Ingo Heinemann: Scientology-Kritik 
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Zuletzt bearbeitet am 11.5.2010 
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Ingo Heinemann 1982:
Die Scientology-'Kirche': "Kritiker sind Verbrecher"
 
 
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Diese Seite enthält einen Text aus dem Jahr 1982.
Selbstverständlich ist nicht mehr alles aktuell.


Dokumentation, Umfang ca. 250 Seiten
Herausgeber: ABI 1982


Ingo Heinemann:
DIE SCIENTOLOGY-'KIRCHE': "KRITIKER SIND VERBRECHER"

ÜBER DEN UMGANG DER SCIENTOLOGY-SEKTE MIT IHREN KRITIKERN


Inhalt:
I.1:  Über den Umgang mit Kritikern
I.2:  Abschreckung potentieller Kritiker
I.3:  Lautstarke Ermittlungen
II.1: Fragebogen für Kriminelle -  Überwachung der Anhänger
II.2: "Das E-Meter weiß alles"
II.3: Gedankenkontrolle und Gehirnwäsche
II.4: Suppressive Personen und potentielle Unruhestifter
II.5: Der Trennungsbefehl
II.6: Das Femegericht
II.7: Ethik ist Strafe
II.8: Freiwild- Fair Game
II.9: Freebaderbill - Schnorrerrechnung

Anhang: Dokumente (befinden sich nicht in dieser Website)

Kurzzitat: ABI 12-82-Seitenzahl



I.1  ÜBER DEN UMGANG MIT KRITIKERN


"Kritiker sind Verbrecher": Dieses Zitat ist erstmals im ABI-Info 59 vom 20.12.76 enthalten. Die ABI hatte damals aus dem englischen Foster-Report (S. 145) zitiert.
Dokument 1
Das dazugehörige Hubbard-Copyright stammte aus dem Jahre 1968. Die äußerst intensive Öffentlichkeitsarbeit der Scientology-Sekte hatte bewirkt, daß vielfach angenommen wurde, die Sekte habe ihren damaligen rüden Methoden abgeschworen. Dies war ein Irrtum. In der Scientology-Zeitschrift "Freiheit" vom Juli/August 1979
Dokument 2
ist unter dem Titel
"Die Kritiker der Scientology
von L. Ron Hubbard"
unter anderem der folgende Text abdruckt:
"Diejenigen, die Scientology kritisieren oder abfällige Bemerkungen darüber machen, können einer eingehenden Überprüfung ihrer vergangenen Taten oder Absichten nicht standhalten.
Das ist Gott sei Dank ein glücklicher Umstand für uns.
Der Kriminelle scheut das Tageslicht. Und wir sind das Licht.
Wir fanden niemals Kritiker der Scientology, die keine kriminelle Vergangenheit hatten.
Wenn sie sich der Scientology in den Weg stellen, werden wir sofort nach ihren strafbaren Handlungen schauen - und wir werden sie finden und bloßlegen. Wenn sie uns aber in Ruhe lassen, werden auch wir sie in Ruhe lassen".
Diese Dokumentation wird zeigen, daß dies absolut ernst gemeint ist.

Der Scientology-Kritiker Christopher Evans schrieb 1973 in seinem Buch "Kulte des Irrationalen":
Dokument 3

"Je intensiver ich mich mit der Scientology beschäftigte, desto mehr gewann ich den Eindruck, daß sie sich zum Bessern hin verändert und daß sich ihr Führer und ihre Anhänger bemühen, ihre Vergangenheit zu vergessen

Vielleicht hat dieser Satz es bewirkt, daß Evans Buch wohl das einzige über die Scientology-Sekte ist, gegen welches -zumindest in der Bundesrepublik- keine Gerichtsverfahren eingeleitet wurden. Vielleicht war das auch der Zweck dieses Satzes.  Nach Erscheinen des Buches in der Bundesrepublik im Jahr 1976 wurde Evans Einschätzung auch hier vielfach zitiert und so mancher wurde dadurch wohl davon abgehalten, sich intensiver mit diesem destruktiven Kult zu befassen. Inzwischen steht fest, daß Evans sich gründlich geirrt hat: ob Hubbard nun tot ist oder noch lebt, sein Wort ist Gesetz und hat Vorrang vor den jeweiligen nationalen Gesetzen, auch wenn Scientologen beteuern, sich an diese halten zu wollen.

Bereits im Jahr des Erscheinens von Evans Buch begann die bisher wohl umfangreichste kriminelle Aktion der Scientology-Sekte: am 21.11.73 erteilte  die Chefin des "Guardian Office" amerikanischen Scientologen den Auftrag, alle INTERPOL-Dokumente zu beschaffen, die Bezug auf Scientology haben und deren Gründer, L. Ron Hubbard, mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung bringen. Dieser Auftrag war der Auftakt zu zahllosen Straftaten, insbesondere der Unterwanderung von Regierungsbehörden.

Diese Verschwörung wurde erst 1977 beendet. Friedrich Hacker schreibt dazu in seinem Buch "Freiheit die sie meinen" (S. 141):

"In den frühen Morgenstunden am 8.Juli 1977 veranstalteten 134 FBl-Agenten schlagartig und gleichzeitig eine Hausdurchsuchung der scientologischen Kirchensekretariate in San Francisco  und Los Angeles, wobei aus den gewaltsam aufgebrochenen Räumen einige Zentner Schriften, Aufzeichnungen und Belege entfernt wurden"

Diese Beweismittel führten zu der bisher wohl umfangreichsten Anklageschrift gegen Angehörige einer Sekte: angeklagt waren u.a. die Ehefrau des Sektengründers, Mary Sue Hubbard und besagte Jane Kember.
Die Angeklagten legten ein Schuldbekenntnis ab und umgingen so ein öffentliches Strafverfahren.

Dennoch behauptete die Scientology-Sekte weiter, die Razzia sei verfassungswidrig und  "faschistisches Treiben". Durch außerordentlich aufwendige PR-Kampagnen versuchten sie so, von den Straftaten ihrer Führung abzulenken.

Ein SAFE ENVIRONMENT FUND - SEF wurde gegründet, ein SICHERE UMGEBUNG FOND. Mit dessen Hilfe wurden vermutlich Millionen gesammelt.
Ausdrückliche Begründung: Bezahlung der Verteidigung für Mary Sue Hubbard und deren Mittäter, die doch längst ein Schuldbekenntnis abgegeben hatten.

