu "unterstützen" und "in die Stelle einzuführen". Sie arbeitete eine Zeit lang mit mir und führte mit mir eine Sicherheitsüberprüfung durch, um zu LRH zu gehen und bei ihm zu arbeiten, und zwar als Botin bei einem Ausbildungsprogramm.

Ich reiste nach La Quinta in Kalifornien ab. Dort angelangt, wurde ich von einer der Botinnen am ersten Abend zu LRHs Büro gebracht. LRH nannte sein Büro "rifle", "Gewehr". An diesem Abend sprach ich nicht



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mit LRH, da er beschäftigt war, aber ich sah ihn. Er hatte lange rötlich-graue Haare, die über seine Schultern reichten, von Karies befallene Zähne, einen richtig fetten Wanst, und ich glaube, daß er zu jener Zeit einen Vollbart hatte zur "Verstellung". Er hatte keinerlei Ähnlichkeit mit seinen Fotos. Am nächsten Tag traf ich mit ihm zusammen. Er machte gerade Gymnastik im Hof, und er rief mich zu sich. Ich war aufgeregt. Ich war wirklich überrascht, nicht dieses "gewiße Elektrisieren" zu verspüren, das, wie man mir sagte, eintritt, wenn man in seiner Nähe ist.

Mein Leben als eine Botin war dort so ziemlich das reine Elend. Gleich nachdem ich dort ankam, mußte ich mich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen, die bei jedem durchgeführt wird, der neu dort ankommt. Es wurden Fragen gestellt, wie etwa: Mit wem hast du unterwegs gesprochen? - Hast du jemandem erzählt, wo du hingehst? - usw. Schön, das E-Meter muß irgend etwas registriert haben, denn nachdem ich meinte, daß ich mit der Sicherheitsüberprüfung fertig sei, holte man mich für einen weiteren Test zurück. Man fragte mich immer wieder, was ich vorenthalte, und ich konnte mit nichts herausrücken. Ich wurde also am nächsten Tag wieder geholt, um mich beim persönlichen "Auditor" von Mary Sue einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Dieser Test hatte offensichtlich geklappt, denn ich wurde nicht wieder zurückgeholt.

Zwischenzeitlich befand ich mich in einer "Vollzeit-Ausbildung". Zuerst mußte ich mich über meinen Aufenthaltsort orientieren und die "Strand-Geschichte" lernen. Nach dieser Geschichte sollten wir sagen, daß wir Gäste seien auf der Ranch irgend eines Juristen aus Los Angeles, dem die Ranch gehört. Wir hatten alle Aliasnamen ("aka‘s - also known as"), die wir auswendig lernen mußten. Der Aliasname von LRH war Mr. Blake. Die Botinnen behielten ihre Vornamen, aber unsere Nachnamen wurden etwas geändert. Dies wurde so gehandhabt, damit LRH nicht unterschiedliche Namen für uns lernen mußte, da er sich mit unseren wirklichen Namen bereits vertraut gemacht hatte. Wenn wir also mit ihm zusammen in der Stadt waren, dann konnte er ganz einfach unsere wirklichen Vornamen verwenden. Die Familiennamen wurden nur etwas verändert, daß wir dann, wenn man uns bei einer Lüge ertappte, sagen könnten, daß jemand "falsch verstanden hat, was wir als unseren Familiennamen angaben" oder



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so etwas ähnliches.

Teil meiner Ausbildung als Botin bestand im "Boten-Training" (Messenger TR‘s"). Dazu gehörten Dinge, wie daß einem ein "coach" (Einpauker) eine ganze Reihe von Befehlen erteilte, die ich dann wortwörtlich wiederholen mußte, wobei sie in genau dem gleichen Tonfall zu wiederholen waren, in dem sie erteilt wurden. Boten, die "für den Kommodore einen Botengang machen", müssen die Nachricht oder den Befehl wortwörtlich weitergeben und müssen dies auf die gleiche Art und Weise tun, wie es Hubbard sagt - wenn er wütend auf jemand ist, dann brüllen die Boten es heraus, oder wenn er jemandem einen Befehl erteilt, dann muß er im gleichen Tonfall wiedergegeben werden.

Ich mußte mich mit "Messenger Logs" (Boten-Tagebüchern) befaßen. Dies sind Tagebücher, die von den Boten geführt werden, und die eine stundenmäßige und minutenmäßige Aufzeichnung über alles enthalten, was die Boten tun sowie über alles, was LRH tut. Dazu gehören: Aufwachen, ein Nickerchen machen, einen Boten anbrüllen, jemanden aufsuchen, Leser und Erstellen von Fernschreiben, Essen, Haarewaschen des Boten, den Rücken waschen usw. Es handelt sich um ein Tagebuch, das täglich über alles, was er macht und über alles was geschieht, geführt wird.

Teil meines Boten-Trainingsprogramms bestand daraus, daß ich mich mit all den Medikamenten, die LRH einnahm, befaßte und sie kennenlernte. Ich weiß, daß er viele Medikamente einnahm, aber bevor mir diese Aufgabe zugewiesen wurde, ging ich woanders hin.

Die Boten-Wache war so gestaltet, daß bei LRH jederzeit zwei Boten Wache hatten. Darüber hinaus gab es eine "Messenger Traffic Watch" (Boten-Verkehrs-Wache). Dabei handelte es sich um eine einzige Person, die alles durchsah, was LRH geschickt wurde. Derjenige Bote, der Verkehrs-Wache hatte, bearbeitete die Mehrzahl der anfallenden Dinge selbst. Bei den Dingen, von denen er wußte, daß LRH sie selbst sehen wollte, wurden diese Dinge direkt LRH zugeleitet. Im übrigen pflegte der Bote die Mitteilung zu lesen, und er lehnte sie entweder ab (wenn sie nicht ausreichende Informationen enthielt oder nicht gut aufgesetzt war usw.) oder er bearbeitete sie - wie z.B. die Genehmigung



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eines Programmvorschlags oder einer Frage. Für diejenigen, die er abnimmt, fertigt er dann eine kurze Zusammenfassung ihres Inhalts an sowie über das, was er damit veranlaßte und schickte sie dann zu LRH. Auf diese Art und Weise mußte LRH nicht die ganze Mitteilung lesen - er konnte einfach die Zusammenfassung lesen.

Während meines Aufenthalts dort gab es zwei Wachen. Eine von etwa 5.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Die zweite Wache nahm ihren Dienst um 15.00 Uhr auf und, obwohl sie "frei" hatten, wann immer LRH sich hinlegte (gewöhnlich gegen 23.00 Uhr oder Mitternacht), waren sie gewöhnlich bis 2 oder 3 Uhr morgens dort und bearbeiteten Dinge, die er ihnen zur Erledigung gegeben hatte. Während meines Aufenthalts dort arbeitete ich als "ghost" ("Geist") (so nennt man dort die in Ausbildung befindlichen Boten) in der zweiten Wache.

LRH hatte folgenden Zeitplan: Er wachte gegen 6 oder 7 Uhr auf, dann unterzog er sich selbst einem etwa einstündigen "Auditing", er legte sich bis etwa 9 Uhr wieder ins Bett und schlief, danach nahm er das Frühstück ein und ging dann in sein Büro, um zu arbeiten. Gegen 12 Uhr mittags nahm er das Mittagessen ein, danach machte er ein Mittagsschläfchen. Gegen 15.00 Uhr wachte er wieder auf, machte 15 Minuten Gymnastik im Hof, wonach er sich wieder an die Arbeit machte. Gegen 18.00 Uhr aß er Abendbrot. Danach machte er sich wieder an die Arbeit. Gegen 23.00 Uhr ging er in sein Zimmer. Die wachhabenden Boten begleiteten ihn und er diktierte dem einen Boten den Schlachtplan für den nächsten Tag, während der andere seinen Rücken einrieb. Als allererstes kopierten die Boten am mächsten Morgen den Schlachtplan und verteilten an jeden Betroffenen Kopien. Wohin auch immer LRH an diesem Tag zu gehen geplant hatte, pflegten die Boten eine Kopie des Schlachtplans der Person zu geben, die für den entsprechenden Bereich verantwortlich war, so daß man dort bei seinem Eintreffen bereit war.

Die Boten begleiteten LRH überall hin. Wir chauffierten ihn, wir waren ständig um ihn und hielten für ihn den Aschenbecher und das Feuerzeug bereit, und wir zündeten ihm auch die Zigaretten an. LRH pflegte in die Luft zu gehen, wenn er eine Zigarette selbst anzünden mußte.



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LRH und Mary Sue hatten getrennte Schlafzimmer. Obgleich es mich nie betraf, ließ ich mir sagen, daß ihm die Botinnen dabei halfen, die Kleider für den Morgen auszuwählen, daß sie ihm dann beim Ankleiden halfen, und am Abend halfen sie ihm beim Zurechtmachen zum Schlafengehen.

Ich stellte fest, daß LRH sehr launisch war und im höchsten Maße reizbar und explosiv. Er pflegte jeden anzubrüllen wegen etwas, das ihm nicht paßte, und zur Hälfte der Zeit schien er über dies oder jenes verärgert zu sein. Er war ein Fanatiker hinsichtlich Staub und Wäsche. In der Zeit, in der ich mich dort aufhielt, kümmerten sich die Boten auch um seine Wäsche. Es verging kaum ein Tag, an dem er nicht zu schreien pflegte, weil jemand in der Wäsche zuviel Seife verwendet hatte, und seine Hemden würden nach Seife riechen, oder wie scheußlich die Seife sei, die jemand verwendete (obgleich es sich um dieselbe Seife. handelte wie am Tag zuvor), es müsse da also jemand sein, der die Seife gewechselt habe. Nun, glauben Sie mir, keiner sagte einen Ton zu ihm. Wenn er sagte, jemand habe die Seife gewechselt, dann muß einer die Seife gewechselt haben ... und damit basta! Ich war wie gelähmt, wenn ich seine Wäsche waschen sollte.

Es war auch ein Sauberkeitsfanatiker. Selbst nachdem in seinem Büro gerade von der Decke bis zum Fußboden Staub gewischt worden war, pflegte er hereinzukommen und wegen des Staubs zu schreien, und "ihr versucht alle miteinander, mich umzubringen"! - So einer seiner Lieblingsaussprüche - oder wenn das Essen nicht richtig schmeckte - "Ihr versucht, mich umzubringen"!

