Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
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Zuletzt bearbeitet am 23.6.2007
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Scientology:

Offener Brief an Bundeskanzler Kohl:
Zwei verschiedene Versionen
Open Letter to Chancellor Kohl:
Two different versions

 
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Dr. Rüdiger Gollnick: Zwischen Fesselung und Befreiung: Scientology mit Analyse der US-Version des Briefes

Die deutsche Version von 1992

Der offene Brief vom 17.12.1992 an Bundeskanzler Kohl enthält zwei Forderungen:

Das entspricht der üblichen Forderung nach Anerkennung, die wiederum zu Werbezwecken hätte verwendet werden können. Die Scientology-Organisation geht stets davon aus, dass Kritiker Kriminelle sind, www.ingo-heinemann.de/Kritiker-sind-Verbrecher-1982.htm
Also wird Kritik als "kriminelle Hetzkampagne" bezeichnet.
Es ist auch keineswegs ungewöhnlich, dass der Staat aufgefordert wird, gegen die vermeintlichen Verbrecher zu ermitteln.
Ungewöhnlich ist allerdings, dass Scientologen den Regierungschef auffordern, gegen Kritiker vorzugehen.
 
 
Als PDF unter Scientology-an-Bundeskanzler-17.12.1992.pdf

OFFENER BRIEF AN HERRN BUNDESKANZLER DR. HELMUT KOHL  17.12.92

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
wir, die Unterzeichneten, sind Mitglieder der Scientology Kirche. 
In den letzten Monaten wurde von politischer Seite und von Seite der Medien eine  beispiellose Hetzkampagne auf unsere Glaubensgemeinschaft und zahlreiche Mitglieder wenn auch nicht initiiert, so doch inszeniert.
Lediglich auf Grund von gesteuerten Berichten einiger weniger soll die Scientology Kirche und somit auch ihr Mitgliederbestand zum Objekt von Verfassungsschützern, zur quasi-staatsfeindlichen Einrichtung erklärt und in einen Topf mit extremistischen politischen Gruppierungen geworfen werden.
All dies unter dem Vorwand, daß der Heilsweg der Scientology Kirche die Menschenwürde verletzen würde.
Bislang wurde in ALLEN sogenannten Expertenanhörungen nur eine Seite gehört, nämlich die einer Handvoll eingeschworener Gegner jeglicher neuen Religion oder Weltanschauung, bzw. einer verschwindend geringen Anzahl ehemaliger Mitglieder der Scientology Kirche.
Niemals würden die zahlreichen ehemaligen Mitglieder anderer religiöser oder auch weltlicher Gruppierungen - bis hin zum minderjährigen Ministranten, der von seinem Priester mißbraucht wurde oder dem Mönch, der sich als seelischer Krüppel vom Keuschheitsgelübde und Zeitungsleseverbot ausgibt - zum Anlaß genommen werden, eine Einstufung dieser Gruppierungen als staatsfeindlich vorzunehmen, auf der Grundlage dauernder Verstöße gegen Artikel 1 GG.
Niemals würden auch die zahlreichen Gebote, Kirchenrechtlichen Kodizes und Praktiken der Amtskirche, ihre hierarchischen Strukturen und ihr Absolutheitsanspruch, welche in großem Ausmaß von ihren Gegnern als Verstoß gegen die Menschenwürde eingestuft werden, als Anlaß für ein "einheitliches Vorgehen" der Parteien und politischen Mandatsträger dienen.
Ebensowenig würde wohl zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen werden, Lybiens Gaddafi als alleinigen Experten in der Frage der Existenzberechtigung der Vereinigten Staaten zu konsultieren oder den zukünftigen Bau von Autobahnen alleinig von einem Gutachten eines Automobilgegners abhängig zu machen.
Niemals würde eine andere Gesellschaftliche Gruppierung nach solcherlei rechtsstaatlich unhaltbaren Maßstäben beurteilt werden.