(Anklageschrift, Beweismittelvereinbarung und Schuldbekenntnis sind in deutscher Übersetzung bei der ABI zu erhalten - ca. 300 Seiten).

Der Hintergrund dieser kriminellen Verschwörung: Geld, sehr viel Geld. In den USA wird nämlich in vielen Verfahren um die Gemeinnützigkeit und damit um die Steuerfreiheit der Sekte prozessiert. Durch die Verschwörung wollte die Sekte herausfinden, welche Beweise die Behörden haben.

Zurück in die Bundesrepublik:

Auch hier wird vor Finanzgerichten um die Gemeinnützigkeit prozessiert. Und noch gefährlicher für die Sekte: erstmals hat ein Gericht die Eintragung einer Scientology-Filiale in Vereinsregister verweigert (LG Düsseldorf  25 T 406/81).
Dokument 4

Begründung: Der Verein verfolge keine ideellen Ziele, sondern wirtschaftliche. Ein sog. Wirtschaftlicher Verein darf nach § 22 BGB  nicht ins Vereinsregister eingetragen werden.  Das Gericht weist ausdrücklich darauf hin, da8 sich die Zielsetzung der Düsseldorfer Filiale nicht von der anderer Scientology -Einrichtungen in Deutschland unterscheide.
Das bedeutet: Nach § 43 BGB muß diesen anderen Einrichtungen die Rechtsfähigkeit entzogen werden. Ohne Rechtsfähigkeit aber gibt es keine Gemeinnützigkeit.

Folgerichtig wurde in einer Pressemitteilung vom 6.8.82 Beschwerde beim Oberlandesgericht angekündigt (dortiges Aktenzeichen: 3 W 268/82).
Diese Presseerklärung enthält zwei gute Beispiele für den Umgang der
Sekte mit der Wahrheit. Es wird behauptet:
Dokument 5
"...allerdings zweifelte das Gericht nicht an, daß es sich bei Scientology um eine Religion handelt."

Dazu das Urteil (S. 10 und 11):

Die Kammer hat ... nicht zu überprüfen, ob die "Scientologen"-Bewegung, deren Verbreitung der Düsseldorfer Verein dienen soll, als Religion oder sonstige Weltanschauung zu bezeichnen ist. Die Entscheidung, ob der Verein als Idealverein einzutragen ist, hängt nicht von der Art der von ihm verbreiteten Gedanken ab. Ob der Verein religiöse Gedanken verbreitet oder nicht, hat keine Auswirkung auf die Anforderungen, die an ihn zu stellen sind, wenn er seine Eintragung in das Vereinsregister begehrt.... Es gibt kein "Religionsprivileg" des Inhalts, daß jedwede Einrichtung, die sich darauf beruft, eine Religion zu sein oder einer Religion zu dienen, die ihr beIiebende Rechtsform annehmen kann, ohne deren Voraussetzungen zu erfüllen".

Weiter wird in der Pressemitteilung v. 6.8.82 auf ein Gesetz im australischen Bundesstaat Victoria Bezug genommen,

"welches die Ausübung der Scientology einschränke".
Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn durch das Gesetz über die Ausübung der Psychologie von 1965 wurde die Anwendung und Ausübung der Scientology sowie der Besitz scientologische Materialien schlicht verboten und unter Strafe gestellt.

Weiter in der Presseerklärung:

"Vor einem Monat wurde dieses Gesetz in Victoria aufgehoben und Scientology als Religion anerkannt".
Nicht etwa das Gesetz über die Ausübung der Psychologie wurde aufgehoben, sondern nur die Paragraphen, die das ausdrückliche Scientology-Verbot enthalten. Es bleibt dabei, daß psychologische Verfahren nur durch zugelassene Psychologen ausgeübt werden dürfen.

Schlicht erfunden ist die Behauptung, das Parlament habe "Scientology als Religion anerkannt". Den Protokollen der Parlamentssitzung ist vielmehr ausdrücklich zu entnehmen, daß mit der Aufhebung des Gesetzes keine Anerkennung der Scientology verbunden sei.



I.2 Abschreckung potentieller Kritiker


Pressekritik müssen sich heute beispielsweise auch der ADAC und die NEUE HEIMAT gefallen lassen. Doch betrifft die Kritik bei diesen Organisationen nur Randerscheinungen.  Bei der Scientology-Sekte betrifft die Kritik hingegen den Kern des Multi-Millionen-DM-Unternehmens. Stichworte: Gehirnwäsche, Betrug, Wucher, Ausbeutung, Täuschung, Kriminalität. Trotz dieser sensationsträchtigen Mischung werden nur verhältnismäßig wenig Berichte über die Scientology-Sekte veröffentlicht.

Ein Grund dafür ist sicher die Abschreckungsstrategie der Scientology-Sekte. Diese Strategie beruht nicht etwa auf der Initiative und der Phantasie der einzelnen Mitarbeiter, sondern auf Hubbards Anweisungen, die in jedem Einzelfall minutiös befolgt werden. Als Beispiel noch ein Zitat aus dem bereits erwähnten Artikel aus "Freiheit":