Während der Zeit meines Aufenthalts dort, war LRH sehr beschäftigt mit Photographie, Filmen sowie mit der Kassettenherstellung (zu jener Zeit stellte er die Kassette ("PTS Cassette") her, die jetzt in allen Scientology-Buchhandlungen erhältlich ist). Er pflegte das A/V-Studio (das Audio-Video-Studio in dem die Kassettenaufzeichnungen vorgenommen wurden) so gut wie jeden Tag aufzusuchen. Dort trat er auf wie eine Kapazität auf praktisch jedem Gebiet, und dazu zählten Filme, Bänder etc. Einmal, als ich mit ihm zusammen im A/V-Studio saß, brüllte er 4 bis 5 Mal über dies oder jenes, was bei der Aufzeichnung nicht stimme. Es



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war wie "Des Kaisers neue Kleider". Er brüllte sogar selbst dann, wenn die Aufzeichnung fehlerfrei schien. Jedermann pflegte ihm natürlich zuzustimmen und überschlug sich, um es in Ordnung zu bringen. An einem Tag war er so wütend über jemand im A/V-Studio, daß er den Betreffenden quer durch den Raum schleuderte. Es versteht sich von selbst, daß diese Person aus ihrer Stellung hinausgeschmissen wurde, und es wurde ihr der Zustand "Dummheit" zugewiesen. (LRH pflegte das den Leuten anzutun, wenn er echt durchdrehte - d.h. ihnen den Zustand Dummheit zuzuweisen), und dem Betreffenden wurde befohlen, mit keinem anderen im A/V-Studio oder auf der Ranch zu sprechen.

Zu dieser Zeit wurde ein Filmstudio gebaut. Da es nicht fertig wurde, wurden alle Videoarbeiten durch UNIMED (Universal Media) durchgeführt, das in der Nähe von Clearwater im Fort Harrison seinen Sitz hatte. Alle Videoaufnahmen wurden LRH zur Kritik geschickt. In der Zwischenzeit experimentierte er mit verschiedenen Filmen, um herauszufinden, welche Art erverwenden wollte, um Filme herzustellen, sobald das Studio fertig wäre. Wir (die Boten) pflegten Modell zu stehen. Wir mußten uns setzen und tun, was er zu tun von uns verlangte - wie etwa das in Positur setzen für eine amtliche Aufnahme, oder das Spielen einer Positur für eine Werbeanzeige, in der wir ihm etwas verkauften usw. Als das Filmstudio später im Jahre 1978 fertiggestellt war, nahm er die ganze Unimed-Mannschaft auf die Ranch, um Filme zu drehen.

Mary Sue hielt auf der Ranch zwei kleine Hunde. Ober diese Hunde gab es eine Geschichte, die besagte, daß es sich um "besondere Hunde" handle. Erstens seien sie "clear", zweitens könnten sie erkennen, ob jemand "overts" und "withholds" habe - insbesondere "overts" gegenüber LRH oder Mary Sue. Die Hunde würden jeden anbellen, bei dem "overts" oder "withholds" vorlägen. Ich sah zum ersten Mal einen der Hunde, als ich in den Wohnbereich von LRH und Mary Sue hineintrat. Der Hund kam aus dem Zimmer von Mary Sue herausgeschossen und führte einen Spektakel auf. Jetzt ist mir natürlich klar, daß jeder Hund einen Fremden anbellt. Damals beunruhigte mich das aber sehr stark. Ich fing an, herumzugehen und mich zu fragen, welche schweren, dunklen und schrecklichen "overts" ich begangen hatte gegenüber LRH oder Mary Sue, in diesem Leben oder in früheren Leben.



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Nachdem ich dies nun schriftlich festhalte, fällt es mir schwer zu glauben, daß ich so viel von diesem Unsinn geglaubt habe. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben kann, als daß ich nichts mehr in mir hatte, das die Dinge, die LRH tat, in Frage stellte oder bezweifelte. Es war ganz einfach Tatsache. Und nicht mehr. Wenn es zum Thema Scientology oder LRH kam, dann hatte ich nicht die Fähigkeit, vernunftmäßig zu denken. Es war so, daß ich alles in meinem eigenen Verstand rechtfertigte, selbst wenn ich anfing zu meinen, daß es seltsam sei. Alles und jedes ließ sich rechtfertigen, wenn LRH es sagte, schrieb oder daran glaubte. Wenn ich Zweifel hatte, dann meinte ich, es sei deshalb, weil mit mir etwas nicht in Ordnung sei.

Innerhalb der Botenorganisation auf der Ranch gab es auch eine "politische Clique". Dies hat in der Scientology eine echte Bedeutung. Die Hierarchie ist ein Spiel "politischer Standpunkte" ("politics"). Du stehst auf der guten Seite der richtigen Leute, und es geht dir gut. Gelangst du aber auf die schlechte Seite der falschen Leute, dann gehst du schnell kaputt. Bei den Boten im Winterhauptquartier ("WHQ -Winter Headquarters" - der Name der Ranch), handelte es sich hauptsächlich um solche, die jahrelang bei LRH gearbeitet hatten, und sie hatten eine große Abneigung gegenüber Boten in den Außenstellen. Die Boten im WHQ (Winterhauptquartier) waren etwas "Besseres" usw. Mein Leben dort war also nicht so einfach, obwohl dort ein paar Boten waren, die ich kannte, und mit denen ich in Clearwater zusammengearbeitet hatte, bevor ich ins WHQ (Winterhauptquartier) verlegt wurde.

Alles was ich aussage miteinander in Verbindung gebracht, führte dazu, daß ich die ganze Situation ernstlich in Frage stellte und es meldeten sich Zweifel, worauf ich im Juni 1977 abgehauen bin. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben kann, als das ich verspürte, daß etwas nicht in Ordnung mit mir sei, nicht mit Scientology, und zwar aufgrund der Tatsache, daß ich nicht fühlte, daß ich mit dem, was um mich herum vorging, gerecht werden könnte. Deshalb war ich nicht tauglich für die Seeorganisation. Es ist eine einzige Reise voller Schuldgefühle ("giult trip"), die auf einem liegen. Sie verstehen - in den Augen von Scientology treten Leute nur aus, weil sie "overts" begehen etc.



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Ich ging also und reiste nach Indiana zu einer Freundin, die eine in der Öffentlichkeit bekannte Scientologin war. Damals kannte ich niemanden, der NICHT Scientologe war. Sie überredete mich, den "CD CMO" (Kommandeur der Botenorganisation des Kommodore) anzurufen, was ich auch tat. Das Guardian‘s Office übernahm dann die Flugkosten, daß ich nach Clearwater zurückfliegen konnte. Ich ging zurück, und man steckte mich in die "Rehabilitation Project Force" (Gruppe Rehabilitationsprojekt).

REHABILITATION PROJECT FORCE
(Gruppe Rehabilitationsprojekt)

Die RPF (Gruppe Rehabilitationsprojekt) wurde 1974 durch LRH errichtet, und zwar für solche, die in "ethics trouble" (mit der Disziplin in Schwierigkeiten) geraten waren und nicht gehandhabt werden konnten sowie für R/Ss. Die Regeln und Vorschriften für die RPF sind alle in der Serie "Flag Order 3434" (Flag-Befehl 3434) enthalten. Die Grundausgabe, in der eine Übersicht der RPF gegeben wird, ist 'Flag Order 3434‘. Als mehr Regeln und Vorschriften erlassen wurden, kamen zahlreiche weitere Ausgaben hinzu. Diese Ausgaben kommen insgesamt in einer Serie (d.h. F.O. 3434-1; F.O. 3434-2 usw.).Zu der Zeit, zu der ich ging, reichte die Serie, so glaube ich, bis etwa F.O. 3434-30.

Zweck der RPF ist die "Rehabilitierung" von Personen, die "out-ethics" (etwa: disziplinlos), "SPs" (suppressive Personen) und/oder psychotisch sind. Die RPF ist eine völlig "sich selbst versorgende" Einheit. Mit anderen Worten: sie sorgt für alles selbst, ihre "tech", "ethics" usw. Der Vorgesetzte wird "RPF Bosun" (RPF-Bootsmann) genannt. Ihm direkt unterstellt ist der "RPF MAA". Unter ihm sind die "section leaders" (Gruppenführer), und dann kommen die "section members" (Gruppenmitglieder). Jede Gruppe besteht aus 5 bis 8 Personen, wobei jede einzelne Gruppe eine fortlaufende Bezeichnung hat, wie "Section A", "Section B" etc. Jeder Gruppe werden verschiedene "cleaning stations" (Reinigungsbereiche) zugeteilt sowie auszuführende Aufgaben. Die einzige Ausnahme macht hier die "Tech Section" (Gruppe Technik), die keine Projektarbeit erledigt, weil sie sich mit dem "co-auditing" in der RPF zu befassen hat.



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Die RPF arbeitet in "two watches" (zwei Wachschichten). Während in der einen Wachschicht gelernt wird, ist die andere Wachschicht im Arbeitseinsatz. Als ich zum ersten Mal in die RPF geschickt wurde, war das Clearwater-Bank-Gebäude (Eigentum von Scientology) gerade niedergebrannt, und meine Gruppe wurde beauftragt, die "SO-1 files" (die Akten der Seeorganisation SO-1) "zu bergen". (Bei den SO-1 files handelt es sich um sämtliche Briefe, die an LRH geschrieben wurden). Ich war gegen 5.45 Uhr auf, und wir traten im Parkhaus von Fort Harrison zum Appell an. Es fand ein Anwesenheitsappell statt, und dann gingen wir zu den "Reinigungsbereichen" (und reinigten die Badezimmer und die Hallen bzw. Korridore des Fort Harrison). Anschließend frühstückten wir, dann war wieder ein Namensappell und danach lernten wir 5 Stunden lang. Anschließend gingen wir an die Arbeit und bearbeiteten die "SO-1 files". Das dauerte bis etwa 22.30 Uhr oder 23.00 Uhr. Wir mußten dann noch einmal zum Appell antreten und gingen dann zu Bett. Es wurde bei jedem einelnen kontrolliert, ob er im Bett war.


DieRegeln der RPF sind:
 

Bei meiner Ankunft in der RPF (Gruppe Rehabilitationsprojekt) ging ich zum "RPF MA" ("Master at Arms" - Waffenmeister, der für "ethics" verantwortlich ist), und dort wurden mit Vordrucke zur Unterschrift vorgelegt. Ich erinnere mich nicht, was ich unterschrieb. Ich erinnere



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mich auch nicht, es gelesen zu haben. Ich erinnere mich nur noch vage an einen der Vordrucke, der etwas damit zu tun hatte, daß ich freiwillig in die RPF kam, um Wiedergutmachung leisten zu können, und daß man mich gut behandle, für mich sorge usw. Was ich sonst noch unterschrieben habe - daran erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Zum einen war ich immer noch in einem Zustand des Schocks und der Verwirrung darüber, daß ich in der RPF war. Es handelte sich um Vordrucke, die an das "Guardian‘s Office" gehen sollten - soviel weiß ich heute noch.