- 2 -
Allein der Scientology Kirche wird seit Jahren jeder nur denkbare und in der Regel erfundene Gesetzesverstoß einzelner Mitglieder angelastet, während zum selben Zeitpunkt beispielsweise in Bayern fast 80 Prozent aller Straftaten von Katholiken begangen werden, ohne daß jemand auch nur auf die Idee käme, diese bedauerliche Tatsache der katholischen Kirche und ihrer Glaubenslehre in die Schuhe zu schieben. Diese Idee wäre auch absurd.
Es versteht sich in diesem Zusammenhang von selbst, daß auch und gerade die Scientology Kirche unter den ersten ist, die tatsächliche Mißstände oder individuelle Beschwerden aufgreift und im Rahmen ihrer Möglichkeiten behebt - wenn man sie läßt.
Kaum einer der Politiker, der alles über die Scientology Kirche zu wissen vorgibt, hat sich jemals die Mühe gemacht, auch die andere Seite auf die konkreten Vorwürfe hin, zuhören.
Kein einziger der angeblich neutralen Experten, die in letzter Zeit auf politisches Drängen hin Gutachterlich Stellung bezogen, hat jemals das zu begutachtende Objekt, die Scientology Kirche, kontaktiert, jeder einzelne, bis hin zum Verfassungsschutz, operierte mit Ferndiagnose auf Grund von Vorwürfen, die einer Verifizierung wohl kaum standhalten würden.
Die Tatsache, daß 90 Prozent aller Gerichtsentscheidungen zu gängigen Vorwürfen schon in der ersten Instanz zu Gunsten der Scientology Kirche ausgehen, wird nicht zur Kenntnis genommen, positive Entscheidungen werden in aller Regel in den Medien ignoriert.
Die Tatsache, daß trotz intensivster Anstrengungen der weltanschaulichen Gegnerschaft in 20 Jahren noch nicht ein einziges Vorstandsmitglied einer Scientology Kirche oder Mission wegen strafrechtlicher Verstöße verurteilt wurde, wird ignoriert.
Die Tatsache, daß ganz im Gegensatz zu Medienberichten in 20 Jahren noch nicht ein einziges von Tausenden von hauptamtlich tätigen Mitgliedern der Scientology Kirche entweder Selbstmord begangen hat oder sich in einer psychiatrischen Klinik wiederfand, wird ignoriert.
Während im selben Zeitraum ein eigener Krankheitsbegriff für den geistigen Verfall einer Reihe von amtskirchlich tätigen eingeführt werden mußte, nämlich der der "ecclesiastischen Neurose".
Daß die Mitglieder der Scientolgy Kirche drogenfrei sind, wird ignoriert.
Daß es seit bestehen der Kirche in Deutschland noch nie im Zusammenhang mit Scientologen eine Gewalttat, geschweige denn eine politisch oder religiös motivierte Gewalttat gab, wird ignoriert.
Daß alle Mitglieder - die hauptamtlich tätigen - bis hin zum Polizeilichen Führungszeugnis, sich auf Grund der Natur des scientologischen Heilswegs verpflichten müssen, einen ethisch einwandfreien und legalen Lebensweg zu verfolgen und ansonsten von der Kirche ausgeschlossen werden, wird ignoriert.

- 3 -
Stattdessen wird im Schutze der Meinungsfreiheit "die kriminelle Vereinigung" heraufbeschworen.
Die Tatsache, daß die wirtschaftliche oder politische Betätigung einzelner Mitglieder der Scientology Kirche und die damit einhergehende Unterstellung der "Unterwanderung" mit der Scientology Kirche als solcher ungefähr genauso viel zu tun hat, wie die Betätigung eines Geschäftsmannes oder Abgeordneten katholischer Konfession mit dem erzbischöflichen Ordinariat München-Freising, wird trotz entsprechender Gerichtsurteile und eidestattlicher Erklärungen ignoriert.
Obiges ließe sich beliebig fortsetzen.
Es ist richtig, daß die Menschenrechte von Mitgliedern der Scientology Kirche mit Füßen getreten werden.
Jedoch nicht von der Scientology Kirche, die uns genauso zur religiösen Heimat geworden ist, wie die Kirchen und Lehren anderer Konfessionen es für ihre Mitglieder in aller Regel sind.
Sondern von denjenigen, die vorgeben, diese Menschenrechte schützen zu wollen.
Diejenigen, die sich als Feuerwehr ausgeben, sind in Wahrheit selbst die Brandstifter.
Wer anders als wir, kann besser beurteilen, ob und von wem unsere Menschenwürde verletzt wird.
Wir bekennen uns zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Und wir sind mündige Bürger, die sich gegen die faschistische Behandlung durch diejenigen zur Wehr setzen, die uns "im Namen der Menschenrechte" eben diese aberkennen und das Verursacherprinzip auf den Kopf stellen.
Scientologen erfahren täglich am eigenen Leib, was es heißt, einen anderen Glauben zu haben.
Kinder, die nur deshalb nicht im Kindergarten aufgenommen werden, weil ihre Eltern Scientologen sind.
Erwachsene, die in ihren Berufen denunziert werden und in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden.
Ohne Anhörung der Betroffenen werden "Unvereinbarkeitsbeschlüße" - so auch von der CDU-erlassen, und Mitglieder der Scientology Kirche auch aus dem politischen Leben ausgeschlossen.
Eingeschlagene Fenster, bespuckte und beschimpfte Mitglieder, das Lächerlichmachen der Lehre, Hexenjagen in jeglicher Couleur.
Dies ist die reale Wirklichkeit,, die mittlerweile auch der Menschenrechts-Kommission der UN zur Kenntnis gebracht wurde, in einer umfangreichen Dokumentation.