"Irgend ein Wortführer zum Beispiel fordert vom Parlament lautstark die Verurteilung der Scientology. Wenn dieser Wunsch jedoch genau unter die Lupe benommen wird, finden sich strafbare Handlungen - veruntreute Gelder, moralische Fehltritte, abartiges Verhalten - schmutziges Zeug".
Dies ist die für die Öffentlichkeit bestimmte Version: hart genug. Für den internen Gebrauch wird Hubbard jedoch wesentlich deutlicher (zitiert nach Foster-Report):
Dokument 7
"Der Politiker A stellt sich in einem Parlament auf die Hinterbeine und kreischt nach der Verdammung der Scientology. Wenn wir uns ihn genau ansehen, finden wir Verbrechen - Bestechungsgelder, moralische Fehltritte, Begierde nach kleinen Knaben - schmutziges Zeug".
Wie solche Informationen zu beschaffen sind, beschreibt Hubbard an anderer Stelle (HCO PL 5.9.66):
Dokument 7.29
"Sobald dir jemand droht, gewinnst du einen Scientologen oder mehrere Scientologen, um lautstark zu untersuchen.
Du findest heraus, wo er oder sie arbeitet oder gearbeitet hat, wer sein oder ihr Arzt ist, Zahnarzt, Freunde, Nachbarn, jeden rufst Du an und sagst, ich stelle im Falle von Herrn/Frau ... Untersuchungen an, ab er/sie mit krimineIlen. Aktivitäten versucht hat, die Freiheit der Menschheit zu verhindern und meine Religionsfreiheit einzuschränken und meiner Freunde, Kinder, etc ... Du betonst immer wieder, daß du bereits einige erstaunliche Tatsachen beisammen hast", etc. etc. (Benutze eine Verallgemeinerung)... Es macht nichts aus, wenn du nicht viele Informationen erhältst. Sei nur GERÄUSCHVOLL - es ist zunächst sehr komisch, funktioniert aber ganz phantastisch."
Jeder, der mit dem sog. Äußerungsrecht zu tun hat - und Politiker und Journalisten haben dies meist - weiß, was das bedeutet: Wenn die Scientology-Sekte bereit ist, einem Politiker homosexuelle Unzucht mit Kindern zu unterstellen, wird sie erst recht bereit sein, Verdächtigungen mißgünstiger Nachbarn oder Kollegen zu transportieren.

Das deutsche Äußerungsrecht macht es so gut wie unmöglich, sich gegen derartige Verdächtigungen wirksam zu wehren. Denn Meinungsäußerungen sind grundgesetzlich geschützt, auch wenn sie überspitzt oder falsch sind. Unzulässig ist erst die sog. Schmähkritik. Sichere Kriterien für die Abgrenzung gibt es nicht. Der Betroffene riskiert es also, sein Privatleben vergeblich vor Gericht ausbreiten zu müssen.

Auf der anderen Seite stellt das Recht keine wirksamen Sanktionen zur Verfügung: verlangt werden kann lediglich die Unterlassung der fraglichen Behauptung, allenfalls noch deren Widerruf. Schmerzensgeld aber kann nur ganz ausnahmsweise verlangt werden, in der Praxis nur von Prominenten. Im Gegensatz zu den USA ist die Höhe dieser Schmerzensgelder ohne jede Abschreckung: 40.000.- DM erstritt beispielsweise Heinrich Böll nach jahrelangem Prozeß gegen Mathias Walden, der ihm Nähe zum Terrorismus unterstellt hatte.

Ein typisches Beispiel ist das Verfahren des Diplom-Theologen Hans Löffelmann, seinerzeit Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Erzdiözese München Freising, gegen  Barbara Schwarz, in verschiedenen Funktionen für die Scientology-Sekte tätig. Löffelmann veranstaltete am 25.11.79 einen Informationsabend. Frau Schwarz ging ans Mikrophon und sagte:

"Dieser katholische Theologe - Leute, stellt Euch das vor - hat persönliche Daten über mich aus einem? Beratungsgespräch mit meiner Mutter an sensationslüsterne Journalisten weitergegeben. Leute, da seht ihr, wozu diese Pfaffen für ein paar Silberlinge fähig sind".

Die beleidigenden Formulierungen sind von sekundärer Bedeutung. Viel wichtiger ist die Behauptung, Löffelmann habe Informationen aus einem vertraulichen Beratungsgespräch veröffentlicht. Löffelmann erhob Klage vor dem Landgericht München (23 0 1891/80).
Dokument 9

Barbara Schwarz unternahm in der Sache garkeinen ernsthaften Versuch, sich zu verteidigen, gab vielmehr ein Anerkenntnis ab.

Inwieweit dieser Vorgang seiner beruflichen Reputation geschadet hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Ihm wurde später gekündigt.

Ein weiteres Beispiel:

Am 7.11.74 erhielten das Bayerische Innenministerium, die Wehrbereichsverwaltung und die Münchner Polizei gleichlautende anonyme Schreiben, durch welche ein bei der Wehrbereichsverwaltung beschäftigter Regierungsrat der Annahme von Bestechungsgeldern beschuldigt wurde. Dieser Beamte hatte dienstlich darüber zu entscheiden, ob Scientology-Mitglieder als Geistliche vom Wehrdienst zurückgestellt werden können. Er lehnte dies durchweg ab. Tatsächlich waren bei ihm auch Zahlungen eingegangen, die er seinem Arbeitgeber abgeliefert hatte.  Komplizierte Ermittlungen ergaben: mit Hilfe der tatsächlich getätigten Überweisung wurden gefälschte Belege hergestellt. Das Gericht (452 Cs 24 Js 3728/75):
Dokument 10

"Hier ... ist eine erhebliche kriminelle Energie entwickelt worden, um einen unbescholtenen Beamten in den Verdacht der schweren Bestechung zu bringen. Der Vorwurf der Bestechlichkeit gegen einen Staatsbeamten ist einer der schwersten überhaupt".

"Daß hier nach einem exakten Plan gehandelt wurde, liegt auf der Hand".

In gewisser Hinsicht wurde durch die Tat das Ziel zumindest teilweise erreicht: der außerordentlich engagierte Beamte wurde von der Bearbeitung dieser Fälle entbunden, zu seinem eigenen Schutz.



I.3 Lautstarke Ermittlungen  

Im Anhang ist das vollständige Kapitel 7 des sog. Foster-Reports in deutscher Übersetzung wiedergegeben.
Dokument 7

Gelegentlich wird behauptet oder vermutet, da8 die darin enthaltenen Anweisungen des Sektengründers heute keine Gültigkeit mehr haben.