Der nächste Schritt beim "routing into the RPF" (etwa: "auf der Marschroute durch die RPF") ist es, zusammen mit dem "RPF MAA" zu erarbeiten, in welchem Zustand sich die eigene erste "Dynamik" befindet. Die RPF ist als solche der Zustand der "Schuld" in der dritten "Dynamik". Die dritte Dynamik ist die "Gruppendynamik", das heißt, die Beziehung zu anderen. Aus diesem Grund handelt es sich bei der RPF um eine Art Besserungsprojekt. Bei Abschluß des RPF-Programms muß erreicht werden, daß jeder einzelne des Mitarbeiterstabs der "Flag Land Base" ("Flag-Land-Stützpunkt") das "Schuld"-Formular des Betreffenden unterzeichnet, und dann gilt man als heraus aus der RPF. Die Bedingung der dritten Dynamik - von der Gruppe akzeptiert - wird dadurch erfüllt.

Zur Absolvierung des RPF muß man "co-audits" mit dem RPF-Programm während der fünf Stunden pro Tag, die dafür erlaubt sind, durchführen. Während meiner Anwesenheit bestand das Auditing-Programm aus:

Jeder von uns hatte in der RPF einen "twin" (Zwilling), für das gegenseitige "Auditing" ("co-audit"). Jeder einzelne mußte nicht nur das


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RPF-Auditing-Programm selbst absolvieren, sondern jeder mußte auch bei einem anderen ein vollständiges Auditing durchführen. Also führten die "twins" gegenseitig "Auditing" durch.

Die Schritte (wie das Auditing durchgeführt wird) werden durch ein Verfahren erlernt, das als "Read it - Drill it - Do it" (RDD - "Lesen - Drillen - Machen!") bezeichnet wird. Man liest die erforderlichen "HCOB"-Anweisungen darüber, wie der Schritt im "Auditing" ausgeführt wird, dann wird er gedrillt, vom "Tech Supervisor" abgenommen, woran sich die Durchführung des "Auditing" anschließt. Der Aufbau ist beim "Auditing" nach dem alten Saint-Hill-Stil - jeder führt das "Auditing" im selben Raum durch, in Reihen aufgestellt oder auf einzelnen Tischen, die überall im Raum stehen. Zuerst war es schwierig, sich daran zu gewöhnen, nach einer Weile macht es einem aber nichts mehr aus, und dann ist es dir echt auch egal, wenn jeder die verrückten Sachen hört, die man in der Sitzung sagt, denn man weiß, daß jeder andere um einen herum genauso verrückt ist wie man selber. Dieser allgemeine Gedanke trifft für alle hier zu.

Nachdem man eine Zeitlang in der RPF ist, lernt man eben "die Tatsache zu akzeptieren", daß man verrückt ist, und das ist auch der Grund, weshalb man in der RPF ist.

Es kommt häufig vor, daß "PCs" (Preclears) beim "Auditing" durchdrehen und anfangen aufzuschreiben, und die brüllen, schreien und weitermachen. Der "Tech Supervisor" (technische Oberwacher) nimmt dann einfach den "co-audit" nach draußen, und das "Auditing" geht im Parkhaus weiter.

Pro Woche gab man uns hier 4 Dollar. Wenn wir Seife oder Zigaretten oder sonst etwas dergleichen kaufen mußten, dann gaben wir eine Liste darüber sowie das Geld, demjenigen, der einmal in der Woche immer für die RPFler einkaufen ging, um zu besorgen, was wir brauchten. Es war uns nicht erlaubt, selbst zu gehen. Wir durften keinen Schritt außerhalb des Gebäudes tun!

In Wirklichkeit war ich immer nur "on the decks" (auf dem Deck) und arbeitete ein paar Monate an Projekten. Dann wurde ich zur "Tech" ge-



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macht und war für die Wachschicht verantwortlich. Nachdem ich das einige Monate gemacht hatte, stellten sich bei mir Schlafstörungen ein, und mein "Auditing" wurde mir unheimlich. Mein Verstand fing an zu zerfallen. Ich war es gewohnt, bis spät in die Nacht zu arbeiten - aus der Zeit in der ich Botin war - also bat ich darum, als "RPF C/S" (Case Supervisor - Fall-Leiterin) eingesetzt zu werden: Dabei würde ich jede Nacht alle Sitzungsergebnisse durchlesen und den "Auditor" "einstufen" und ihm sagen, was er am kommenden Tag mit dem PC durchgehen sollte. Die "C/Ss" mußten in der Nacht arbeiten, damit die Akten über Preclear am nächsten Tag für das Auditing vorbereitet waren. Mein Antrag wurde genehmigt, und ich wurde als "C/S" eingesetzt, und diese Arbeit setzte ich bis zu meiner Entlassung aus der RPF fort.

Als ich zum ersten Mal in der RPF war, nahmen wir das.Essen an einem Tisch ein, der im Parkhaus aufgestellt war. Als es aber Winter wurde, war es etwas kalt, und es war auch "schlechte PR" für die "FCCIs", die uns sahen. "FCCI" bedeutet "Vervollständigte Fall-Intensive". Dies sind "in der Öffentlichkeit stehende Scientologen", die für Leistungen an "Flag" Zahlungen leisteten. Auf dem Weg zu oder von ihrem Wagen gingen die "FCCIs" immer bei uns vorbei. Also wurden wir in das Speisezimmer für Mitarbeiter "niedrigeren Grades" gelassen und nahmen dort unsere Mahlzeiten ein, nachdem diese Mitarbeiter mit dem Essen fertig waren.

Mit unseren Schlafstellen sah es schlecht aus. Die Jungens unter uns schliefen in einem Raum, der tagsüber als RPF-Unterrichtsraum verwendet wurde. Es handelte sich um einen alten Lagerraum ohne Fenster. In der Nacht warfen sie ihre Matratzen einfach auf den Fußboden, und der Raum war voll belegt, Matratze an Matratze.

Bei meinem ersten Aufenthalt in der RPF schliefen die Mädchen auf einem Gang in der Nähe des Aufzugschachtes, der zum Parkhaus führte. Auch dort waren die Fußböden völlig mit Matratzen bedeckt. Später wurden wir in einen alten Umkleideraum im Fort Harrison verlegt, der keine Fenster hatte. Man ließ uns während der Nacht die Lüftungsschlitze aufmachen, damit wir nicht erstickten, aber die Tür war verschlossen, um zu verhin-



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dem, daß jemand von uns abhaute. Ein "RPF MAA" oder ein anderes "hohes Tier" in der RPF schlief immer in der Nähe der Tür, und es wurden natürlich jede Nacht Kontrollen durchgeführt, um festzustellen, daß wir im Bett waren. Es gab auch "F.H. Security Guards" (Wächter im Fort Harrison), die Fort Harrison dauernd überwachten sowie eine "RPF-Wache", für die Oberwachung des Parkhauses in der Nacht.

Im Dezember 1978 wurden wir in einen Lagerbereich im Parkhaus verlegt. Es war eine Umwandung, teils aus Holz, teils aus Zement, die an eine der Parkhausmauern angebaut worden war. Sie wurde als Lagerfläche gebaut; als aber die RPF so sehr anwuchs, wurde sie zum Schlafbereich für die Mädchen der RPF. Es wurden primitive Holzbetten zusammengebaut, die etwa der Hälfte oder einem Drittel eines normalen Bettes entsprachen. Diese Schlafstellen wurden 3 und 4 Stockwerke übereinander gebaut, und sie wurden seitlich aneinander gestellt. Bei unseren "Matratzen" handelte es sich um Schaumstoffstücke, die passend zu den Schlafstellen zugeschnitten worden waren. Ins Bett zu gehen, war so, wie in ein Loch zu kriechen. Man konnte auch nicht aufrecht darin sitzen, wegen der Schlafstelle darüber, und der Versuch sich umzudrehen war schwierig, weil die Breite nicht ausreichend war. Das Schlimmste dabei war aber, daß man in einem Parkhaus war; wir atmeten die ganzen Autoabgase ein, wenn Autos durchfuhren, zusätzlich zu dem Lärm, den die Wagen der "FCCIs" und der Mitarbeiter beim Rein- und Rausfahren machten.

Es gab bei uns routinemäßige Inspektionen durch Beamte der Brandschutz und Gesundheitsbehörden aus Clearwater. Irgendwie schien das "Guardian‘s Office" im voraus zu wissen, wann sie kommen würden und waren somit gewarnt. Bei Eintreffen der Beamten stapelten wir alle Matratzen, Kisten, Kartons und alles mögliche Gerümpel in unserem Schlafraum aufeinander, damit es aussah, als sei es eine Lagerfläche. Offensichtlich schöpften die Beamten niemals den Verdacht, daß hier tatsächlich Menschen untergebracht sein könnten. Wenn uns ein Beamter überraschend aufsuchte, dann führte ihn jemand vom "Guardian‘s Office" in anderen Bereichen von Fort Harrison herum, während wir den Befehl erhielten, alles so herzurichten, daß es wie eine Lagerfläche aussieht. Die Mitarbeiterunterkünfte in Fort Harrison waren auch ziemlich dürftig. Viele Mitarbeiter und Stu-



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dierende hatten 6 bis 8 Betten in einem kleinen Raum. Wenn Beamte auftauchten, dann wurden diese Räume verschlossen oder es wurden Schilder an die Türen gehängt mit der Aufschrift "Confessionals in Progress" (etwa: Beichte - bitte nicht stören); es würde also keiner hineingehen, und der vom "Guardian‘s Office" zeigte ihnen dann hier und dort andere Räume, mit nur 2 oder 3 Betten darin.

Es fällt mir äußerst schwer, zu beschreiben, was geistig und seelisch in der RPF in mir vorging. Die ersten paar Wochen vergingen damit, daß ich mich einer Sicherheitsprüfung nach der anderen zu unterziehen hatte. Bei der ersten handelte es sich um eine Sicherheitsüberprüfung über alles, was ich getan oder jemandem erzählt hatte während ich abgehauen war sowie über "overts", die ich während meines Aufenthaltes im "WHQ" (Winterhauptquartier) begangen hatte. Dann hatte ich mich einer speziellen Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen, die von der "CMO" erstellt worden war, und zwar über alles, womit ich mich als Botin befaßt hatte oder was ich als solche wußte. Als das schließlich alles vorbei war, teilte man mir einen "Zwilling" zu und ich fing mit meinem RPF-Auditing-Programm an. An dieser Stelle wurde mir klar, daß ich ein "Liste I S/R" bin, weil die Betreffende, die mir als Zwilling zugeteilt worden war, ein "Liste I S/R" war. Gemäß den RPF-Regeln wird nur einem "Liste I R/S" ein Zwilling "Liste I R/S" zugewiesen. Dieser Befehl ist einer aus der Serie der F.O. 3434 Befehle. Offensichtlich reagierte ich mit "S/R" auf eine der Sicherheitsüberprüfungen und galt nun als Bedrohung für LRH.