- 4 -
Die selben politischen Organe, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Verwirklichung des Schutzes und der Freiheiten der Artikel 1 - 5 GG und gerade eben für die Mitglieder der Scientology Kirche und vieler anderer Minderheitsreligionen in der BRD zu verwirklichen, -dieselben politischen Organe lassen sich jetzt vor den Karren derjenigen spannen welche, dieses Land in seine dunkleren Zeiten zurückstoßen wollen.
Es reiht sich nahtlos in diese Absurditäten ein, daß nicht diejenigen, welche in bewußter Verschwörung den Staat für ihre kriminellen Zwecke benutzen, vom Verfassungsschutz überprüft werden, sollen, sondern diejenigen, welche die ersten Opfer der resultierenden Hetzkampagne waren.
Wir werden das nicht hinnehmen und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln den jetzigen Entwicklungen begegnen.
Wir werden nicht weiterhin auch die andere Backe hinhalten, sonder nötigenfalls unsere Rechte mit Hilfe von Mitgliedern der Scientology Kirche aus 70 Ländern der Erde durchsetzen.
Wir haben ein Recht, gehört zu werden.
Wir haben ein Recht, als menschliche Wesen behandelt zu werden.
Wir haben ein Recht, den Glauben unserer Wahl anzunehmen und zu praktizieren.
Wir fordern Sie, Herr Bundeskanzler, daher auf, uns in unserem Bemühen gehört zu werden zu unterstützen und Vertreter der Scientologen zu empfangen. Sie haben sich mehr als einmal, gerade in der letzten Zeit, für die Rechte derer eingesetzt,:die sich auf Grund Ihrer Rasse, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung pauschalierten Angriffen und Diskreminierungen ausgesetzt sehen.
Wir fordern Sie ferner auf, die Verursacher dieser kriminellen Hetzkampagne einer Untersuchung zu unterziehen, welche ihre wahren Motive an den Tag bringt.
Alles, was wir möchten ist, genauso behandelt zu werden wie andere Mitglieder der Gesellschaft auch. Mit denselben Rechten, mit denselben Maßstäben, und das heißt auch objektiv und neutral und ohne die von vorneherein bestehende. Absicht, die Scientologen mit allen nur denkbaren Mitteln der Propaganda und des Rechtstaats zu zerstören.
Mit der dringlichen Bitte um Antwort und der Bitte um ein Gespräch mit Vertretern der Scientology Gemeinde verbleiben wir
Hochachtungsvoll 
Stellvertretend für die gesamte Scientology Gemeinde:
 

Zu dem Begriff "Heilsweg" (>>):
 
 

Die englische Version von 1996

Eine Analyse des US-Briefes ist enthalten in
Dr. Rüdiger Gollnick: Zwischen Fesselung und Befreiung: Scientology

Die hier gezeigte Version des US-Briefes vom Dezember 1996 wurde zuletzt am 22.6.2007 geladen aus http://www.scientology.org/scnnews/kohl/issu000b.htm
 

December 1996

Dear Chancellor Kohl: 
We have signed this letter to indicate our deep concern at the invidious discrimination against Scientologists practiced in your country and by your own party. We are not Scientologists, but we cannot just look the other way while this appalling situation continues and grows.

     In the Germany of the 1930s, Hitler made religious intolerance official government policy. Jews were at first marginalized, then excluded from many activities, then vilified and ultimately subjected to unspeakable horrors.

     The world stood by in silence. Perhaps if people had spoken up, taken a stronger stand, history would tell a different story. We cannot change history, but we can try not to re-live it.

     In the 1930s, it was the Jews. Today it is the Scientologists. The issue is not whether one approves or disapproves of the teachings of Scientology. Organized governmental discrimination against any group on the basis of its beliefs is abhorrent even where the majority disagree with those beliefs.

     And, when individuals hold personal beliefs that they consider their religion, it is not the place of a democratic government to proclaim by fiat that they are not a religion in order to evade laws against religious discrimination. Besides, the German courts have held more than once that Scientology is, in fact, a religion.

     Individuals guilty of no crime but believing in Scientology are banned from German political parties, including your own. Scientologists cannot obtain employment by your government or contracts with that government. Children have been excluded from schools because their parents are Scientologists. Your Minister of Labor proposed the adoption of a ban on Scientologists from all positions of public service. And – like the book burning of the 1930s – your party has organized boycotts and seeks to ban performances of Tom Cruise, John Travolta, Chick Corea and any other artist who believes in Scientology.

     These acts are intolerable in any country that conceives of itself as a modern democracy. This organized oppression is beginning to sound familiar ... like the Germany of 1936 rather than 1996. It should be stopped — now, before it spreads and increases in virulence as it did before.

     You may feel that, as non-Germans, this is not our business. But today’s World is a smaller, different place. We are far more dependent upon one another. When a modern nation demonstrates its unwillingness to protect the basic rights of a group of its citizens, and, indeed, exhibits a willingness to condone and participate in their persecution, right thinking people in other countries must speak out. Extremists of your party should not be permitted to believe that the rest of the World will look the other way. Not this time.

     Those who seek to gain political power or to indulge personal hatreds by repeating the deplorable tactics of the 1930s cannot be permitted that luxury. This time voices will be raised.

     We implore you to bring an end to this shameful pattern of organized persecution. It is a disgrace to the German nation.
 
 
 
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