Tatsächlich sind praktisch alle diese Texte in einer Sammlung von ca. 20 umfangreichen DIN-A-4 Bänden enthalten. So beispielsweise der
Dokument 8

HCO Policy Letter of 15 February 1966,

welcher den Vermerk OEC 7,490 trägt. Das bedeutet, da8 er dem "ORGANIZATI0N  EXECUTIVE COURSE" entnommen ist, und zwar dem 7. Band "Executive Division" auf S. 490.
Dokument 7.13
 
Fehler: OEC 7,490 enthält zwar auch ein HCOPL vom 15.2.66m sogar mit demselben Titel "Attacks on Scientology", aber mit anderem Inhalt. 
Dieses ist zu finden unter Foster-Report.htm#HCOPL-15.2.66

In dieser Richtlinie vom 15.2.66 heißt es:

"Jeder, der eine Untersuchung von Scientology vorschlägt oder einer Ermittlung gegen Scientology zustimmt, muß diese. Antwort erhalten und kein anderes Angebot:
'Wir begrüßen eine Untersuchung der... Psychiatrie (oder wer sonst uns gerade angreift), da auch wir eine Untersuchung eingeleitet haben und zu einem erschreckenden Befund gelangt sind'.
Man kann den erhaltenen Befund ausbauen und dick auftragen, denn man will dabei ja nur die Angreifer angreifen.
Stimme NIEMALS einer Untersuchung der Scientology zu.
Stimme. NUR einer Untersuchung der Angreifer zu."
Die angeblichen Untersuchungsbefunde werden dann in umfangreichen Kompendien zusammengetragen.  Nachdem sich das BUNDESMINISTERIUM FÜR JUGEND, FAMILIE UND GESUNDHEIT mit der Scientology-Sekte befaßt hatte, veröffentlichte diese ein 76seitiges Druckwerk:
Dokument 11
"EIN MINISTERIUM SPIELT FALSCH
Berichtigung und Dokumentation
FALSCHINFORMATION DES
BUNDESMINISTERIUMS FÜR FAMILIE,
JUGEND UND GESUNDHEIT ÜBER DIE
SCIENTOLOGY-KIRCHE
KORREKTUR UND DOKUMENTATION"
 "Falschinformation" ist einer der Lieblingsbegriffe der Scientologen. Die Lieblingswaffe aber ist die Religionsfreiheit.  Und da dies vielleicht noch nicht ausreicht, vergleichen die Scientologen bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit dem Schicksal der Juden im 3. Reich. So beginnt die erwähnte Broschüre:

"Holocaust hat allerorts Betroffenheit ausgelöst. Nirgendwo wurde bisher die Manipulation der Bevölkerung durch gezielte Falschinformationen und schmutzige Propaganda, sowie die. perfekte Diffamierung und Verfolgung von ethnischen und religiösen Minderheiten eindringlicher dargestellt."

Die Scientologen rechnen offenbar damit, daß kein Leser über die ersten Seiten hinauskommt. Denn die angeblichen Beweise für die angeblichen Falschinformationen beweisen in Wahrheit nichts.

Das gilt bereits über die "Unwahrheit Nr. 1": die Bezeichnung der Scientology-Sekte als "Jugendreligion" oder "Jugendsekte". Dieser angeblichen Unwahrheit wird mit einer Umfrage entgegnet: 4 Tage lang wurden (angeblich) alle Kursteilnehmer nach ihrem Alter befragt und daraus ergab sich das Durchschnittsalter: 30,40 Jahre.
Diese  Information aber beweist garnichts:

a) Auch die Jugendorganisationen der Parteien behalten ihre Mitglieder, bis sie 35 Jahre alt sind.
b) Die Besuche während dieser 4 Tage könnten gesteuert gewesen sein.
c) Scientology wäre durchaus in der Lage, aus ihren Karteien durch einen zur Verschwiegenheit verpflichteten Dritten das genaue Durchschnittsalter ermitteln zu lassen.

Diese Broschüre ist keineswegs ein Einzelfall. Das beweist beispielsweise die Broschüre
Dokument 12

"Holocaust bis 1984
Analysen und Betrachtungen: Das VERFASSUNGSWIDRIGE und ANTIRELIGIÖSE VORGEHEN STAATLICHER ORGANE DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
gegen neue religiöse
MINDERHEITEN"
Auch diese enthält keinerlei Beweis dafür, daß jemals ein Scientologe wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Sekte verfolgt wurde.



II. Wer nicht für Scientology ist, ist gegen Scientology


II.1 Fragebogen für Kriminelle: Überwachung der Anhänger  

Mit Ausnahme der Geheimdienste dürfte wohl niemand derart viele Informationen über seine Mitarbeiter und Kunden sammeln, wie die Scientology-"Kirche". Das beginnt bereits mit dem obligatorischen 200-Fragen-Test. Diese "Oxford Capacity Analyse" dient zwar in erster Linie der Werbung: in praktisch allen bekannt gewordenen Fällen fällt die Auswertung im Bereich der Kommunikation negativ aus, so daß dem Interessenten der "Kommunikationskurs" angeboten werden kann, der zugleich der obligatorische Einstieg in das Scientology-Kurssystem ist.

Sozusagen als Zusatznutzen läßt der Test jedoch durchaus konkrete Einblicke in die Persönlichkeit des Probanden zu, beispielsweise über seine Art, mit Geld umzugehen oder über das Vorhandensein oder das Fehlen von Idealismus. Dieser Test wird meist - jeweils nach Teilnahme an Kursen - wiederholt, um zu beweisen, daß "Scientology funktioniert". Darüberhinaus müssen während einer Scientology-Laufbahn als Kunde oder Mitarbeiter zahlreiche zusätzliche Tests absolviert werden, meist als sog. E-Meter-Check, also unter Kontrolle des E-Meters.

Dabei wird ein sog. BEKENNTNISFORMULAR verwendet. Offenbar wird keinem Scientologen mehr bewußt, daß es sich hier in Wahrheit um ein GESTÄNDNISFORMULAR handelt.
Dokument 13

Das "Bekenntnisformular 1"., enthaltend "DIE GRUNDLEGENDE BEKENNTNISLISTE",  enthält Fragen nach so ziemlich allen Straftaten, welche die Strafgesetzbücher enthalten. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß die Scientologen es für möglich halten, daß einer der Ihren solche Straftaten begangen haben kann:
 

Bekenntnisformular 1
DIE GRUNDLEGENDE BEKENNTNISLISTE
zur Verwendung in Bekenntnissen durch einen Hubbard-
Bekenntnis-Berater