Das schockierte mich wirklich, denn ich wußte, daß "Liste I R/S" "SPs" sind, und deshalb war ich eine unterdrückerische Person, was ihren Richtlinien nach bedeutete, daß ich schlecht und psychotisch sei. Ich brauchte Wochen, bis es mir gelang, zu "akzeptieren", daß ich eine "SP" (suppressive Person) war. Die Tatsache, daß ich eine SP und psychotisch war und die RPF brauchte, wurde mir schließlich bewußt, und ich akzeptierte sie. Es war meine einzige Hoffnung auf Rettung.

Mit dieser Sache der "Psychose" wird man in der RPF sehr stark bedrängt. Wenn ich meinte, daß ich mit der RPF nicht fertig werden würde, sprach ich darüber mit dem "RPF MAA", und er veranlaßte mich, die Richtlinien


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über "R/S" und Psychose sowie psychotisch Kranke zu lesen. Dann erklärte er mir den Aufbau der RPF und die Art und Weise, wie dadurch psychotisch Kranke behandelt werden können. Weil psychotische Menschen Befehle nicht befolgen können oder Handlungsabläufe nicht abschließen können (mit anderen Worten: nichts zu Ende bringen, was sie anfangen).

Es wurde einem gesagt, daß die RPF-Regeln dazu da seinen, um jedermanns Psychose lange genug unter Kontrolle zu halten, um "Auditing" bei einem durchführen und ihn danach handhaben zu können.

Beim Appell erzählten die Betroffenen "Erfolgsgeschichten", wie z.B.:

Beim Appell pflegten alle Bravo zu rufen und Beifall zu klatschen. Dies sind nur Beispiele für einige der Dinge, die die Leute sagten.



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Innerhalb der RPF (Gruppe RehabilitationsprOjekt) gibt es die RPF der RPF. Dorthin werden diejenigen geschickt, denen nicht bewußt wird, daß sie die RPF brauchen. In Clearwater schickte man sie runter in den Heizungsraum, der natürlich bewacht war, und dort mußten sie den ganzen Tag arbeiten, Rohrleitungen und Mauern im Heizungsraum (unleserlich) allen anderen RPF-Mitgliedern isoliert. Es wurde ihnen Bleistift und Papier gegeben zum Aufschreiben ihrer "overts" (feindselige Akte) sowie zum Ausfüllen von "lower ethics condition formulas" (Vordrucke über die unteren Ethics-Zustände) im Heizungsraum. Sie durften sich 15 Minuten lang duschen, bevor sie sich nachts schlafen legten, und sie durften im Durchschnitt 5 Stunden schlafen. Das Essen erhielten sie, nachdem die RPF damit fertig war, und es wurde ihnen nur soviel Zeit gelassen, wie sie zum Essen brauchten. Dies dauerte so lange, bis ihnen klar wurde, wie schlecht und suppressiv sie waren, und wie sehr sie die RPF brauchten.

Während der Zeit meines Aufenthalts dort, wurden über ein Dutzend Leute in die RPF der RPF gesteckt. Ein Junge wurde dorthin geschickt, weil er die Treppe hinunterfiel und dabei zufällig den Feueralarm in Fort Harrison auslöste. Gewöhnlich handelte es sich bei den Leuten dort um solche, die austreten wollten oder die irgendwie in einen Fall von "out - 2D" verwickelt waren. "Out - 2D" lag dann vor, wenn sich zwei ungleichen Geschlechts küßten oder die Hände hielten. Es war keinem gestattet, Beziehungen zum anderen Geschlecht zu haben, außer man war verheiratet.

Verheiratete sahen ihren Partner während einer Essenspause (30 Minuten) pro Tag. Der Partner mußte während des Essens der RPF zum betreffenden RPF-Mitglied kommen, weil das RPF-Mitglied nicht in einen Eßbereich für den Mitarbeiterstab gehen konnte. Einmal wöchentlich war es ihnen erlaubt, für eine Nacht zusammen zu sein, und zwar ungeachtet dessen, ob beide in der RPF waren oder nicht.

Wenn die Erfolgs-Statistik der RPF-Mitglieder hoch war, dann konnten sie ihren Partner nach dem Nachtappell treffen, mußten sich aber am Morgen wieder zurückmelden. Der "night-out" room (Zimmer für "Nachtausgang‘) befand sich im "day-care-center" (Tagesbetreuungszentrum), das zur Nachtzeit ohne Verwendung war. Die Paare legten dort für



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die Nacht ihre Matratzen auf dem Fußboden aus.

Einmal wurde der einmalige Nachtausgang pro Woche im Juni oder Juli 1978 durch LRH gestrichen. Die RPFler durften mit ihren Ehepartnern keinen Kontakt haben, mit einer einzigen Ausnahme pro Tag, bei einem Essen. Es handelte sich hierbei um einen "F.O." (Flag- Befehl) der Serie 3434, schriftlich durch LRH festgelegt.

Wenn die RPFler Kinder hatten, dann durften sie sie während der Essenszeit und zusätzlich eine Stunde pro Woche sehen, wenn ihre "stats" oben waren.

Das "Auditing" in der RPF brachte mich fast um. Insbesondere hatte ich Schwierigkeiten beim "going Backtrack" (etwa: die Spur zurück) in frühere Leben. Nachdem ich die "past track remedies" (Schäden an der früheren Spur) endlich gelernt hatte - wo man irgend etwas sagt, das einem in den Kopf kommt - wie Monster oder Weltraumkriege, oder was auch immer, geriet meine Phantasie außer Kontrolle, und es fing damit an, daß zwei oder drei Bilder gleichzeitig auftauchten; und so wußte ich nicht, welches davon eigentlich ein früheres Leben war oder ob es meine Phantasie war oder ob es sich bei allen um frühere Leben handelte, aber zu unterschiedlichen Zeiten oder was überhaupt. Ich stieß auf Dinge, auf die ich bereits gestoßen war. Ich hatte 3 bis 4 "Drug-Rundowns", "Nachüberprüfungen" meiner Methode 1, 35 Stunden "Opro-by-dup" usw. Ich geriet allmählich aus der Fassung, und je mehr ich durcheinander war, umso mehr wurde ich dem "Auditing" unterzogen. Als sich mein Auditing-Programm verschlechterte, wurde ich zu einer größeren Sicherheitsbedrohung, und man setzte mich auf Sicherheitsüberprüfungen, und ich mußte alle meine "overts" und "withholds" durchgehen. Ich war schließlich so weit, daß ich nur noch abschaltete, mich unterwarf, und die konnten im Auditing mit mir machen, was sie wollten.

Dies führte mich zur "Expanded Dianetics" (erweiterten Dianetik). Dies beinhaltet das "audit out" oder das "Austreiben" ("run out") all seiner "bösen Ziele" und "bösen Absichten" sowie die Behandlung des "Rock Slams". Böse Ziele, die man austreibt, sind "zu zerstören" oder "zu töten" usw. Ich muß wohl Dutzende dieser bösen Ziele gehabt haben. Dann wendeten wir uns der Bearbeitung meiner "R/Ss" zu.



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Ich glaube, daß wir jetzt irgendwo am Anfang des Jahres 1978 stehen. Ich hatte echt wenig Zeitgefühl dort, denn ein Tag war wie der andere. Es gab keine Abwechslung. Die Wochenenden waren das gleiche wie die Wochtentage. Alles scheint mir so wie eine Ewigkeit - insbesondere nachdem ich mit meiner "Expanded Dianetics" anfing, und mein Verstand wirklich anfing, zu zerfallen. Die meiste Zeit befand ich mich in einer Art von Dunkelheit oder Benommenheit, nur so kann ich es beschreiben. Meine R/S-Behandlung, so glaube ich, war der Punkt, wo mein Verstand nicht gerade zerfiel, es fing aber an, in meinem Hirn zu brodeln. Ich trieb all diese bösen Ziele, die mit den "R/Ss" verbunden sind, aus, und ich fing an, die sonderbarsten Dinge herauszuschießen und auszutreiben wie: "Jemand anderes zu sein" "einen Planeten zur Explosion zu bringen", "Selbstmord zu begehen", "niemals erwachsen zu werden", "mich selbst zu töten", "Körper zu vernichten". Die Liste war endlos. Bei all dem fing es geradewegs an, in meinem Hirn zu brodeln. Ich meinte, ich müßte der schlechteste und verrückteste Mensch gewesen sein, der jemals existierte. Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was in mir vorging, außer, daß es bis zu meiner Gehirndecke brodelte. Ich fühlte mich, als wäre ich die Hälfte der Zeit benommen gewesen. Ich pflegte dann Dinge zu tun, bei denen ich mich etwa selbst beobachtete, ohne mir dabei klar zu werden, daß ich sie tat - als ob es irgend jemand anderes wäre, mit der Ausnahme, daß ich wußte, daß ich es war. Ich pflegte meinen "Auditor" anzuschreien, die Dosen, welche ich hielt, auf das E-Meter zu schmeißen. Auch pflegte ich mich zu weigern, mich dem "Auditing" zu unterziehen. Ich machte sozusagen eine echte Szene. Also endete ich schließlich in "Ethik", und man wies mir eine "body guard" (Leibwache) zu.

Ich glaube, daß das Ganze einige Wochen dauerte. Aber in dem Zustand, in dem ich mich befand, könnten es in Wirklichkeit 2 Tage oder auch 2 Monate gewesen sein. Um die Zeit herum wurde ich krank und war "off post" (etwas: nicht auf dem Posten). Ich befand mich im "sick bay" (Schiffslazarett). Ich war ein paar Tage krank, und es hatte sich hohes Fieber eingestellt. Eines morgens weckte mich das RPF-Mitglied, das die Kranken RPF-Leute behandelte, sehr früh auf, um meine Temperatur zu messen. Ich sagte, es sei noch zu früh, worauf ich mich umdrehte und wieder einschlief. Sie rief ein weiteres RPF-Mitglied, und sie zwangen mich, das Thermometer in den Mund zu stecken. Ich tat dies und ging dann rüber ins Badezimmer, weil ich gerade aufgestanden war.



