Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Zuletzt bearbeitet am 26.8.2006
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"Engramme" - Die Basis des Scientology-Geschäfts



 
 
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Hubbard hat sich 1950 den Begriff Engramm angeeignet und mit seiner eigenen Bedeutung versehen. Dazu mehr unten (>>).
Bedeutung gewann der Begriff allerdings erst, nachdem Hubbard das E-Meter einsetzte, einen primitiven Lügendetektor.
Damit könne man, so behaupetet Hubbard und so wird bis heute behauptet, die Engramme auffinden und damit beseitigen.
Das angebliche Verfahren wird als "Auditing" verkauft.
Bedeutung gewann das "Engramm" im übrigen auch erst, als Hubbard das E-Meter einzusetzen begann.
Damit wurden die "Engramme" zur Basis des Scientology-Geschäfts.
 
 

"Engramme" werden von Scientology gern mit dem Unterbewusstsein verglichen. In Wahrheit handelt es sich um Produkte der Phantasie.
 
Aus: Scientology-Fachwortsammlung 1979


Engramm engram ein geistiges Vorstellungsbild, welches eine Aufzeichnung einer Zeit von physischem Schmerz und Bewußtlosigkeit ist. Es muß laut Definition Stoß oder Verletzung als Teil seines Inhalts haben. (HCOB 23 Apr 69)
Engrammbank engram bank eine umgangssprachliche Bezeichnung für den reaktiven Verstand. (EX 1 Gloss)
Engramm-Befehl engram command irgendeine Redewendung, die in einem Engramm enthalten ist. (DMSMII Gloss)

 
 

In dem Buch "Haben Sie vor diesem Leben gelebt?" beschreibt Hubbard in 42 angeblichen "Fallstudien" das Ergebnis der Suche nach den Engrammen:

Fall Nr. 5 hatte vor 78 Billionen Jahren einen Zwischenfall im Raum. Es gab dort eine phantastische Raum-Fabrik, in der goldene Tiere konzentrisch herumhingen, meist Elefanten und Zebras, und Schwerkraft gab es auch nicht. 

Fall Nr.8: "Das Engramm: Das Geschehnis wurde mit Hilfe des E-Meters gefunden und hatte vor 3225 Jahren stattgefunden. Ich war in Nordafrika nahe der Küste stationiert. Ich war der Führer des dortigen Frontabschnittes der Armee. Es gab nur fünf derartige Frontabschnitte, die rund um die Küsten bis nach Europa hin reichten."
Es folgt eine Kriegsgeschichte, während der der Berichterstatter unter merkwürdigen Umständen zu Tode kommt. 

Fall Nr.15: "Das Engramm: Das Geschehnis, das am E-Meter den größten Nadelausschlag ergab (was die stärkste seelische Belastung anzeigt), hatte vor 1 015 550 Jahren auf einem anderen Planeten stattgefunden. Dem Preclear schien das Geschehnis zunächst nicht real; dann stellte er fest, daß er ein Raumschiffpilot mit einem Roboterkörper gewesen war. Etwas war schiefgegangen und sein Körper war ausgebrannt."


 
 

Der Begriff Engramm

Der Begriff Engramm wurde von dem Münchner Biologen Richard Semon ("Die Mneme" 1904) eingeführt. Semon vermutete, dass die Tätigkeit des Gehirns dort physikalische Spuren hinterlassen müsse, etwa wie die Rille in der Schallplatte. Es ging dabei also um die Frage, wie das Gehirn die Erinnerungen speichert. Die Amerikaner Lashley und Franz experimentierten in den USA auf der Suche nach diesen Spuren jahrelang mit Ratten und gaben nach Jahrzehnten auf.

Hubbard hat diesen Begriff also vorgefunden und in seinem Buch "Dianetik" verwendet, mit dem er die Psychotherapie revolutionieren wollte: "Engramme sind die einzige Ursache von Aberrationen, einschliesslich psychosomatischer Krankheiten" (Dianetik, 1950, 4. Auflage in Deutsch, 1970, Seite 53).

Für Hubbard ging es mit diesem Begriff also nicht um die Frage, wie das Gehirn speichert. Hubbard benutzte den Begriff also für den angeblichen Inhalt dessen, was angeblich gespeichert wurde. Damit konnte er den Begriff Engramm beliebig benutzten. Das Gehirn und seine Funktionsweise beschreibt er als Computer. ""Ebenso wie der Compter sind die Standard-Gedächtnisbanken perfekt und fertigen gewissenhafte und zuverlässige Aufzeichnungen an" ((Dianetik, 1950, 4. Auflage in Deutsch, 1970, Seite 60). Engramme waren für ihn und sind somit für Scientology ein Störfaktor im Gehirn.

In einer Fussnote schreibt Hubbard (Dianetik, 1950, 4. Auflage in Deutsch, 1970, Seite 76):

"In der Dianetik wird das Wort Engramm in seiner streng abgegrenzten, genauen Bedeutung verwendet, nämlich als ein "eindeutiger und permanenter Abdruck, der von einem Reiz im Protoplasma eines Gewebes hinterlassen wird". Es wird als eine Einheit einer Gruppe von Reizen betrachtet, die nur auf das zellulare Wesen einwirken. (Anm. d. Verf.)".
Auf derselben Seite schreibt Hubbard:
 