1. Haben Sie je unter einem falschen Namen gelebt oder gearbeitet?
2. Haben Sie mir Ihren richtigen Namen angegeben?
3. Sind Sie aus einem anderen Grund hier als Sie angeben?
4. Haben Sie je irgend etwas gestohlen?
5. Haben Sie je die Unterschrift eines anderen gefälscht?
6. Haben Sie jemanden erpreßt?
22. Haben Sie je jemand vergewaltigt?
23. Waren Sie je an einer Abtreibung beteiligt?
24. Haben Sie je Ehebruch begangen?
25. Haben Sie je Homosexualität praktiziert?
26. Hatten Sie je Geschlechtsverkehr mit einem Mitglied Ihrer Familie?
30. Haben Sie je Mord begangen?
31. Haben Sie je irgend etwas bombardiert?
32. Haben Sie je irgend jemanden getötet?
40. Sind Sie je ein Spion für eine Organisation gewesen?
41. Haben Sie je Informationen weitergegeben?
42. Waren Sie je Mitglied einer illegalen Organisation?
43. Haben Sie je falsch berichtet?
44. Hatten Sie je Geschlechtsverkehr, während Sie unter Alkoholeinfluß standen?
51. Haben Sie je für die Polizei spioniert?
82. Haben Sie je Geld angenommen, um Scientology zu schädigen?
86. Gibt es etwas, das zu erzählen Sie vermieden haben?

deutsche Übersetzung c 1977 "

Juristisch sind derartige Geständnisse belanglos. In diesem Zusammenhang sei jedoch daran erinnert, daß vor einigen Jahren zahlreiche Frauen in einer Zeitschrift namentlich gestanden haben: "Ich habe abgetrieben". Allgemein wurde angenommenen, daß diese Frauen sich dadurch dem Risiko der Strafverfolgung aussetzen würden. Tatsächlich jedoch kann der Staatsanwalt allein mit einem Geständnis nichts anfangen. § 200 der Strafprozeßordung verlangt nicht nur die Angabe der Tat, die dem Angeklagten zur Last gelegt wird, sondern auch "Zeit und Ort ihrer Begehung".

Auch bei den Geständnissen der Scientologen fehlt die Angabe von Ort und Zeit der Begehung und deshalb sind sie juristisch belanglos. Diese Tatsache dürfte jedoch nur den wenigsten juristischen Laien bekannt sein. Also dürften tausende von Scientologen glauben, daß sich in ihren "folders" - den Akten - Beweise für strafbare Handlungen befinden. Deshalb hat auch der einzelne Scientologe Angst davor, daß diese Akten der Polizei in die Hände fallen

Neben der Angst erzeugen diese Fragebogen vor allem auch Schuldgefühle und die Schuldgefühle spielen eine wichtige Rolle für die Scientology-Sekte.  Das Bekenntnisformular 1 erzeugt vor allem Schuldgefühle dem Staat gegenüber. Andere Fragebogen erzeugen Schuldgefühle der Scientology-Organisation gegenüber.

Das "Bekenntnisformular 2" ist dafür beispielhaft:
Dokument 14
 

"Bekenntnisformular 2
ALLGEMEINE BEKENNTNISLISTE FÜR PERSONAL
Zur Verwendung in Bekenntnissen durch einen Hubbard-
Bekenntnis-Handhaber

1. Haben Sie je etwas von einer Scientology (R) Organisation gestohlen?
2. Sind Sie nur hier, um kostenloses Auditing zu bekommen?
3. Beabsichtigen Sie, wenn sie erst einmal trainiert sind, diese Organisation wieder zu verlassen?
6. Haben Sie mit einer Org den Vertrag gebrochen?
7. Haben Sie je einem unschuldigen Personalmitglied die Schuld zugeschoben?
8. Haben Sie kostenlose Dienstleistungen angeboten oder geliefert?
12. Haben Sie einer Scientology entgegengesetzten Gruppe je Scientology-Materialien gegeben?
13. Haben Sie der Presse oder Öffentlichkeit je unschöne Dinge über Scientology gesagt?
16. Haben Sie eine Statistik gefälscht?
17. Haben Sie vor einer Ethik-Körperschaft falsches Zeugnis abgelegt?
18. Haben Sie je eine Ethikuntersuchung erschwert?
19. Haben Sie Daten vorenthalten, um sich selbst oder andere
zu schützen?
30. Haben Sie einen anderen vorn Studieren oder Training abgehaIten?
35. Haben Sie die Bücher der Org gefälscht?
37. Haben Sie eine Meuterei in der Org verursacht oder unterstützt?
49. Haben Sie irgend etwas gemacht, wovon Sie nicht möchten, daß LRH es wissen müßte?

deutsche Übersetzung copyright 1977 by L.Ron Hubbard
ALLE RECHTE VORBEHALTEN"



II.2  Das E-Meter weiß alles 

Diese "Bekenntnisse" werden in der Regel mit dem E-Meter durchgeführt. Das E-Meter ist ein primitives Psychogalvanometer, welches in der Scientology-"Kirche" sowohl als Biofeedbackgerät, als auch als Lügendetektor verwendet wird. Ein Lügendetektor mißt normalerweise zahlreiche Körperfunktionen. Die Meßergebnisse werden automatisch aufgezeichnet und das Gerät wird mit einer Reihe von Testfragen auf jede Person sozusagen geeicht. Selbst dann ist eine gewisse Fehlerquote offenbar nicht auszuschließen, so daß der Bundesgerichtshof die Verwendung des Lügendetektors selbst dann verbietet, wenn ein Angeklagter dies wünscht.

Demgegenüber mißt das E-Meter nur eine einzige Funktion: die Oberflächenspannung der Handfläche. Diese Messungen werden nicht etwa automatisch aufgezeichnet, sondern lediglich auf einer Skala abgelesen. Das Meßergebnis ist nicht nur von psychischen Faktoren abhängig, sondern auch von physikalischen: allein schon durch verstärktes Drücken der Dosen läßt sich der Zeigerausschlag erheblich verändern.

Die Oberflächenspannung der Haut verändert sich mit der Veränderung der psychischen Belastung. Dies ist gesicherte Erkenntnis. Reine Spekulation ist hingegen, was die Scientologen daraus machen. Falsch ist insbesondere die Behauptung, das Gerät könne bestimmte Fragen mit Ja oder Nein beantworten. Auf dieser Annahme aber beruht der Glaube, mit Hilfe des E-Meters könnten Fragen beantwortet werden. Hingegen läßt sich mit Hilfe des E-Meters bei einiger Übung feststellen, daß eine bestimmte Frage Erregung, Widerwillen oder Freude auslöst: Mit einiger Menschenkenntnis kann man dies jedoch auch ohne ein solches Gerät feststellen.