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Ich hatte immer noch hohes Fieber. Die beiden gingen und als nächstes, das wußte ich, würde der "RPF MAA" im Raum stehen. Er befahl mir, aufzustehen und an "Deck" zu gehen. Ich war verärgert und aufgebracht, dazu hatte ich Fieber. Ich war an Deck zu gehen befohlen worden, weil der "RPF MAA" einen Bericht erhalten hatte, daß ich ins Badezimmer gegangen sei, mit dem Thermometer, und ich hätte es unter heißes Wasser gehalten, damit die Temperatur steige.

Es ist ein Befehl von LRH, daß Kranke von den übrigen zu "isolieren" sind. Als der "Flag Medical Officer" (Flag-Sanitätsoffizier) erfuhr, daß man mich aus der Isolation herausgerissen hatte, kam der weibliche Offizier zu mir, um das Fieber zu messen. Ich hatte hohes Fieber, also schickt .sie mich zurück ins "Schiffslazarett".

Als ich schließlich das "Schiffslazarett" verließ, war es Nachmittag. Ich ging in den RPF-Unterrichtsraum, wo ein Befehl am Informationsbrett war, der mich wieder zum Dienst beorderte. und zurück "auf das Deck". Dadurch wurde ich mit dem Zustand, in dem ich mich befand, nicht fertig. Mein "Auditing" war verrückt, und die einzige andere Tätigkeit, die ich in meinem Leben hatte, war mein "C/S"-Posten als Fallüberwacherin.

Ich warf einen Blick auf den Befehl, drehte mich um und ging zu einem Telefon auf einem Gang (einem gebäudeinternen Telefon) und rief beim "Registrar" (Buchungsbüro) im Fort Harrison an, wobei ich einen falschen Namen nannte. Ich überredete ihn dazu, mir die Telefonnummer einer anderen Scientologin in Clearwater zu nennen. Sie war der einzige Mensch, von dem ich wußte, daß er nicht "Sea-Org"-Mitglied war, und ich glaubte, daß sie mich nicht hereinlegen würde. Dann ging ich aus dem Parkhaus heraus, sprang über die Mauer und ging einfach weiter. Niemand bemerkte mich, und ich glaube auch nicht, daß irgend jemand wußte, daß ich das "Schiffslazarett" verlassen hatte. Also war ich zur Zeit nicht bewacht.

Wie ein Zombie ging ich etwas 15 Minuten lang weiter, zumindest glaube ich, daß es ungefähr 15 Minuten waren. Es ging mir nichts durch den Kopf. Ich war völlig leer - wie ein Zombie. Es war, als ob sich mein



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Verstand irgendwo im Raum bewegte. Ich bemerkte nichts um mich herum; ich wußte nicht wo ich ging. Jedenfalls begann es mir nach 15 Minuten klar zu werden, daß ich gerade über eine Mauer gesprungen war. Ich befand mich in ernstlicher Bedrängnis. Ich war gelähmt und wollte zurückgehen, aber-wenn ich das tun würde, dann würde man mich.wieder bewachen und die "RPFs RPF" stecken. Ich würde auch erneut auf die "Bad Indicators (B.I.) List" (Negativliste) kommen, auf der diejenigen standen, die ständig bewacht wurden. Ich war schon einmal auf der "B.I.List", als ich vom Posten der "C/S" enthoben wurde; da aber keiner wußte, daß ich aus dem "Schiffslazarett" weggegangen war, hatte man mir auch noch keine Wache zugeteilt.

Ich war nicht sicher, wo ich mich befand. Ich glaube, irgendwo auf der Fort Harrison Avenue. Ich setzte mich auf eine Treppe, um zu überlegen, was ich tun sollte. Dann fiel mir wieder ein, daß ich telefoniert hatte, um die Telefonnummer meiner Freundin zu bekommen. Also ging ich in eine Zelle ("7 - 11") und rief sie an. Es wurde mir der Weg zu ihrem Haus erklärt. Es waren ungefähr 4 bis 5 Meilen. Ich ging die Strecke zu Fuß, und als ich dort ankam, erwarteten mich 4 bis 5 Jungens. Ich war nicht sicher, ob meine Freunding sie gerufen hatte, oder ob jemand gehört hatte, daß ich nach der Telefonnummer gefragt hatte. Ich brach völlig zusammen als sie sah, ich weinte und ging weiter. Ich sagte ihnen, daß ich mit meiner Freundin alleine sprechen wolle. Mein Gespräch mit ihr verlief ziemlich zusammenhanglos. Es hatte nicht allzu viel Sinn, was ich zu diesem Zeitpunkt von mir gab, und die Tränen flossen geradezu. Ich weinte weiter und äußerte, daß ich mit der RPF nicht mehr fertig werden könne. Daß es nicht an ihnen, sondern an mir läge; ich sagte, daß ich die "Expanded Dianetics" brauche, und daß ich mich behandeln lassen müßte, weil ich psychotisch sei, aber ich könne damit nicht fertig werden, solange ich in der RPF sei, weil ich zu "restimuliert" sei; und deshalb würde ich nie aus der RPF herauskommen. Ich wich nur vom Thema ab. Inzwischen versuchte meine Freunding mich zu überreden, in die RPF zurückzukehren. Sie sagte, ich sei ein Narr, nicht zurückzukehren, weil ich eine derartige "freeloader bill" (etwa: "Schnorrer-Rechnung") haben würde, die ich niemals würde bezahlen können. Sie erzählte nur von einer unserer Freundinnen (einer gemeinsamen Freundin), die aus Scientology ausgetreten war und dann bei



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einem Motorradunfall ums Leben gekommen war. Wenn ich austräte, dann würde ich vermutlich einen "motivator" (Grund) wie diesen schaffen (die Scientology glaubt, daß dann, wenn man etwas Schlechtes tut, einem etwas Schlechtes widerfahren wird - "motivator" genannt). Schließlich erklärte ich mich bereit, zurückzugehen und bei der "See-Org" "abzuheuern".

Ich wurde also von den Jungens "zurückgeleitet" und dort sofort unter Bewachung gestellt. Ich glaube, daß wir jetzt ungefähr August hatten. Die nächsten paar Wochen bis zu meinem tatsächlichen Austritt sind ziemlich düster für mich - so eine Art Anhäufung von Verwirrung und Durcheinander. Ich wußte, daß mir ein "Court of Ethics" ("Ethik-Gericht") und ein "Committee of Evidence" ("Beweisführungsausschuß") sowie ein "Fitness Board" bevorstand. All dies waren "ethics"-Maßnahmen, die zeigen, wie schlecht ich war, weil ich austreten wollte. Wenn man anfängt, Scientology "anzuzweifeln", so pflegte der "MAA" zu mir zu sagen, würde man die Formeln nicht richtig anwenden, und ich solle zurückgehen und sie wiederholen. Nach und nach drehte ich langsam durch.

Inzwischen war ich unter Bewachung und meistens weigerte ich mich, zu arbeiten. Ich war ein echter "Basket Case" (etwa: "Fall für den Rollstuhl"). Ich erreichte schließlich den Punkt, wo man mich schlicht sitzen und nichts machen ließ - oder ich arbeitete an meinen "condition formulas", und zwar den ganzen langen Tag, wobei mich jemand beobachtete. Manchmal beobachteten mich auch zwei Personen. Der "MAA" versuchte, mich in die RPFs RPF zu stecken, aber ich schrie und brüllte ihn an und sagte, daß ich ihn "beißen" würde, wenn er mich anfaßt. Also ließ man mich einfach sitzen, außer, daß ich tagsüber geärgert wurde, indem mir gesagt wurde, daß ich ein "freeloader" (Schnorrer) sei. Sie pflegten zu sagen: "Meinst du nicht, daß du ein bißchen arbeiten solltest, zumindest um die Nahrung zu bezahlen, die du bekommst?" Gewöhnlich antwortete ich mit "nein". Manchmal erklärte ich mich bereit, zu arbeiten. Ich glaube, daß sie an einem Punkt angelangt waren, an dem sie eben nicht mehr wußten, was sie mit mir anfangen sollten.

Ich erklärte schließlich, daß ich geisteskrank werden würde, wenn man mich nicht austreten ließe. Die CMO kündigte dann an, daß LRH eine



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Amnestie zugelassen hatte. Als ich zur RPF kam, waren etwa 40 RPFler da. Zum Zeitpunkt meines Austritts waren es etwa 130 bis 150, weil die Betroffenen nicht herauskamen. Diese Amnestie lautete, daß jeder RPFler, der dies wolle, die RPF verlassen könne. Sie hätten keine "freeloader debt" ("Schnorrer-Schulden"), die sich im allgemeinen auf 30.000 bis 40.000 Dollar beliefen. Sie wären Scientologen mit gutem Ansehen, könnten aber niemals irgendwo im Mitarbeiterstab arbeiten, bis sie nicht auf eigene Kosten ihr "RPF-Auditing-Programm" abgeschlossen haben.

Dies bedeutete, daß ich aus der RPF herauskommen konnte und keine "freeloader debt" ("Schnorrer-Schulden") hätte. Das beschäftigte mich äußerst stark, denn ich wußte, daß ich die Schulden niemals zahlen könnte, und Scientology war versessen darauf, Geld zumachen, und einen dazu zu bringen, Schulden an sie zu zahlen. Ich hatte aber auch kein eigenes Geld, um das "RPF-Auditing-Programm" abzuschließen, weil ich für sie 7 Jahre lang, 7 Tage in der Woche praktisch für nichts gearbeitet hatte. Ich war in einer schrecklichen Lage. Ich wurde durch Gehirnwäsche dazu gebracht, zu glauben, daß ich das "RPF-Auditing" brauchte, hatte aber kein Geld, um dafür zu zahlen; und wenn ich es nicht bekommen würde, dann könnte ichnicht bei Scientology weitermachen.

Zusammen mit 7 oder 8 weiteren Personen, nahm ich die Amnestie an. Alle wurden wir Sicherheitsüberprüfungen unterzogen, darüber, ob wir irgendwelche Scientology-Daten mit uns nahmen, welche Absichten wir beim Gehen hatten usw. Dann wurde unser Gepäck und unsere Sachen kontrolliert, und alles wurde durchsucht, um sicherzugehen, daß wir keine internen Unterlagen etc. hatten. Man ging alle unsere "pc folders" (Preclear-Akten) durch, und es wurde eine Liste erstellt über alles, was jemals gegen uns verwendet werden köönnte, wie z.B. Verbrechen in diesem Leben, einschließlich Diebstahl, Drogenverkauf, Prostitution usw. - alles, was nach dem Gesetz als illegal gilt oder in unserer Gesellschaft als unmoralisch. Diese Listen wurden dann in Form von "eidesstattlichen Erklärungen" erstellt, und wir mußten sie unterzeichnen. Dann wurden wir alle zum "Guardian‘s Office" geführt und unterzeichneten dort weitere Vor-



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drucke. Ich weiß nicht, was ich unterzeichnete. Ich erinnere mich selbst nicht einmal daran, ob ich die von mir unterzeichneten Unterlagen auch gelesen habe. Es wurde mir lediglich etwas zum Schreiben gegeben, und ich wurde zum Unterschreiben aufgefordert.