Hubbard: Dianetik, 1950, 4. Auflage in Deutsch, 1970, Seite 76


Engramme sind voll ständige, bis ins kleinste Detail gehende Aufzeichnungen von allen Wahrnehmungen, die zur Zeit teilweiser oder vollständiger "Bewußtlosigkeit" vorhanden waren. Sie sind ebenso exakt wie jede andere Aufzeichnung im Organismus. Doch haben sie ihre eigene Kraft. Sie wären mit Schallplattenaufnahmen oder Filmstreifen vergleichbar, wenn diese alle Wahrnehmungen, Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, organische Empfindungen usw., enthielten.
Zwischen einem Engramm und einer Erinnerung besteht jedoch ein ganz deutlicher Unterschied. Ein Engramm kann in jedem beliebigen Körperschaltkreis eingebaut sein und führt sich wie ein eigenständiges Wesen auf. Aus allen Labortests, die mit diesen Engrammen durchgeführt wurden, ging hervor, daß sie über "unerschöpfliche" Kraftquellen verfügten, um dem Körper Befehle zu erteilen. Wie oft auch ein Engramm bei einem Menschen reaktiviert wurde, es blieb machtvoll, ja wurde sogar noch stärker in seiner Kraftentfaltung, je öfter man es reaktivierte. Allein jene Technik, die sich zur dianetischen Therapie entwickelte und die im dritten Teil dieses Buches vollständig beschrieben wird, war überhaupt in der Lage, an diesen Engrammen zu rütteln.
Hier folgt ein Beispiel für ein Engramm: Eine Frau wird mit einem Hieb bewußtlos geschlagen. Sie wird mit Fußtritten traktiert, und es wird ihr vorgeworfen, eine Betrügerin zu sein, sie tauge nichts und ändere ständig ihre Meinung. Gleichzeitig wird ein Stuhl umgeworfen, in der Küche läuft ein Wasserhahn, und auf der Straße fährt ein Auto vorbei. Das Engramm enthält fortlaufende Aufzeichnung aller Wahrnehmungen: Des Gesehenen, Gehörten, Berührten, Geschmeckten, Gerochenen, der Organ- und Bewegungsempfindung, jede Gelenkstellung, Durstaufzeichnung usw. Das Engramm enthält alle Äußerungen, die während der "Bewußtlosigkeit" an die Frau gerichtet wurden, sowie Klang und Emotion in der Stimme des Angreifers, das Geräusch und die Empfindung des ersten und der weiteren Schläge, das Gefühl der Berührung mit dem Boden, Empfindung und Geräusch des umfallenden Stuhles, die organische Empfindung des Schlages, eventuell Blutgeschmack oder einen anderen Geschmack im Mund, den Geruch des Angreifers, die Gerüche im Zimmer, die Geräu sche, die durch die Reifen und den Motor des vorbeifahrenden Autos entstanden, usw.
Das Ganze könnte man mit einem posthypnotischen Auftrag vergleichen. Aber hier ist noch etwas anderes, etwas Neues im Spiel, etwas, das in den Standard-Gedächtnisbanken nicht vorhanden ist, außer als Vorstellungsinhalt: körperlicher Schmerz und schmerzliche Emotion.
Körperlicher Schmerz und schmerzliche Emotion kennzeichnen den Unterschied zwischen den Standard-Gedächtnisbanken und den reaktiven Engrammbanken. Körperlicher Schmerz und schmerzliche Emotion kennzeichnen auch den Unterschied zwischen einem Engramm, das die Ursache für Aberration für alle Aberrationen ist, und einer Erinnerung.
Wir haben alle gehört, daß schlimme Erfahrungen für das Leben hilfreich seien und daß der Mensch ohne solche niemals etwas lerne. Das mag sehr wahr sein. Aber das Engramm fällt nicht unter diese Regel. Das Engramm ist keine Erfahrung, sondern ein Befehl zu handeln.
Bevor der Mensch über ein umfangreiches Vokabular verfügte, waren diese Engramme vielleicht in einem gewissen Grade nützlich für ihn. Sie bedeuteten Überleben auf eine Art und Weise, die später noch erläutert wird. Aber seitdem der Mensch sich eine feinsinnige Sprache mit Wörtern, die gleich lauten, aber verschiedene Bedeutungen haben, ja seitdem er sich überhaupt eine Sprache angeeignet hatte, waren diese Engramme eine weitaus größere Belastung als eine Hilfe. Und jetzt, nachdem der Mensch gut entwickelt ist, schützen sie ihn überhaupt nicht, sondern sie machen ihn wahnsinnig, untüchtig und krank.
Der Beweis für jede Behauptung liegt in ihrer Anwendbarkeit. Wenn diese Engramme aus der Bank des reaktiven Verstandes getilgt werden, steigern sich Vernunft und Leistungsfähigkeit in sehr starkem Maße, die Gesundheit verbessert sich bedeutend, und der Mensch denkt vernünftig gemäß dem Verhaltensmuster des Uberlebens. Das bedeutet, daß er Freude am Leben und an der Gesellschaft anderer Menschen hat. Er ist konstruktiv und schöpferisch. Er ist nur destruktiv, wenn der Bereich seiner Dynamiken wirklich bedroht ist.
In diesem Stadium der Entwicklung des Menschen haben also die Engramme einen ausschließlich negativen Wert. Als er sich noch wenig von seinen Tiervettern unterschied (die alle einen reaktiven Verstand der gleichen Art haben), mögen die Daten für ihn nützlich gewesen sein. Mit der Sprache und seiner veränderten Lebensweise sind jedoch Engramme zu einem ausgesprochenen Nachteil geworden und haben heute keinerlei konstruktiven Wert mehr.
Der reaktive Verstand war ursprünglich zur Sicherung des Überlebens bestimmt. Er gibt noch vor, in dieser Weise zu wirken, doch seine unglaublichen Fehler führen heute nur noch in die entgegengesetzte Richtung.

Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Hubbard jemals "Labortests" durchgeführt hat.
 
 



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