Die eigentliche Frage ist, warum eine bestimmte Frage beispielsweise Erregung ausgelöst hat. Um zu verbergen, daß es sich bei der Beantwortung dieser Frage meist um reine Spekulation handelt, werden den Reaktionen des Zeigers des E-Meters ("Nadel") die unterschiedlichsten Bedeutungen zugerechnet.

So werden 18 verschiedene "Nadelverhalten" behauptet:
Dokument 16
 

1. Fest
2. Null
3. Fall
4. Wechsel des Charakteristikums
5. Ansteigen
6. Theta-Bop
7. Rockslam
8. Freie Nadel
9. Stage Four
10. Raketenanzeige
11. Reine Nadel
12. Schmutzige Nadel
13. Tick
14. Beschleunigtes Ansteigen
15.Beschleunigter Fall
16. Verlangsarntes Ansteigen
17. Verlanqsamter Fall
18.Stop
 Jedes dieser angeblich genau erkennbarer Reaktionen der Anzeige soll angeblich eine ganz bestimmte Ursache haben. Das allerdings ist reine Spekulation. Dennoch glauben die Scientologen (oder wenigstens die überwiegende Mehrheit) fest an die Unfehlbarkeit des E-Meters. Was die eigentliche Funktion des E-Meters ist, sagt Hubbard in seinem Buch "Haben Sie vor diesem Leben gelebt?"  (S. 63):
"Einige Leute mit schlechtem Gewissen haben berechtigte Angst vor dem E-Meter, weil es alles und jedes, was sie getan haben und gewesen sind, ans Licht bringt..."


II.3 Gedankenkontrolle und Gehirnwäsche

Die Kombination von Fragebogen und E-Meter ergibt nicht nur ein umfassendes Bild des Menschen, sie ermöglicht auch Gedankenkontrolle ("mind control") und diese ist eines der Elemente des Vorganges, der als Gehirnwäsche bezeichnet wird.

Exkurs über Gehirnwäsche:
Die sog. Wiener Studie kommt zu dem Schluß, daß bei den von Ihr überprüften Gruppen keine Gehirnwäsche ausgeübt werde. weil kein Zwang ausgeübt werde. Tatsächlich gibt es keinerlei Definition, nach der Gehirnwäsche nur unter Zwang ausgeübt werden kann. Thomas (Die künstlich gesteuerte Seele, Enke Verlag Stuttgart, 1970) spricht von den Hauptmerkmalen der Gehirnwäsche:

a) körperliche Folter
b) seelisches Quälen
und stelle schon damals fest, daß "das Gewicht der seelischer Oualen ... das der körperlichen Grausamkeit so beträchtlich überwiegt, daß nach neueren Angaben auf die körperliche Tortur mehrfach verzichtet wurde".

Ohne die Merkmale der Gehirnwäsche hier umfassend darstellen zu wollen: körperlicher Zwang ist bei der Gehirnwäsche a la Scientology keineswegs erforderlich, weil die Kunden sich der Prozedur freiwillig stellen, in der Annahme, es handele sich lediglich um eine persönlichkeitsbildende Prozedur. Zwang wird also durch Täuschung ersetzt.

Seelischen Qualen werden die Scientologen allerdings in reichem Maße ausgesetzt: Wenn sich ausreichende Schuldgefühle nicht mit der Vergangenheit aus diesem Leben herbeiführen, dann werden mit Hilfe von E-Meter und Zeitspur Untaten aus angeblichen früheren Leben aufgespürt.

Zeigt das E-Meter bei der Befragung keine den Auditor befriedigende Anzeige, wird dieselbe Frage mehrfach bohrend wiederholt, durch Intensivierung der Stimme verstärkt. Man muß sich das beispielsweise bei Frage Nr.49 des "Bekenntnisformular 2" vorstellen:

"Haben Sie irgend etwas gemacht, wovon Sie nicht möchten, daß LRH es wissen würde?"
LRH ist Sektengründer L. Ron Hubbard.
Oder Frage Nr. 78 des Bekenntnisformulars 1:
"Gibt es etwas, das Mary Sue nicht über Sie wissen sollte?"
Mary Sue ist die inzwischen strafrechtlich verurteilte Ehefrau des Sektengründers.
Oder, aus "Bekenntnisformular 5":
Dokument 15
28. Haben Sie deshalb studiert, um anderen Schaden zuzufügen?
30. Beabsichtigen Sie, das, was Sie hier lernen, zu irgendeinem unwürdigen Zweck zu gebrauchen?
41. Haben Sie Scientology oder eine Scientology-Organisation schlecht gemacht?
42. Haben Sie etwas gemacht, wovon Sie nicht wollen, daß diese Organisation darüber etwas weiß?
LRH, Mary Sue und die Organisation: kein Scientologe darf denken, was diese nicht wissen dürfen.

Sicherlich: es hei8t ."Haben Sie etwas gemacht, wovon Sie nicht möchten, daß LRH es weiß". Es geht also scheinbar nicht um Gedanken, sondern um Handlungen. Aber es hei8t auch: "Gibt es etwas, das Mary Sue nicht über Sie wissen sollte?".

Solche Feinheiten mögen vor Gericht eine Rolle spielen: im Denken von Scientologen wohl kaum.



II.4 Suppressive Personen und potentielle Unruhestifter


Wer die Scientology-Geschäfte stört oder auch nur nicht hinreichend fördert, kann zur suppressiven Person erklärt werden, zur unterdrückerischen Person. Dies widerfuhr beispielsweise dein Inhaber eines Imbißstandes in England, weil ihm die Apfelpastete ausgegangen war. Für eingefleischte Scientologen ist dies jedoch weit schwerwiegender: als Angestellte müssen sie erheblich mehr arbeiten oder als "Wiedergutmachung" Strafarbeiten leisten, als Kunden müssen sie vorerst auf die weitere Teilnahme an ~  oder Kursen verzichten.

Wenn dies der ganze Inhalt einer solchen Strafe wäre, dann könnte man dies noch als vereinsinterne Maßnahme ansehen. Tatsächlich aber ist die Erklärung zur unterdrückerischen Person - erst langsam setzt sich die deutsche Sprache in der Scientology-Sekte durch - nur ein kleiner Teil eines umfassenden Straf- und. Überwachungssystems, welches hier nur andeutungsweise dargestellt werden kann. Zu den "Wiedergutmachungen" gehört es beispielsweise, "einen wirksamen Schlag gegen die Feinde der Organisation zu führen". Dieser kann im Verteilen der Zeitschrift "Freiheit" bestehen, aber auch in Morddrohungen gegen Kritiker, wie in der sog. Wiener Studie protokolliert.