Am 2.September 1978 bestieg ich ein Flugzeug nach Colorado, wofür das Flugticket von meinen Eltern im voraus bezahlt worden war.

Wenn ich die RPF in nur einem Satz zusammenfassen könnte, dann würde er. wahrscheinlich wie folgt lauten: "Es handelt sich um einen Prozeß, wodurch sie einen glauben machen, man sei psychotisch, und dann wird man wirklich psychotisch."


NACH DEM AUSTRITT

Nach meiner Ankunft in Colorado verbrachte ich den ersten Tag damit, daß ich in einem Sessel klebte und Radio hörte. In diesem Sessel blieb ich bis 2 Uhr nachts sitzen. Ich wollte nichts anderes auf dieser Welt, als Musik hören.

Obwohl ich nun in großer Angst und Schrecken lebe, aufgrund dessen, was mir Scientology angetan hat, hat die ständig auferlegte Kontrolle und die Entbehrung eine Wertschätzung der einfachen Dinge des Lebens in mir hinterlassen. Dinge, wie, sich in ein Auto setzen zu können und eine Fahrt zu machen, für sich sein zu können, einen Spaziergang machen zu können, die Sonne auf sich zu spüren, und all dies nach eigener Wahl, ohne daß einem irgend jemand sagt, daß man es tun muß bzw. es nicht kann. Ich glaube nicht, daß ich jemals wirklich verstanden hatte, was es bedeutet, frei zu sein und Freiheit zu besitzen, bis sie mir weggenommen wurde.

Kurz nach meiner Rückkehr nach Hause ereignete sich Jonestown, und das gab mir den Rest.

Wenn mir LRH ein Glas mit Gift gereicht hätte und mich aufgefordert hätte, es zu trinken, dann hätte ich das - so wurde mir jetzt bewußt - jederzeit getan, ohne Fragen zu stellen und ohne jede weitere



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Überlegung. Ich glaube, daß dies der Punkt war, an dem der "Schock" mich dazu brachte, aus der Scientology auszutreten.

Später schrieb ich einigen Bekannten aus der Scientology, mit denen ich immer noch in Kontakt war. Ich teilte ihnen mit, daß ich nicht mehr Scientologin sei. Ich habe nie eine Antwort bekommen, aber statt dessen erhielt ich einen "Ethics-Befehl", in dem ich zur unterdrückerischen Person erklärt wurde und aus der "Kirche" ausgeschlossen wurde.

Bei der Anpassung an die Umwelt, machte ich geistig und seelisch ein ziemliches Trauma durch. Ich erlebte einen Zivilisationsschock. Meine Eltern unterstützten mich. In den ersten paar Monaten ließen sie mich alleine, und ich schlief die meiste Zeit und ruhte mich aus. Gelegentlich nahmen mich meine Eltern zu Ausflügen in die Berge mit. Meine Mutter zeigte sich sehr verständnisvoll, und sie verlangte nie von mir, über meine Erfahrungen zu sprechen. Wenn ich aber sprechen wollte, dann war sie für mich da. Meine Eltern gaben mir nie das Gefühl, eine Närrin zu sein, für das, was ich getan hatte, obwohl ich mich selbst bestimmt so fühlte. Innerhalb von zwei Monaten gelang es mir, mit viel "TLC" aus der "Benommenheit" herauszukommen.

Ich war 23 Jahre alt und wußte nichts über Dinge, wie, ein eigenes Bankkonto eröffnen, Steuern, Geldanlagen, den Kauf eines Autos, Einkaufen gehen, Sozialversicherung (dies war ein Wort, von dem ich hörte, daß es etwas mit Ruhestand zu tun habe). Watergate war etwas, das in mir die Erinnerung weckte, irgendwann einmal etwas darüber gehört zu haben. Es war aber nur eine verschwommene Vorstellung, daß der Präsident unter Amtsklage gestellt worden oder zurückgetreten war, wegen etwas, das er der Demokratischen Partei angetan hatte. Ich verspürte auch etwas, das meiner Meinung nach die meisten Ex-Sekten-Mitglieder durchmachen - eine Art "Leere", wo alles, an das man glaubt, plötzlich verschwindet und einem nichts verbleibt, woran man einen Halt.hat. Das ist ein äußerst seltsames Gefühl. Ich machte eine lange Zeit durch, in der ich einfach an nichts glaubte - nicht ans Fernsehen, an Bücher, Zeitungen etc. Ich glaubte nicht, weil ich davor so unrecht hatte; wie könnte ich mir selbst wieder trauen und glauben, daß etwas richtig ist.



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Schließlich befaßte ich mich intensiv mit der Bewußtseinslenkung und deren Auswirkungen. Ich fing an, zu verstehen, was mit mir geschehen war.

Es war etwa im Januar oder Februar 1979 als ich mich entschied, wegen Scientology etwas zu unternehmen. Ich hatte erfahren, daß Senator Dole eine Untersuchung über Sekten durchführte. Ich schrieb ihm einen Brief über Scientology, LRH und die "RPF". Meinen Namen habe ich nicht daruntergesetzt, aber ich glaube, daß es möglich war, anhand dessen, was ich schrieb zu erkennen, um wen es sich handelte. Jedenfalls erhielt ich kurz danach Drohanrufe. Bei einem Anruf sagte der Anrufer: "Sie lieben Ihre Eltern, nicht?" Dann lachte er und legte auf.

Der nächste Vorfall ist für mich sehr vage und unbestimmt. Anschließend an einen dieser Drohanrufe, ging ich in ein Restaurant/Klub, wo sich mein Bruder und seine Freunde gewöhnlich trafen, auf der anderen Strassenseite der Wohnung meines Bruders. Ich erinnere mich, daß ich einen "Tequila Sunrise" bestellt hatte und auf meinen Bruder wartete.



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Ich zittere und bekomme Schüttelfrost und habe Schlafstörungen. Es kommt zuweilen vor, daß ich in die frühere "Benommenheit" zurückfalle. Dies dauert nur etwa 3 oder 4 Sekunden. Es tritt auf, wenn ich mich in einer unbehaglichen Situation befinde, wie z.B. wenn ich nah bei jemandem bin, den ich nicht kenne. Jemand sagt etwas zu mir, und ich höre es. Was mir gesagt wurde, registriere ich, aber bei der Antwort setzt mein Verstand aus. Es kann sich dabei um etwas so Simples handeln, wie beispielsweise die Frage nach der Uhrzeit, oder, ob mir das, was ich gerade esse schmeckt. Zur Antwort brauche ich ein paar Sekunden. Das geschieht nicht allzu oft, aber wenn ? es geschieht, erschreckt es mich, und meine Erregung hält einige Stunden an.

Im Juni 1979 verzog ich nach Kalifornien, um ein neues Leben anzufangen.

Kurz nach meinem Umzug erhielten meine Eltern Anrufe von Leuten, die sich selbst als "ein Freund" ausgaben und meine neue Adresse wissen wollten, oder wo ich war. Ein paar Monate nach meinem Umzug rief jemand bei meinem früheren Arbeitgeber in Colorado an und sagte, sie sei von Avco Finance und "führe bei mir eine Arbeitnehmerüberprüfung durch". Debbie, das Mädchen, das den Anruf entgegennahm, sagte, daß ich nicht mehr dort arbeite. Die Anruferin reagierte überrascht und sagte, sie hätte von mir einen Kreditantrag vorliegen und fragte nach meiner derzeitigen Adresse. Eine andere Freundin, die auch dort arbeitete, rief mich an und sagte mir, was vorgefallen war. Ich hatte keinen Kredit beantragt. Meine Mutter rief bei allen Büros von Avco Finance im Bereich Denver an, mit dem Ergebnis, daß sich niemand nach mir erkundigt hatte. Ich benachrichtigte die Leute bei meinem früheren Arbeitgeber und sagte ihnen, daß sie niemandem irgendwelche Auskünfte geben sollen, außer, wenn ich sie wissen ließe, daß ich einen Anruf erwartete. Zum Glück war ich gerade umgezogen, so daß die Adresse, die das Mädchen angegeben hatte, nicht stimmte.

In der darauffolgenden Woche ging bei meinem früheren Arbeitgeber ein weiterer Anruf ein. Im Büro ging ein anderes Mädchen ans Telefon, und die Anruferin sagte, daß mit dem Mädchen sprechen wolle, mit dem sie vorige Woche über meine Arbeitnehmerüberprüfung gesprochen hatte.



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Daraufhin übernahm Debbie das Gespräch, und die Anruferin meldete sich mit "Janet von Aetna Finance Company". Sie sagte, sie wolle nochmals die Adresse überprüfen, die ihr gegeben worden war. Debbie gab keine Auskunft. Die Dame reagierte aufgebracht, daß ihr die Adresse nicht genannt wurde, zumal Debbie die Woche davor bereit gewesen war, sie zu nennen. Debbie sagte ihr, daß ich sie angewiesen hatte, keine Auskünfte zu erteilen, worauf "Janet" etwa folgendes sagte: "Na, dann sind sie aber mit ihr in Verbindung und wissen auch, wo sie ist." Die Anruferin sagte, daß ich einen Kredit beantragt hätte, und daß dies eine Auswirkung auf den Kreditantrag haben würde. Debbie legte schließlich auf. Die Person rief sofort wieder an und verlangte, mit Debbie verbunden zu werden. "Janet" sagte, daß sie gerade mit ihrem Chef gesprochen habe, und daß er nicht verstünde, warum Debbie ihr keine Auskunft über mich geben wolle. Debbie sagte ihr, sie solle nicht wieder anrufen. "Janet" sagte darauf, "Gut, danke Fräulein", und dies in einem verärgerten Ton und legte auf. Debbie hatte ihren Familiennamen nie genannt.

Kurz nachdem ich mich wegen der gegen Scientology erhobenen "class action suit" ("Klage im Interesse einer Gruppe von Beteiligten") an Michael Flynn, Anwalt in Boston gewandt hatte, erhielt mein Vorgesetzter von einer Person, die sich nicht namentlich meldete, einen Anruf. Diese Person sagte, daß ich unhöflich sei, nicht für das Geschäft geeignet, und daß durch mich Kundschaft verloren gehen würde. Mein Chef antwortete: "Ich weiß nicht, wovon sie da sprechen. Annie ist eine ausgezeichnete Kraft. Frohes Neues Jahr." Die Anruferin legte auf.

An diesem Arbeitsplatz bin ich niemals unhöflich am Telefon, und wenn die Anruferin eine Kundin war, dann hätte sie sich sicherlich mit dem Namen gemeldet, denn wir kennen all unsere Kunden beim Namen.

Ich habe über die Fälle in Washington D.C. gelesen - mit Einbrüchen, Diebstählen und Abhöraktionen durch das Guardian‘s Office, und es wurde mir von verschiedenen Fällen erzählt, in denen das Guardian‘s



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0ffice die Telefone von Ex-Scientologen angezapft hatte. Wenn das Guardian‘s Office Kenntnis davon hat, daß ich dem Prozeß beigetreten bin, dann fürchte ich mich davor, was ich von ihnen zu erwarten habe.

Da die vorstehende eidesstattliche Erklärung sich über viele Jahre erstreckt, können einige der in dieser Aussage angegebenen Zeiten nicht ganz genau sein, die angegebenen Zeiten sind aber diejenigen, die nach praktisch möglicher Erinnerung nennen kann.

Diejenigen Tatsachen, über die ich persönliche Kenntnisse besitze, sind nach bestem Wissen und Gewissen wahr.

Unterzeichnet unter Androhung einer Strafe bei falschen Angaben unter Eid.

Gez.:Anne R.
 
 

Hubbards Straf-Kompanien
 
Die nachfolgende eidesstattliche Versicherung wird nachfolgend zitiert aus:  Friedrich-Wilhelm Haack: 
Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 308 
 
 

Unter der Bezeichnung "Rehabilitationsprojekt" kennt die Scientology ein ganz besonders hartes Handhabungssystem für solche Staff-Members (Stabs-Mitglieder), die sich in der Sea-Org an Hubbard-Richtlinien gemessen etwas zuschulden kommen lassen.

Ein ehemaliges Mitglied berichtet unter Eid:



"REHABILITATION PROJECT FORCE (Gruppe Rehabilitationsprojekt)
Die RPF (Gruppe Rehabilitationsprojekt) wurde 1974 durch LRH errichtet, und zwar für solche, die in 'ethics trouble‘ (mit der Disziplin in Schwierigkeiten) geraten waren und nicht gehandhabt werden konnten sowie für R/Ss. Die Regeln und Vorschriften für die RPF sind alle in der Serie 'Flag Order 3434‘ (Flag-Befehl 3434) enthalten. Die Grundausgabe, in der eine Übersicht der RPF gegeben wird, ist 'Flag Order 3434‘. Als mehr Regeln und Vorschriften erlassen wurden, kamen zahlreiche weitere Ausgaben hinzu. Diese Ausgaben kommen insgesamt in einer Serie (d. F.O. 3434-1; F.O. 3434-2 usw.). Zu der Zeit, zu der ich ging, reichte die Serie, so glaube ich, bis etwa F.O. 3434-30. Zweck der RPF ist die 'Rehabilitierung‘ von Personen, die 'out-ethics‘ (etwa: disziplinlos), 'SPs‘ (suppressive Personen) und/oder psychotisch sind. Die RPF ist eine völlig 'sich selbst versorgende‘ Einheit. Mit anderen Worten: sie sorgt für alles selbst, ihre 'tech‘, 'ethics‘ usw. Der Vorgesetzte wird 'RPF Bosun‘ (RPF-Bootsmann) genannt. Ihm direkt unterstellt ist der 'RPF MAA‘. Unter ihm sind die 'section leaders‘ (Gruppenführer), und dann kommen die 'section members‘ (Gruppenmitglieder). Jede Gruppe besteht aus 5 bis 8 Personen, wobei jede einzelne Gruppe eine fortlaufende Bezeichnung ist, wie 'Section A‘,  'Section B‘ etc. Jeder Gruppe werden verschiedene 'cleaning stations‘ (Reinigungsbereiche) zugeteilt sowie auszuführende Aufgaben. Die einzige Ausnahme macht hier die 'Tech Section‘ (Gruppe Technik), die keine Projektarbeit erledigt, weil sie sich mit dem 'co-auditing‘ in der RPF zu befassen hat.
Die RPF arbeitet in 'two watches‘ (zwei Wachschichten). Während in der einen Wachschicht gelernt wird, ist die andere Wachschicht im Arbeitseinsatz. Als ich zum ersten Mal in die RPF geschickt wurde, war das Clearwater-Bank-Gebäude (Eigentum von Scientology) gerade niedergebrannt, und meine Gruppe wurde beauftragt, die 'SO-1 files‘ (die Akten der Seeorganisation SO-1) 'zu bergen‘. (Bei den SO-1 files handelt es sich um sämtliche Briefe, die an LRH geschrieben wurden). Ich war gegen 5.45 Uhr auf, und wir traten im Parkhaus von Fort Harrison zum Appell an. Es fand ein Anwesenheitsappell statt, und dann gingen wir zu den 'Reinigungsbereichen‘ (und reinigten die Badezimmer und die Hallen bzw. Korridore des Fort Harrison). Anschließend frühstückten wir, dann war wieder ein Namensappell und danach lernten wir 5 Stunden lang. Anschließend gingen wir an die Arbeit und bearbeiteten die 'SO-1 files‘. Das dauerte bis etwa 22.30 Uhr oder 23.00 Uhr. Wir mußten dann noch einmal
Haack: Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 309
 
zum Appell antreten und gingen dann zu Bett. Es wurde bei jedem einzelnen kontrolliert, ob er im Bett war.

Die Regeln der RPF sind:
 

Haack: Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 310
 
Bei meiner Ankunft in der RPF (Gruppe Rehabilitationsprojekt) ging ich zum 'RPF MA‘ ('Master at Arms‘ - Waffenmeister, der für 'ethics‘ verantwortlich ist), und dort wurden mir Vordrucke zur Unterschrift vorgelegt. Ich erinnere mich nicht, was ich unterschrieb. Ich erinnere mich auch nicht, es gelesen zu haben. Ich erinnere mich nur noch vage an einen der Vordrucke, der etwas damit zu tun hatte, daß ich freiwillig in die RPF kam, um Wiedergutmachung leisten zu können, und daß man mich gut behandle, für mich sorge usw. Was ich sonst noch unterschrieben habe - daran erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Zum einen war ich immer noch in einem Zustand des Schocks und der Verwirrung darüber, daß ich in der RPF war. Es handelte sich um Vordrucke, die an das 'Guardian‘s Office‘ gehen sollten - soviel weiß ich heute noch.

Der nächste Abschnitt beim 'routing into the RPF‘ (etwa: 'auf der Marschroute durch die RPF‘) ist es, zusammen mit dem 'RPF MAA‘ zu erarbeiten, in welchem Zustand sich die eigene erste 'Dynamik‘ befindet. Die RPF ist als solche der Zustand der 'Schuld‘ in der dritten 'Dynamik‘. Die dritte Dynamik ist die 'Gruppendynamik‘, das heißt, die Beziehung zu anderen. Aus diesem Grund handelt es sich bei der RPF um eine Art Besserungsprojekt. Bei Abschluß des RPF-Programms muß erreicht werden, daß jeder einzelne des Mitarbeiterstabs der 'Flag Land Base‘ ('Flag-Land-Stützpunkt‘) das 'Schuld‘-Formular des Betreffenden unterzeichnet, und dann gilt man als heraus aus der RPF. Die Bedingung der dritten Dynamik - von der Gruppe akzeptiert - wird dadurch erfüllt. (...)

Nachdem man eine Zeitlang in der RPF ist, lernt man eben 'die Tatsache zu akzeptieren,‘ daß man verrückt ist, und das ist auch der Grund, weshalb man in der RPF ist.

Es kommt häufig vor, daß 'PCs‘ (Preclears) beim 'Auditing‘ durchdrehen und anfangen aufzuschreiben, und die brüllen, schreien und weitermachen. Der 'Tech Supervisor‘ (technische Uberwacher) nimmt dann einfach den 'co-audit‘ nach draußen, und das 'Auditing‘ geht im Parkhaus weiter.

Pro Woche gab man uns hier 4 Dollar. Wenn wir Seife oder Zigaretten oder sonst etwas dergleichen kaufen mußten, dann gaben wir eine Liste darüber sowie das Geld, demjenigen, der einmal in der Woche immer für die RPFler einkaufen ging, um zu besorgen, was wir brauchten. Es war uns nicht erlaubt, selbst zu gehen. Wir durften keinen Schritt außerhalb des Gebäudes tun!

In Wirklichkeit war ich immer nur 'on the decks‘ (auf dem Deck) und arbeitete ein paar Monate an Projekten. Dann wurde ich zur 'Tech‘ gemacht und war für die Wachschicht verantwortlich. Nachdem ich das einige Monate gemacht hatte, stellten sich bei mir Schlafstörungen ein, und mein 'Auditing‘ wurde mir unheimlich. Mein Verstand fing an zu zerfallen. Ich war es gewohnt, bis spät in die Nacht zu arbeiten - aus der Zeit in der ich Botin war [zu Hubbards "Botinnen" siehe weiterer Bericht] - also bat ich darum, als 'RPF C/S‘ (Case Supervisor - Fall-Leiterin) eingesetzt zu werden: Dabei würde ich jede Nacht alle Sitzungsergebnisse durchlesen und den 'Auditor‘ 'einstufen‘ und ihm sagen, was er am kommenden Tag mit dem PC durchgehen sollte. Die 'C/Ss‘ mußten in der Nacht arbeiten, damit die Akten über Preclear am

Haack: Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 311
 
nächsten Tag für das Auditing vorbereitet waren. Mein Antrag wurde genehmigt, und ich wurde als 'C/S‘ eingesetzt, und diese Arbeit setzte ich bis zu meiner Entlassung aus der RPF fort.

Als ich zum ersten Mal in der RPF war, nahmen wir das Essen an einem Tisch ein, der im Parkhaus aufgestellt war. Als es aber Winter wurde, war es etwas kalt, und es war auch 'schlechte PR‘ für die 'FCCIs‘, die uns sahen. 'FCCI‘ bedeutet 'Vervollständigte Fall-Intensive‘. Dies sind 'in der Offentlichkeit stehende Scientologen‘, die für Leistungen an 'Flag‘ Zahlungen leisteten. Auf dem Weg zu oder von ihrem Wagen gingen die 'FCCIs‘ immer bei uns vorbei. Also wurden wir in das Speisezimmer für Mitarbeiter 'niedrigeren Grades‘ gelassen und nahmen dort unsere Mahlzeiten ein, nachdem diese Mitarbeiter mit dem Essen fertig waren.