Nicht nur Scientologen werden zur unterdrückerischen Person erklärt, sondern auch Außenstehende, so durch
Dokument 16

"EO Nr. 5119    23.6.82".
In dieser "Ethik Order" wird ausdrücklich erwähnt, daß der Betroffene niemals Scientology-Anhänger war.

Auch wer (noch) keine unterdrückerische Person ist, entgeht der Aufmerksamkeit des "Guardian Office" nicht: er kann "PTS" sein, also "Potential Trouble Source" - "möglicher Ärgernisverursacher".

Ein PTS ist laut Scientology-Fachwortsammlung

"eine Person, die mit einer unterdrückerischen Person in Verbindung steht. Alle kranken Personen sind mögliche Ärgernisverursacher".
Und PTS gibt es gleich in zahlreichen Kategorien, beispielsweise
"PTS Typ A - eine Person, die mit Personen, die einen bekannten Antagonismus gegen geistige oder spirituelle Behandlung oder gegen Scientology hegen, in enger Verbindung steht z.B. durch eheliche oder Familienbindungen".
Wer mit einem PIS in Verbindung steht, muß diesen "handhaben" und das lernt er in einem Kurs mit dem Titel "PTS-C/S1", der wegen seiner Bedeutung im Anhang vollständig wiedergegeben wird.
Dokument 17

Im Rahmen der "Handhabung des PTS Typ A" wird auch auf den berüchtigten Trennungsbefehl eingegangen:

"Führungskräfte. der Scientology mußten der Regierung von Neuseeland versprechen, daß die Richtlinie des Äbbrechens der Verbindung zu Familien aufgehoben werden würde. Das wurde getan. Aber seit dieser Zeit hatten wir mehr PTS-Schwierigkeiten als zuvor."


II.5 Der Trennungsbefehl 

Wie erwähnt, behaupten die Scientologen, den berüchtigten Trennungsbefehl abgeschafft zu haben, durch den persönliche Bindungen zerstört wurden. Daß diese Behauptung nicht stimmt, beweist eine  "ETHICS ORDER" aus München, datiert von 1979:
Dokument 18
CHURCH OF SCIENTOLOGY OF GERMANY
HSO MUNICH E.V.
HCO ETHICS ORDER
To: Those concerned
From: HAS Munich
Subject: Separation Order
(Name) and (Name) both Staffmembers of the Munich Org
are hereby placed under a Separation Order ...
They are not allowed to live together, nor have a Scond Dynamic ..."
"Second Dynamic" bedeutet in diesem Zusammenhang Geschlechtsverkehr. Die beiden jungen Leute, die bisher zusammen gewohnt hatten, durften fortan weder zusammenleben noch Geschlechtsverkehr haben und auch jeder sonstige Kontakt hatte sind auf die "Dritte Dynamic" zu beschränken, also auf Kontakt in Gruppen.

Der Trennungsbefehl wird also weiterhin praktiziert.



II.6 Das Femegericht  

Das "Guardian Office" ist eine Art sekteninterner Geheimdienst. Seine Zentrale liegt in England. Von dort aus wurden die amerikanischen Straftaten gesteuert. Chefin war Jane Kember, die nach einem Auslieferungsverfahren in den USA verurteilt wurde. Das "GO" ist aber auch bis ins Detail für die Angelegenheiten deutscher Scientology-Vereine zuständig. So wurde in München eine Mitarbeiterin zur PTS erklärt und von ihrem Posten suspendiert. Um diese Strafe aufheben zu lassen, wandte sie sich an das GO in England und mit Schreiben vom 5.2.79 verlangte Jane Kember höchstpersönlich mehr Informationen.
Dokument 19

Man muß somit wohl davon ausgehen, daß erst recht alle höherrangigen Angelegenheiten zentral gesteuert und erledigt werden.

Das dürfte also insbesondere für das "COMMITTE OF EVIDENCE" gelten, welches herausfinden soll, ob jemand sich
Dokument 20

"... folgender Vergehen und Verbrechen schuldig gemacht hat oder nicht:
Misdemeanors
1. Wissentliche und wiederholte Abweichung von Standard Technologie, Unterweisungsprozeduren oder Policy
2. Nichtbefolgung
3. Dauerndes und wiederholtes Versagen ihren Hut zu tragen bezügl. Dev-T
4. schlechtes Benehmen
5. Ethic verhindern
CRIMES
1. Unterlassungen oder Nichtbefolgungen, die schwere Einmischung von Seniors erfordern, was Zeit Geld verschwendet und Dev-T erzeugt..."
"Dev-T" wird in der Scientology-"Fachwortsammlung" als "unnötig entwickelter Verkehr" definiert, also als Leerlauf.

Betrieblicher Leerlauf ist bei der Scientology-Sekte also ein Verbrechen und wird unter Anklage gestellt. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß dies nach deutschem Recht illegal ist.

Zu beachten ist dabei, daß es sich um Vorgänge handelt, die üblicherweise dem Arbeitsrecht zuzuordnen sind:  Nichtbeachtung betrieblicher Richtlinien, Mißachtung von Anweisungen usw. Einen "Hut tragen" bedeutet nichts anderes, als einen Posten auszufüllen.

Nach welchen Grundsätzen erfolgt nun die Beurteilung?



II.7 Ethik ist Strafe  

"ETHIC VERHINDERN" lautet die Beschuldigung, und:

"... bis jetzt konnte durch keine andere Ethikaktion gehandhabt werden und der nächste Ethikgradient ist ein Comm Ev."
An dem Wort Ethik wird Hubbards "Redefinieren von Worten" besonders deutlich:
Dokument 21
"Im modernen Wörterbuch finden wir Ethik definiert als 'Moral' und Moral als 'Ethik'. Diese beiden Wörter sind nicht austauschbar
Hubbard definiert Ethik vielmehr als "Vernunft" und "Überleben". "Überleben" kann aber nur, wer Scientologe ist und deshalb ist alles vernünftig, was die Organisation schützt und erhält. Somit ist alles unethisch, was der Organisation schadet oder auch nur nicht nützt.

Mit anderen Worten: Für Scientologen ist Ethik nicht anderes als ein Disziplinarsystem zur Erhaltung und Herstellung eines reibungslosen Betriebsablaufes. Wer dagegen verstößt, wird in verschiedene Ethik-"Zustände"  "versetzt":

"Verwirrung, Verrat, Feind, Zweifel , Belastung, Nichtexistenz, Gefahr, Notlage, Normal, Überfluß, Machtwechsel, Macht".
Die "negativen Zustände" sind mit bestimmten Strafen verbunden. Von den Strafen soll hier jedoch nur die bekannteste besprochen werden:



II.8 Freiwild  Fair Game


Die berüchtigte FAIR GAME RULE lautet bei Kaufman ("Übermenschen unter uns"):

"Eine Person, die in den Ethik-Zustand des Feindes zurückgestuft worden ist, gilt als vogelfrei: man darf ihm Eigentum abnehmen, ihn in jeder Weise verletzen, ohne daß man von einem Scientologen bestraft wird. MAN DARF IHM STREICHE SPIELEN; IHN VERKLAGEN; IHN BELÜGEN ODER IHN VERNICHTEN:"

Dokument 22

Daß es diese Anweisung gegeben hat, wurde niemals ernsthaft bestritten. In einer angeblich von Hubbard verfaßten und unterschriebenen Eidesstattlichen Versicherung  schwächt Hubbard die Bedeutung zwar ab und behauptet, diese sei lediglich falsch interpretiert worden, bestreitet den Wortlaut jedoch nicht.

Und die von Hubbard in dieser Eidesstattlichen Versicherung erwähnten Richtlinienbriefe sind auch heute noch in den OEC-Bänden abgedruckt, so HCOPL v. 17.3.65 in dem es heißt:
Dokument 23

"Von jetzt an haben wir das Freiwild-Gesetz".
Aber auch das HCOPL v. 21.10.68, in dem es heißt:
Dokument 24
"Die Praxis, Leute zu FREIWTLD zu erklären, wird .eingestellt. FREIWTLD darf auf keinem Ethik-Befehl erscheinen. Es verursacht schlechte Öffentlichkeitsarbeit".
Dieser Richtlinienbrief hebt keine Richtlinie über die Handhabung von SP auf".

Niemand soll also mehr zum. Freiwild erklärt werden. Keine Rede ist jedoch davon, ob er nach wie vor so behandelt werden darf. Ein Beispiel schildert Robert Kaufman in einer Eidesstattlichen Versicherung (ABI 12-80-74): Nach seiner (im Buch "Übermenschen unter uns") geschilderten Lösung von Scientology wollte er wieder seinen Beruf als Konzertpianist ausüben. Ein Konzert in der Carnegie Hall sollte sein Comeback eröffnen. Deshalb hatte er auch diesen prestigeträchtigen Ort gewählt.

Vor Beginn des Konzerts stellte sich heraus, daß jemand angerufen, sich als Kaufman ausgegeben und das Konzert wegen eines angeblichen Todesfalles in der Familie abgesagt hatte. Kaufmans Comeback war dahin. Heute arbeitet er meist völlig fachfremd. Das FBI fand bei der Razzia bei der Scientology-Sekte einen Ordner mit der Aufschrift "Carnegie Hall Vorfall".

Vernichten: Damit muß nicht die körperliche Vernichtung gemeint sein. Es genügt ja die Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz und dazu hat es viele Versuche gegeben.



II.9 Freeloaderbill - Schnorrerrechnung


Eine besondere Strafe wird kündigungswilligen Mitarbeitern auferlegt, eine Strafe, die fast immer dazu führen dürfte, daß der Mitarbeiter seinen Kündigungswunsch aufgibt und eifriger als je zuvor arbeitet und darüber hinaus noch Wiedergutmachung leistet.

Mitarbeiter werden in der Regel relativ junge Leute, welche die teuren Kurse und insbesondere das noch teurere Auditing nicht bezahlen können. Den jungen Leuten wird ein "kostenloses Studium" angeboten, wenn sie Mitarbeiter werden. Dieses "kostenlose Studium" ist in der Regel wohl der Anreiz für den Abschluß eines Mitarbeiter-Vertrages, denn das Gehalt ist wirklich kein Anreiz: in Normalfall ca. 250.- DM monatlich und keineswegs Kost und Logis frei. Da kommt es den jungen Leuten ganz gelegen, daß sie "nur" einen Zeitvertrag unterschreiben müssen, meist über 2,5 Jahre.

Möglicherweise merkt der Mitarbeiter nach einiger Zeit, daß es sich bei dem "kostenlosen Studium" tatsächlich um nichts anderes als Mitarbeiterschulung handelt, die zusätzlich zur Arbeitszeit und ohne jede Bezahlung absolviert werden muß, dann kündigt er vielleicht.

Der Mitarbeiter wird daraufhin "als freeloader erklärt und von der Scientology Kirche Deutschland ausgeschlossen". Begründung: er hat "den Mitarbeitervertrag gebrochen". Er hat aber auch die Möglichkeit, "zurückzukommen, wenn er die Freeloaderbill bezahlt ...".
Dokument 25

Jetzt erst erschließt sich der Sinn der Zeitverträge: wer nicht die vollen 2,5 Jahre ableistet, dem wird Vertragsbruch vorgeworfen und tatsächlich steht derartiges ja auch im "rechtsgültigen Stab-Mitarbeitervertrag".

Nach dem Vertrag mu8 derjenige, der den Vertrag bricht, das "kostenlose Studium" nachträglich bezahlen.

Dazu wird ihm eine "Freeloaderbill" geschickt, eine "Schnorrer-Rechnung". In dem hier dokumentierten Fall also eine Rechnung über 16.843.- DM, nachdem die Betreffende in 27 Monaten Arbeit bei Scientology nur ca. 7.000.- DM verdient hatte.

Vor diesem Schuldenberg wird der Kündigungswillige wohl in aller Regel kapitulieren und die Kündigung zurücknehmen.

Derartige Verträge sind nach deutschem Arbeitsrecht zwar sittenwidrig und nichtig. Dennoch wurde bisher kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Scientologe vor Gericht gegen solche Forderungen zu Wehr gesetzt hat.
 
 



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