Mit unseren Schlafstellen sah es schlecht aus. Die Jungens unter uns schliefen in einem Raum, der tagsüber als RPF-Unterrichtsraum verwendet wurde. Es handelte sich um einen alten Lagerraum ohne Fenster. In der Nacht warfen sie ihre Matratzen einfach auf den Fußboden, und der Raum war voll belegt, Matratze an Matratze.

Bei meinem ersten Aufenthalt in der RPF schliefen die Mädchen auf einem Gang in der Nähe des Aufzugschachtes, der zum Parkhaus führte. Auch dort waren die Fußböden völlig mit Matratzen bedeckt. Später wurden wir in einen alten Umkleideraum im Fort Harrison verlegt, der keine Fenster hatte. Man ließ uns während der Nacht die Lüftungsschlitze aufmachen, damit wir nicht erstickten, aber die Tür war verschlossen, um zu verhindern, daß jemand von uns abhaute. Ein 'RPF MAA‘ oder ein anderes 'hohes Tier‘ in der RPF schlief immer in der Nähe der Tür, und es wurden natürlich jede Nacht Kontrollen durchgeführt, um festzustellen, daß wir im Bett waren. Es gab auch 'F.H. Security Guards‘ - Wächter im Fort Harrison), die Fort Harrison dauernd überwachten sowie eine 'RPF-Wache‘, für die Überwachung des Parkhauses in der Nacht.

Im Dezember 1978 wurden wir in einen Lagerbereich im Parkhaus verlegt. Es war eine Umwandung, teils aus Holz, teils aus Zement, die an eine der Parkhausmauern angebaut worden war. Sie wurde als Lagerfläche gebaut; als aber die RPF sehr anwuchs, wurde sie zum Schlafbereich für die Mädchen der RPF. Es wurden primitive Holzbetten zusammengebaut, die etwa der Hälfte oder einem Drittel eines normalen Bettes entsprachen. Diese Schlafstellen wurden 3 und 4 Stockwerke übereinander gebaut, und sie wurden seitlich aneinandergestellt. Bei unseren 'Matratzen‘ handelte es sich um Schaumstoffstücke, die passend zu den Schlafstellen zugeschnitten worden waren. Ins Bett zu gehen war so, wie in ein Loch zu kriechen. Man konnte auch nicht aufrecht darin sitzen, wegen der Schlafstelle darüber, und der Versuch, sich umzudrehen war schwierig, weil die Breite nicht ausreichend war. Das Schlimmste dabei war aber, daß man in einem Parkhaus war; wir atmeten die ganzen Autoabgase ein, wenn Autos durchfuhren, zusätzlich zu dem Lärm, den die Wagen der 'FCCIs‘ und der Mitarbeiter beim Rein- und Rausfahren machten.
(...)

Haack: Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 312
 
Es fällt mir äußerst schwer, zu beschreiben, was geistig und seelisch in der RPF in mir vorging. Die ersten paar Wochen vergingen damit, daß ich mich einer Sicherheitsprüfung nach der anderen zu unterziehen hatte. Bei der ersten handelte es sich um die Sicherheitsüberprüfung über alles, was ich getan oder jemandem erzählt hatte während ich abgehauen war sowie über 'overts‘, die ich während meines Aufenthaltes im 'WHQ‘ (Winterhauptquartier) begangen hatte. Dann hatte ich mich einer speziellen Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen, die von der 'CMO‘ erstellt worden war, und zwar über alles, womit ich mich als Botin befaßt hatte oder was ich als solche wußte. Als das schließlich alles vorbei war, teilte man mir einen 'Zwilling‘ zu und ich fing mit meinem RPF-Auditing-Programm an. An dieser Stelle wurde mir klar, daß ich ein 'Liste 1 S/R‘ bin, weil die Betreffende, die mir als Zwilling zugeteilt worden war, ein 'Liste 1 S/R‘ war. Gemäß den RPF-Regeln wird nur einem 'Liste 1 R/S‘ ein Zwilling 'Liste 1 R/S‘ zugewiesen. Dieser Befehl ist einer aus der Serie der F.O. 3434 Befehle. Offensichtlich reagierte ich mit 'S/R‘ auf eine der Sicherheitsüberprüfungen und galt nun als Bedrohung LRH.

Das schockierte mich wirklich, denn ich wußte, daß 'Liste 1 R/S‘ 'SPs‘ sind, und deshalb war ich eine unterdrückerische Person, was ihren Richtlinien nach bedeutete, daß ich schlecht und psychotisch sei. Ich brauchte Wochen, bis es mir gelang, zu 'akzeptieren‘, daß ich eine 'SP‘ (suppressive Person) war. Die Tatsache, daß ich eine SP und psychotisch war und die RPF brauchte, war mir schließlich bewußt, und ich akzeptierte sie. Es war meine einzige Hoffnung auf Rettung. (...)

Innerhalb der RPF (Gruppe Rehabilitationsprojekt) gibt es die RPF der RPF. Dorthin werden diejenigen geschickt, denen nicht bewußt wird, daß sie die RPF brauchen. In Clearwater schickte man sie runter in den Heizungsraum, der natürlich bewacht war, und dort mußten sie den ganzen Tag arbeiten, Rohrleitungen und Mauern im Heizungsraum saubermachen, von allen andern RPF-Mitgliedern isoliert. Es wurde ihnen Bleistift und Papier gegeben zum Aufschreiben ihrer 'overts‘ (feindselige Akte) sowie zum Ausfüllen von 'lower ethics condition formulars‘ (Vordrucke über die unteren Ethics-Zustände) im Heizungsraum. Sie durften sich 15 Minuten lang duschen, bevor sie sich nachts schlafen legten, und sie durften im Durchschnitt 5 Stunden schlafen. Das Essen erhielten sie, nachdem der RPF damit fertig war, und es wurde ihnen nur soviel Zeit gelassen, wie sie zum Essen brauchten. Dies dauerte solange, bis ihnen klar wurde, wie schlecht und suppressiv sie waren, und wie sehr sie die RPF brauchten.

Während der Zeit meines Aufenthalts dort wurden über ein Dutzend Leute in die RPF der RPF gesteckt. Ein Junge wurde dorthin geschickt, weil er die Treppe hinunterfiel und dabei zufällig den Feueralarm in Fort Harrison auslöste. Gewöhnlich handelte es sich bei den Leuten dort um solche, die austreten wollten oder die irgendwie in einen Fall von 'out - 2D‘ verwickelt waren. 'Out - 2D‘ lag dann vor, wenn sich zwei ungleichen Geschlechts küßten oder

Haack: Scientology - Magie des 20 Jahrhunderts, 1982, Seite 313
 
die Hände hielten. Es war keinem gestattet, Beziehungen zum anderen Geschlecht zu haben, außer man war verheiratet.

Verheiratete sahen ihren Partner während einer Essenspause (30 Minuten) pro Tag. Der Partner mußte während des Essens der RPF zum betreffenden RPF-Mitglied kommen, weil das RPF-Mitglied nicht in einen Eßbereich für den Mitarbeiterstab gehen konnte. Einmal wöchentlich war es ihnen erlaubt, für eine Nacht zusammen zu sein, und zwar ungeachtet dessen, ob beide in der RPF waren oder nicht.

Wenn die Erfolgs-Statistik der RPF-Mitglieder hoch war, dann konnten sie ihren Partner nach dem Nachtappell treffen, mußten sich aber am Morgen wieder zurückmelden. Der 'night-out‘ room (Zimmer für 'Nachtausgang‘) befand sich im 'day-care-center‘ (Tagesbetreuungszentrum), das zur Nachtzeit ohne Verwendung war. Die Paare legten dort für die Nacht ihre Matratzen auf dem Fußboden aus.

Einmal wurde der einmalige Nachtausgang pro Woche im Juni oder Juli 1978 durch LRH gestrichen. Die RPFIer durften mit ihren Ehepartnern keinen Kontakt haben, mit einer einzigen Ausnahme pro Tag, bei einem Essen. Es handelte sich hierbei um einen 'F.O.‘ (Flag-Befehl) der Serie 3434, schriftlich durch LRH festgelegt.

Wenn die RPFIer Kinder hatten, dann durften sie sie während der Essenszeit und zusätzlich eine Stunde pro Woche sehen, wenn ihre 'stats‘ oben waren.
(...)"
 

Schließlich wird die Zeugin in der RPF regelrecht krank, und als sich die Gelegenheit einer "Amnestie" bietet, nimmt sie diese wahr:
 
"Zusammen mit 7 oder 8 weiteren Personen nahm ich die Amnestie an. Alle wurden wir Sicherheitsüberprüfungen unterzogen, darüber ob wir irgendwelche Scientology-Daten mit uns nahmen, welche Absichten wir beim Gehen hatten usw. Dann wurde unser Gepäck und unsere Sachen kontrolliert, und alles wurde durchsucht, um sicherzugehen, daß wir keine internen Unterlagen etc. hatten. Man ging alle unsere 'pc folders‘ (Preclear-Akten) durch, und es wurde eine Liste erstellt über alles, was jemals gegen uns verwendet werden könnte, wie z.B. Verbrechen in diesem Leben, einschließlich Diebstahl, Drogenverkauf, Prostitution usw. - alles, was nach dem Gesetz als illegal gilt oder in unserer Gesellschaft als unmoralisch. Diese Listen wurden dann in Form von 'eidesstattlichen Erklärungen‘ erstellt, und wir mußten sie unterzeichnen. Dann wurden wir alle zum 'Guardian‘s Office‘ geführt und unterzeichneten dort weitere Vordrucke. Ich weiß nicht, was ich unterzeichnete. Ich erinnere mich selbst nicht einmal daran, ob ich die von mir unterzeichneten Unterlagen auch gelesen habe. Es wurde mir lediglich etwas zum Schreiben gegeben, und ich wurde zum Unterschreiben aufgefordert" [Anm. 670: aktion bildungsinformation,eidesstattliche versicherungen,Stuttgart 1980 (ABI 12-80), S. 40-47, 49/50, 55/56]."
Dieser Bericht läßt sich am deutlichsten mit "Höllenerlebnis" beschreiben. Den Ausdruck prägte ein Scientologe, der beim Lesen dieses beeidigten Berichtes zum erstenmal die hier geoffenbarte Seite der Scientology kennenlernte.
 



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